Wintertriticale und Winterroggen: Ergebnisse der Landessortenversuche 2026

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Erntereife Triticale

Die nordrhein-westfälischen Anbauflächen für Wintertriticale und -roggen haben sich zur Ernte 2026 leicht erhöht auf 43.300 ha beziehungsweise 36.200 ha, liegen aber immer noch deutlich unter dem Niveau von 2023. Während die Sortenempfehlungen für Roggen weitestgehend identisch bleiben gibt es bei Triticale zwei interessante Neuzulassungen.

Ernte leicht unterdurchschnittlich

Ähnlich dem Winterweizen erfolgte die letztjährige Aussaat von Wintertriticale und -roggen meist unter günstigen Bedingungen und war gefolgt von einer guten Herbstentwicklung. Besonders zu Vegetationsbeginn fehlte es vielen Beständen allerdings an Wasser und daraus resultierend auch an Nährstoffen. Die ab April/Mai zunehmenden Niederschläge begünstigten vor allem die leichteren Standorte, während auf schwereren Böden die zusätzlich geringen Temperaturen die Bestandesentwicklung einbremsten.

Mindestens ebenso wurden die späteren Erträge allerdings von der starken Hitzephase in der zweiten Junihälfte mit Höchsttemperaturen von über 40 °C beeinflusst. Diese wirkten sich abhängig von Standort und Sorte überwiegend negativ auf die Ertragsbildung aus. Besonders auf eigentlich guten Standorten fiel die Ernte daher sowohl in Triticale als auch im Roggen eher unterdurchschnittlich aus.

Der Krankheitsdruck blieb über die gesamte Saison relativ gering und ließ sich mit einer angepassten Fungizidstrategie gut beherrschen. Lager trat bis zur Ernte kaum auf. Begünstigt durch die kühl-feuchte Witterung zur Blüte kam es allerdings vermehrt zu Befall mit Mutterkorn. Davon betroffen waren vor allem uneinheitlich entwickelte Bestände und Schlagränder in direkter Nähe zu möglichen Infektionsquellen. Ausgehend von den bisherigen Rückmeldungen aus der Praxis war Roggen deutlich häufiger befallen als Weizen oder Triticale und auch die Sorte hatte einen signifikanten Einfluss.

Ergebnisse der Landessortenversuche 2026

Die nordrhein-westfälischen Landessortenversuche mit Wintertriticale und Winterroggen zur Ernte 2026 erfolgten an insgesamt 5 beziehungsweise 4 Standorten am Niederrhein, im Münsterland und in Süd- und Ostwestfalen. Die Aussaat erfolgte in der Zeit vom 09. bis 19.10 2025 unter guten Bedingungen. Die meisten Bestände entwickelten sich gut und gleichmäßig. Allein in den Versuchen auf Haus Riswick (Pfalzdorf) blieb die Bestandesdichte vor allem in der Wintertriticale relativ gering. Andererseits gab es an diesem Standort witterungsbedingt fast keinen Krankheitsdruck. Ansonsten traten in Wintertriticale früh etwas Mehltau, Blattsptoria und Rhynchosporium auf, Gelbrost aber nur in Blomberg-Holstenhöfen. Der durchschnittliche Befall mit Braunrost lag auch im Winterroggen auf einem geringeren Niveau als in den Vorjahren. Bei durchschnittlichen Kornerträgen in Wintertriticale von 68,8 dt/ha (Haus Riswick) bis 110,2 dt/ha (Möhnesee-Berlingsen) und von 83,1 dt/ha (Haus Riswick) bis 110,1 dt/ha (Haus Düsse) in Winterroggen lagen die durchschnittliche Ertragsverluste ohne Fungizide in allen Versuchen bei unter 15% und auf Haus Riswick sogar bei nur 0-2%. Lager trat nur im Winterroggen und sehr stark nur in den Versuchen in Blomberg auf. Die erreichten Qualitäten waren überdurchschnittlich. Ährenfusarium wurde nicht bonitiert, allerdings in beiden Kulturen an verschiedenen Standorten etwas Mutterkornbefall. Die mehrjährige und länderübergreifende Auswertung wird um 8 Wintertriticale- und 6 Winterroggenversuche aus Niedersachsen und Hessen ergänzt.

Sortenempfehlungen für Wintertriticale

Bei Wintertriticale dominieren aktuell Lombardo, Rivolt, Lumaco und Fantastico. Alle genannten Sorten besitzen verschiedene Stärken und Schwächen und lassen sich daher für verschiedene Standorte und Kulturplanungen empfehlen. Diesjährig können darüber hinaus besonders die neueren Sorten mit guten Erträgen und hoher Blattgesundheit überzeugen.

Lombardo bleibt vor allem auch aufgrund der hohen Winterhärte in den aktuellen Hauptempfehlungen. Die Sorte erzielt zwar nur noch leicht unterdurchschnittliche, dafür aber stabile Erträge in allen Anbaugebieten. Lombardo erfordert eine angepasste Fungizidstrategie vor allem gegen Gelb- und Braunrost.

Rivolt verliert aufgrund der unterdurchschnittlichen Erträge und schlechten frühen Blattgesundheit an Bedeutung, bleibt allerdings für Betriebe interessant, die auf eine möglichst hohe Resistenz gegenüber Ährenfusarium achten. Der Fungizideinsatz orientiert sich am Mehltau- und Gelbrostbefall.

Lumaco erzielt in den Niederungen nach wie vor überdurchschnittliche Erträge und überzeugt darüber hinaus mit einer guten Blatt- und Ährengesundheit. Allein gegenüber Mehltau scheint eine leicht erhöhte Anfälligkeit zu bestehen. Die größten Schwächen sind die geringe Winterhärte und hohe Lagerneigung. Lumaco lässt sich aufgrund der starken Bestandesentwicklung auch als Ganzpflanzensilage nutzen.

Bicross ist im direkten Vergleich zu Lumaco noch etwas früher, geringfügig standfester und weniger anfällig gegenüber Braunrost und Ährenfusarium. Aufgrund der durchschnittlich geringeren Erträge wird die Sorte trotzdem nur eingeschränkt für die besseren Standorte empfohlen. Bicross ist ebenso wie Lumaco sowohl für die Körner- als auch die Ganzpflanzenernte geeignet.

Fantastico erzielt zur diesjährigen Ernte vor allem in Nordrhein-Westfalen nur unterdurchschnittliche Erträge und rutscht daher auch in der mehrjährigen und länderübergreifenden Auswertung weiter nach hinten. Andererseits überzeugt die Sorte mit einer sehr guten Winterhärte (ähnlich Lombardo) und guten Standfestigkeit sowie einer relativ geringen Anfälligkeit gegenüber Braunrost und Ährenfusarium. Daher wird Fantastico vor allem für Betriebe mit positiven Anbauerfahrungen weiter empfohlen.

Promiso bietet eine gute Kombination aus überdurchschnittlichen Erträgen, einer guten Standfestigkeit und einer sehr hohen Blattgesundheit. Ausgehend von ersten Bonituren scheint die Sorte ausreichend winterhart. Die diesjährigen Erträge lagen zwar unter dem Niveau des Vorjahres, aber trotzdem höher als bei allen vorgenannten Sorten. Die nur eingeschränkte Sortenempfehlung resultiert aus der hohen Anfälligkeit gegenüber Ährenfusarium, die besonders in Maisfruchtfolgen kritisch zu bewerten ist.

Rugiro wurde vor allem aufgrund der guten Anbaueigenschaften neu in die Versuche aufgenommen, erzielte darüber hinaus im ersten Prüfjahr aber auch sehr gute Erträge. Gegenüber Promiso ist die Sorte zwar etwas weniger standfest, dafür allerdings auch weniger anfällig gegenüber Ährenfusarium. Rugiro ist frohwüchsig und nach Angaben des Züchters und ersten Bonituren durchschnittlich winterhart. Die Saatgutverfügbarkeit ist für einen Anbau zur Probe bereits ausreichend.

RGT Comebac wurde diesjährig ebenfalls neu in die Versuche aufgenommen und bestätigt im ersten Prüfjahr ein hohes Ertragspotential in fast allen Versuchen. Die Sorte ist etwas weniger standfest und blattgesund als Rugiro, kann ansonsten aber in ähnlichem Maße überzeugen. RGT Comebac scheint nach ersten Bonituren relativ winterhart. Die Sorte wird ebenfalls für den Anbau zur Probe empfohlen.

Sortenempfehlungen für Winterroggen

Durchschnittlich erzielen aktuell die empfohlenen Sorten der Saaten-Union etwas höhere Erträge als die KWS-Sorten. Allerdings ist der Unterschied klein und bei der Sortenwahl von geringerer Bedeutung als Eigenschaften wie die Standfestigkeit und Strohstabilität oder die Anfälligkeit gegenüber Braunrost. Bei der Mutterkornvermeidung setzt KWS auf die so genannte PollenPLUS-Technologie um die Blüte zu beschleunigen und damit das Risiko einer Infektion zu verringern. Bei den Sorten der Saaten-Union hingegen wird zusätzlich zur genetischen Resistenz ein 10%iger Anteil einer Populationssorte in das Saatgut eingemischt, um die Bestäubung zu verbessern und nicht befruchtete Blüten zu reduzieren.

KWS Tayo erzielt zwar nach wie vor leicht unterdurchschnittliche Erträge, erreicht aber überwiegend nicht das Niveau der neueren Sorten. Bei guten Anbauerfahrungen lohnt es sich gegebenenfalls bei der Sorte zu bleiben, auch da nur wenige neuere Sorten eine ähnlich gute Standfestigkeit und Strohstabilität besitzen. Die Braunrost- und Mutterkornresistenz sind geringer als bei den meisten neueren Sorten.

SU Karlsson erreicht in der Saatgutvermehrung fast das Niveau von KWS Tayo. Anbautechnisch kann die Sorte vor allem auf leichten Böden überzeugen und ist im direkten Vergleich zu KWS Tayo zwar weniger standfest und strohstabil, dafür aber auch weniger anfällig für Braunrost. Die etwas höhere Mutterkornresistenz resultiert aus der beschriebenen Beimischung von 10% Populationssaatgut.

KWS Baridor erzielt auf guten Standorten ähnliche Erträge wie KWS Tayo und ist im direkten Vergleich weniger anfällig für Braunrost und Mutterkorn. Auf leichten Böden ist die Sorte weniger geeignet.

KWS Emphor wird trotz ähnlicher Ertragsleistung gegenüber KWS Tayo bevorzugt empfohlen, da die Sorte etwas weniger anfällig für Braunrost und vor allem Mutterkorn ist. Die Erträge sind sehr stabil. KWS Emphor zählt wie KWS Tayo zu den etwas kürzeren Sorten.

SU Erling überzeugt auch im dritten Prüfjahr mit deutlich überdurchschnittlichen Erträgen, kombiniert mit einer guten Standfestigkeit und Strohstabilität. Die Sorte zeigt sich bereits im Herbst sehr wüchsig. Die Blattgesundheit ist durchschnittlich. Kritsch zu bewerten die etwas höhere Anfälligkeit gegenüber Mutterkorn, vor allem für Betriebe mit negativen Erfahrungen. Aufgrund des exklusiven Vertriebs und der relativ geringen Vermehrungsfläche ist die Saatgutverfügbarkeit allerdings begrenzt. Als mögliche Alternative könnte sich zukünftig die Sorte SU Fenn entwickeln.

SU Fred erreicht zwar nur durchschnittliche Erträge, zählt aktuell aber zu den Sorten mit der geringsten Anfälligkeit gegenüber Mutterkorn. Betriebe auf besseren Standorten, die sich gegenüber diesem Risiko absichern möchten, sollten mit der Sorte gut beraten sein.

Darüber hinaus wurde diesjährig erstmals auch die neue Zwergstrohhybride KWS Erebor an allen Standorten geprüft: Die durchschnittlichen Erträge lagen in Nordrhein-Westfalen etwa 5% unter denen der Normalstrohhybriden. Auf den niedersächsischen Sandstandorten hingegen erzielte die Sorte teils sogar etwas höhere Erträge. Darüber hinaus sind die sehr hohe Standfestigkeit und Strohstabilität (auch ohne Wachstumsreglereinsatz) und die geringe Anfälligkeit gegenüber Mutterkorn positiv zu bewerten. Die Sorte wird weiter geprüft. Saatgut ist aktuell noch kaum erhältlich.

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Autor: Johannes Roeb und Heinz Koch