Landessortenversuche Winterweizen 2026

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Winterweizen

Die nordrhein-westfälische Anbaufläche für Winterweizen zur Ernte 2026 blieb mit etwa 236.000 ha gegenüber dem Vorjahr stabil. Die durchschnittlichen Erträge fielen, vor allem bedingt durch die starke Hitze im Juni, allerdings deutlich schwächer aus. Marktfruchtbetriebe profitierten von den relativ hohen Proteingehalten. Besonders frühe Sorten erzielten gute Ergebnisse. Die aktuellen Sortenempfehlungen bleiben überwiegend konservativ, werden aber durch zwei interessante Neuzulassungen ergänzt.

Hitze kostete Ertrag

Die letztjährige Aussaat des Winterweizens erfolgte meist unter guten Bedingungen und zu normalen Terminen. Der trockene Herbst begünstigte eine gute Wurzelentwicklung. Allein in der kleinen Region zwischen Viersen, Düren und Köln waren die Böden in diesem Zeitraum relativ nass und die Aussaat oft erst verspätet möglich. Der Winter verlief ohne besondere Vorkommnisse und war weder besonders kalt noch reich an Niederschlägen. Das daraus resultierende Wasserdefizit wirkte sich mit beginnender Vegetation vor allem in den westfälischen Anbaugebieten negativ aus. Abhängig vom Standort blieben viele Bestände trotz relativ warmer Temperaturen in der Entwicklung zurück, da die im Boden gebundenen Nährstoffe nur langsam mobilisiert wurden. Die ab April geringeren Temperaturen bremsten zwar die Entwicklung, gleichzeitig setzten ausreichende Niederschläge aber so viel Stickstoff frei, dass sich auch schwächer entwickelte Bestände landesweit relativ stark angleichen konnten.

Die erst trockenen und anschließend kühlen Temperaturen begünstigten einen geringen Krankheitsdruck. Abhängig vom Standort traten nur regional etwas Mehltau, Blattseptoria und Gelbrost auf und erreichten selten die oberen Blattetagen. Auffallend beim Gelbrost war, dass zu Befallsbeginn einige als wenig anfällig bewertete Sorten stärkere Symptome zeigten. Da der Befall aber nur selten anhielt, ließ sich eine erhöhte Anfälligkeit nur für die Sorten Pondor, Celebrity, Balzac und Champion sicher nachweisen. Besonders Champion reagierte extrem anfällig, was darauf hindeutet, dass mittlerweile auch in Deutschland die so genannte Champion-Rasse des Gelbrosts, welche die Yr15-Resistenz der Sorte überwindet, aktiv ist. Glücklicherweise besitzen fast alle in Deutschland angebauten Weizensorten entweder andere oder zusätzliche Resistenzen, so dass eine Epidemie wie 2014 nicht zu erwarten ist. Braunrost trat erst relativ spät in anfälligen Sorten auf und ließ sich daher gut bekämpfen.

Die weitere Bestandesentwicklung war geprägt von der starken Hitzephase in der zweiten Junihälfte mit Höchsttemperaturen von regional bis 40 °C über mehrere Tagen. Die meisten Weizenbestände, deren Temperaturoptimum eigentlich bei 20-25 °C liegt, reagierten auf diesen Stress mit einer vorzeitigen Abreife des Korns, wie sich zur Ernte anhand der relativ geringen Tausendkornmasse bestätigte. Aufgrund des oft verzögert abreifenden Strohs verlief die Ernte zwar sehr schnell, war aber nicht ganz so früh beendet wie 2018 als zusätzlich auch die Wasser- und Nährstoffversorgung reduziert waren.

Die bisher aus der Praxis gemeldeten Erträge lagen durchschnittlich etwa 10% unter dem langjährigen Mittel. Besonders auf eigentlich guten Standorten konnten mittlere und späte Sorten ihr Ertragspotential meist nicht realisieren. Die relativ geringen Erträge korrelierten oft mit höheren Proteingehalten, so dass im Vergleich zu den Vorjahren ein höherer Anteil der Ernte als Brot- und Backweizen vermarktet werden konnte. Das Hektolitergewicht war durchschnittlich und die Fallzahl hoch. Ährenfusarium in anfälligen Sorten und punktuell Mutterkorn führten nur regional zu Problemen bei Vermarktung oder Verwertung.

Ergebnisse der Landessortenversuche 2026

Die nordrhein-westfälischen Landessortenversuche mit Winterweizen wurden wie üblich an insgesamt 8 Standorten angelegt. Die Aussaat erfolgte vom 08.10.2025 bis 31.10.2025. Der Feldaufgang war in den meisten Versuchen zufriedenstellend, erfolgte in Erkelenz-Venrath allerdings verzögert, da dort der Boden nach Niederschlägen verschlämmte. Darüber hinaus ließen sich in Greven bereits vor Winter deutliche Ungleichmäßigkeiten feststellen, die sich überwiegend auf den Boden zurückführen ließen. Mit einsetzender Vegetation aber regional nach wie vor zu trockenen Böden blieben vor allem die beiden südwestfälischen Versuche und der Versuch in Blomberg zunächst im Wachstum zurück. Dies änderte sich allerdings bis zur Ernte, auch durch relativ höhere Niederschläge im Münsterland und Ostwestfalen.

Die zunächst trockene und anschließend kühle Witterung führte zu einem insgesamt geringen Krankheitsdruck. Mehltau trat vor allem in anfälligen Lagen auf und Gelbrost nur an einzelnen Standorten und in anfälligen Sorten. Braunrost entwickelte sich meist später als in den Vorjahren, dann aber in einzelnen Sorten sehr stark. Ährenfusarium trat nur in den Versuchen auf Haus Düsse (Ostinghausen) und stärker in Blomberg-Holstenhöfen auf. Lager spielte in den nordrhein-westfälischen Versuchen keine Rolle.

Die Ernte der Versuche erfolgte vom 14.07.2026 auf Gut Ving (Nörvenich) bis 08.08.2026 in Blomberg unter guten Bedingungen. Die durchschnittlichen Erträge bei angepasstem/intensivem Pflanzenschutz lagen in einem engen Bereich von 87,2 dt/ha in Greven bis 99,6 dt/ha in Venrath und damit vor allem auf guten Standorten unter dem mehrjährigen Durchschnitt. Auffällig waren die geringen Tausendkornmassen von durchschnittlich nur 39,3-43,8 g. Der reduzierte Pflanzenschutz ohne Fungizide führte im Mittel aller Sorten zu Ertragsverlusten von 5% auf Haus Riswick (Pfalzdorf) bis 18% in Lemgo-Lieme. Die durchschnittlichen Proteingehalte schwankten von nur 10,3% auf Haus Riswick bis 14,3% in Venrath. Die Hektolitergewichte lagen in einem normalen Bereich. Fallzahldruck war kaum vorhanden und die Proben sind aktuell noch nicht vollständig ausgewertet. Die Ergebnisse werden online aktualisiert.

Die nordrhein-westfälischen Versuche werden durch insgesamt 9 Versuche aus Niedersachsen und Hessen ergänzt. Geprüft wurden an den einzelnen Standorten je 30 Sorten, die sich aus einem landesweit einheitlichen Basissortiment, einem mit der lokalen Beratung abgestimmtem regionalen Anhang und einem kleinen Ökoanhang zusammensetzen. Der regionale Anhang enthält dabei vor allem Sorten, die aufgrund ihrer bodenklimatischen Ansprüche oder Vermarktungseigenschaften nur für bestimmte Anbaugebiete empfohlen werden können oder die in einer Region besonders intensiv angebaut werden. Der in Kooperation mit dem Ökolandbau und dem Pflanzenschutzdienst neu etablierte Ökoanhang dient vor allem dazu Sorten und Sorteneigenschaften zu identifizieren, die eine sehr hohe Konkurrenzkraft gegenüber Unkräutern und Ungräsern (Ackerfuchsschwanz, Weidelgras) aufweisen und diese unter konventionellen Anbaubedingungen zu bewerten.

Sortenwahl

Allein ausgehend von den diesjährigen Versuchen ist es schwierig eine zuverlässige Sortenempfehlung zu geben. Dies liegt vor allem daran, dass jede einzelne Sorte unterschiedlich auf die Umwelt reagiert und daher je nach Standort, Witterung und Kulturführung mal höhere und mal geringere Erträge erzielt. Erst die mehrortige und mehrjährige Bewertung lässt es zu, Sorten zu identifizieren, die durchschnittlich mindestens in einem und besser in mehreren Anbaugebieten zufriedenstellende Ergebnisse erzielen.

Abgesehen von Ertragspotential und Ertragsstabilität basieren die Sortenempfehlung darüber hinaus auf dem zu erwartenden Aufwand der Kulturführung sowie dem Anbau- und Vermarktungsrisiko. Dazu zählen die Anfälligkeit gegenüber Krankheiten, die Winterhärte und Standfestigkeit sowie bestimmte Qualitätseigenschaften, vor allem der Proteingehalt, das Hektolitergewicht und eine möglichst sichere Fallzahl. Ährenfusarium ist besonders in Maisfruchtfolgen relevant, da ein Befall zwar kaum den Ertrag reduziert, aber sowohl die Vermarktung als auch die Verwertung als Futtermittel einschränken kann.

Die nachfolgenden Sortenempfehlungen sind traditionell entsprechend der Qualitätsgruppen (E/A/B/C) des Weizens und anschließend den regionalen Anbauempfehlungen geordnet. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die offizielle Qualitätseinstufung der Sorten bereits seit 2019 nicht mehr vom Proteingehalt, sondern von den tatsächlichen Mahl- und Backeigenschaften abhängt. Da im Handel aber nach wie vor der Proteingehalt (neben Hektolitergewicht und Fallzahl) als wichtigste Qualitätseigenschaft genutzt wird, differenzieren die Sortenempfehlungen teils deutlich von den offiziellen Qualitätsgruppen.

Dies wird in den beistehenden Tabellen neu auch damit verdeutlicht, dass Sorten die bevorzugt nur für den qualitätsbetonten Anbau empfohlen werden mit einem „Q“ gekennzeichnet werden, Sorten für die Futterproduktion hingegen mit einem „F“. Weizensorten, die mit einem „X“ empfohlen werden, können zwar gegebenenfalls die für eine B-Vermarktung erforderlichen Qualitätseigenschaften erreichen, tun dies aber entweder nicht zuverlässig oder erreichen dabei gleichzeitig so hohe Erträge, dass diese auch für die Futterproduktion empfohlen werden können. Diese zusätzliche Einteilung gilt regional und lässt sich nur bedingt auf Anbaugebiete außerhalb von Nordrhein-Westfalen übertragen.

Insgesamt bleiben die diesjährigen Sortenempfehlungen auch daher konservativ, weil für die qualitätsbetonte Sorte SU Jonte nach wie vor kein Nachfolger gefunden wurde, der zuverlässig die geforderten Qualitäten erreicht und gleichzeitig höhere Erträge erzielt. Chevignon profitierte von der diesjährig früh einsetzenden Hitze gegenüber späteren Sorten. RGT Kreuzer und Spectral haben sich mehrjährig als ertragsbetonte, stabile und extensiv zu führende Sorten bewährt. KWS Keitum erzielt durchschnittlich die höchsten Kornerträge aller mehrjährig geprüften Sorten. Debian überzeugt in der Köln-Aachener Bucht mit hohen Erträgen. Darüber hinaus könnten mehrere der bisher erst ein- bis zweijährig geprüften Sorten zukünftig zu Hauptempfehlungen werden, wenn diese wiederholt gute Ergebnisse erzielen.

Elitesorte(n)

Der gezielte Anbau von Elitesorten in Nordrhein-Westfalen lohnt sich oft nur für Betriebe, die entweder Vertragsanbau betreiben oder auf deutlich höhere Preise für entsprechende Qualitäten spekulieren. Sorten aus dieser Qualitätsgruppe erreichen auch unter nordrhein-westfälischen Anbaubedingungen sehr zuverlässig die für eine B- und gegebenenfalls sogar für eine A-Vermarktung erforderlichen hohen Proteingehalte und besitzen darüber hinaus meist ein hohes Hektolitergewicht und eine sichere Fallzahl.

Exsal (E) erzielt mehrjährig etwa 5% geringere Erträge als das durchschnittliche Sortiment. Aufgrund des sehr hohen Proteingehalts, des guten Hektolitergewichts und der sicheren Fallzahl erreicht die Sorte zuverlässig die für eine qualitätsorientierte Vermarktung erforderlichen Anforderungen. Exsal ist darüber hinaus sehr standfest, relativ blattgesund und resistent gegenüber Ährenfusarium und eignet sich daher auch für eine pflanzenschutzextensive Kulturführung. Aufgrund der geringen Winterhärte sollten in den Mittel- und Höhenlagen bevorzugt alternative Sorten wie Emmerto oder Polarkap genutzt werden.

Qualitätssorten

Bei den älteren Qualitätssorten bis 2018 war klar, dass diese auch in Nordrhein-Westfalen zuverlässig mindestens B-Qualität erreichen. Aktuell hingegen gibt es neben „echten“ Qualitätssorten auch solche, die aufgrund eines deutlich zu geringen Proteingehalts nur für die Futterproduktion geeignet sind.

KWS Donovan (A) erreicht nach wie vor eine gute Kombination aus durchschnittlichen Erträgen und leicht überdurchschnittlichen Proteingehalten. Aufgrund der sehr hohen Anfälligkeit gegenüber Braunrost wird die Sorte trotzdem nur noch eingeschränkt für Betriebe empfohlen, die sowohl eine qualitätsorientierte Vermarktung anstreben, als auch bereit sind in den potentiell erforderlichen Pflanzenschutz zu investieren. Der potentielle Nachfolger KWS Lonnie ist deutlich gesünder, erzielte im ersten Prüfjahr aber nur etwas geringere und stärker schwankende Erträge.

SU Jonte (A) bleibt aufgrund des relativ hohen Proteingehalts und der sicheren Fallzahl in Kombination mit einer guten Blatt- und Ährengesundheit die Hauptempfehlung für den auch extensiveren Anbau von Weizen für die B-Vermarktung. Die durchschnittlichen Erträge sind zwar geringer als bei KWS Donovan, allerdings höher als bei Exsal. Anders als diese ist SU Jonte sehr winterhart, allerdings aufgrund der sehr zögerlichen Jugendentwicklung bevorzugt für frühe bis mittlere Aussaaten geeignet.

LG Optimist (A) kann bei entsprechender Kulturführung und Witterung zwar auch B-Qualität erreichen, erzielt aber durchschnittlich deutlich geringere Proteingehalte als die vorgenannten Sorten. Positiv zu bewerten sind die sehr gute Blattgesundheit (Ausnahme: Mehltau) und die geringe Anfälligkeit gegenüber Ährenfusarium. LG Optimist ist sehr winterhart und hat sich auch als Spätsaat- oder Stoppelweizen bewährt. Die größte Schwäche der Sorte ist die sehr hohe Lagerneigung, die eine angepasste Kulturführung inklusive eines optimal durchgeführten Wachstumsreglereinsatzes erfordert.

Willcox (A) ist eine insgesamt relativ „runde“ Sorte und vor allem für die nördlicheren Anbaugebiete eine mögliche Alternative unter anderem zu LG Optimist. Die Sorte ist früh sehr blattgesund und besitzt keine stark ausgeprägte Schwächen. Der Proteingehalt ist durchschnittlich. Willcox ist wenig winterhart. Aufgrund der bundesweit geringen Saatgutvermehrung ist die Sorte allerdings schwer erhältlich.

Intensity (A) kann diesjährig nur in der Köln-Aachener Bucht an die guten Ergebnisse des Vorjahres anschließen und erzielt sonst relativ stark schwankende Erträge. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Sorte vor allem unter trockeneren und wärmeren Bedingungen überzeugen kann, allerdings empfindlich auf den Witterungsverlauf reagiert. Intensity ist als begrannter Weizen relativ standfest, blatt- und ährengesund, und aufgrund des durchschnittlichen Proteingehalts eher als qualitätsbetonte Sorte zu empfehlen. Zu beachten sind die geringe Winterhärte und die geringe CTU-Toleranz. Intensity erzielte in den westfälischen Spätsaatversuchen zwar nur relativ geringere Erträge, in dem statistisch leider nicht auswertbaren Versuch in der Köln-Aachener Bucht aber ebenfalls ein gutes Ergebnis.

SU Horizon (A) überzeugt bereits im ersten Prüfjahr mit hohen Erträgen in allen Anbaugebieten. Die Sorte ist aktuell als einzige (außer einigen Hybridsorten) in der Beschreibenden Sortenliste mit einem Ertrag von 9/9 (unbehandelt/behandelt) eingetragen und bestätigt dies auch in den nordwestdeutschen Versuchen. SU Horizon ist frühreif, standfest und insgesamt blattgesund. Schwächen sind allerdings die geringe Winterhärte, die hohe Anfälligkeit gegenüber Ährenfusarium und der geringe Proteingehalt, aufgrund dem die Sorte ausschließlich für die Futterproduktion empfohlen wird.

Brot- und Backsorten

Auf etwa 50% der nordrhein-westfälischen Weizenfläche werden Sorten angebaut, die offiziell als Brot- und Backsorten beschrieben sind. Aufgrund der regionalen Vermarktungs- und Vermehrungsstrukturen werden allerdings die meisten dieser Sorten gezielt für die Futterproduktion verwendet. Zwar lassen sich mit einigen Sorten gegebenenfalls auch B-Qualitäten erreichen, die Vorzüge liegen aber im Ertrag und oft in guten Anbaueigenschaften, gegebenenfalls auch für eine reduzierte Pflanzenschutzintensität.

Chevignon [B] hat sich langjährig als frühe Sorte vor allem auf wärmeren oder trockeneren Standorten bewährt, konnte vor allem in den feuchteren Jahren 2023 und 2024 oft nicht überzeugen. Begünstigt durch den diesjährigen Witterungsverlauf erzielte die Sorte zur Ernte 2026 sogar wieder ein leicht überdurchschnittliches Ergebnis und bleibt daher weiter als Hauptempfehlung bestehen. Chevignon ist kaum anfällig für Gelb- oder Braunrost, schwächelt in den letzten Jahren aber zunehmend gegen Mehltau und Blattseptoria. Aufgrund der unterdurchschnittlichen Standfestigkeit sollte ein angepasster Wachstumsreglereinsatz erfolgen. Chevignon ist bevorzugt für spätere Aussaaten und weniger in Maisfruchtfolgen geeignet. Aufgrund des relativ geringen Proteingehalts und der in feuchteren Jahren nicht ausreichend sicheren Fallzahl werden die Qualitätsanforderungen für eine B-Vermarktung nicht immer erreicht.

Debian (B) überzeugt vor allem in der Köln-Aachener Bucht durchschnittlich mit sehr hohen Erträgen und wird daher für dieses Anbaugebiet nach wir vor als eine Hauptempfehlung bewertet. Aufgrund des potentiell hohen Aufwands in der Kulturführung ist die Sorte allerdings nur für Betriebe mit einem guten Pflanzenschutzmanagement geeignet. Debian ist sehr anfällig gegenüber Mehltau, Gelb- und Braunrost und erfordert darüber hinaus einen angepassten Wachstumsreglereinsatz. Aufgrund der sehr hohen Anfälligkeit gegenüber Ährenfusarium sollte die Sorte möglichst nicht in Maisfruchtfolgen oder auf sonst gefährdeten Standorten angebaut werden. Positiv zu bewerten sind die kräftige Jugendentwicklung und hohe Spätsaatverträglichkeit. Der Proteingehalt ist unterdurchschnittlich und die Fallzahl relativ gering.

RGT Kreuzer (B) kann optisch zwar nicht immer überzeugen, hat sich sowohl in den Versuchen als auch in der Praxis aber ausreichend bewährt, um in die Hauptempfehlungen aufgenommen zu werden. Die Sorte präsentiert sich im Herbst meist etwas träge und ist aufgrund der guten Standfestigkeit und relativ hohen Blattgesundheit bevorzugt für frühe bis mittlere Aussaaten geeignet. Die zu erwartenden Erträge sind leicht überdurchschnittlich und sehr stabil. Positiv zu bewerten sind darüber hinaus die sehr gute Winterhärte und Ährenfusariumresistenz. RGT Kreuzer wird aufgrund des geringen Proteingehalts nur für den Anbau zur Futterproduktion empfohlen.

SU Tammo (B) erzielte diesjährig nur ein leicht unterdurchschnittliches Ergebnis, fällt in den Versuchen aber regelmäßig durch die extrem schnelle Jugendentwicklung auf. Damit ist die Sorte potentiell vor allem für Spätsaaten und gegebenenfalls zur Unterdrückung von Ackerfuchsschwanz und Weidelgras interessant. Su Tammo ist früh relativ blattgesund und erreicht durchschnittliche Proteingehalte.

SU Marathon (B) ist in der Bestandesentwicklung das genaue Gegenteil zu SU Tammo: Die Sorte ist in der Jugendentwicklung eher langsam und in der Reife etwas später und daher bevorzugt für frühe bis mittlere Aussaaten geeignet. Die Sorte ist standfest und relativ blatt- und ährengesund, potentiell aber etwas anfälliger gegenüber Blattseptoria. Der Kornertrag und Proteingehalt sind durchschnittlich. Saatgut sollte frühzeitig bestellt werden, da die bundesweite Vermehrungsfläche sehr gering ist.

LG Tomjol (B) kann zwar nicht ganz an die sehr guten Ergebnisse des Vorjahres anschließen, erzielt aber auch in dieser Saison in fast allen Versuchen überdurchschnittliche Erträge. Aufgrund der guten Winterhärte, der sehr guten Blattgesundheit und der geringen Anfälligkeit gegenüber Ährenfusarium wird die Sorte für alle Anbaugebiete empfohlen. Zu beachten ist allerdings die etwas geringere Standfestigkeit, vor allem bei frühen Aussaaten. LG Tomjol erreicht einen relativ geringen Proteingehalt.

LG Resonanz (B) war bereits in den Wertprüfungen aufgefallen, weil die Sorte in einzelnen Versuchen ohne Fungizide höhere Erträge erzielte, als die meisten Sorten bei intensivem Pflanzenschutz. Dieses sehr hohe Ertragspotential kombiniert mit einer extrem hohen Blattgesundheit bestätigte sich auch im ersten Prüfjahr: LG Resonanz erzielte trotz später Reife fast so hohe Erträge wie KWS Keitum. Der durchschnittliche Ertragsverlust ohne Fungizide lag bei nur 3% und damit geringer als in allen anderen Sorten! Die größte Schwäche der Sorte ist die hohe Lagerneigung, die einen angepassten Wachstumsreglereinsatz erfordert. Der Proteingehalt ist für eine qualitätsorientierte Vermarktung deutlich zu gering.

Sorte(n) zur Futternutzung

Weizensorten, die in der Beschreibenden Sortenliste in der Qualitätsgruppe C eingestuft sind, werden aktuell düngerechtlich benachteiligt. Aufgrund guter Ertrags- oder Anbaueigenschaften können einzelne dieser Sorten trotzdem empfohlen werden, auch, weil bei den aktuellen Preisen der maximale Düngebedarf nur selten ausgereizt werden muss um wirtschaftlich optimale Erträge zu erzielen.

KWS Keitum (C) überzeugt als „echter“ Futterweizen nach wie vor durch sehr hohe und stabile Erträge in allen Anbaugebieten. Die Kulturführung ist mit einem angepassten Pflanzenschutz relativ einfach und sollte vor allem auf einen optimalen Wachstumsreglereinsatz ausgerichtet sein, um Lager zu vermeiden. KWS Keitum ist bevorzugt für mittlere bis späte Saattermine und darüber hinaus als Stoppelweizen geeignet. Besonders in den Mittel- und Höhenlagen ist die geringe Winterhärte zu beachten.

Sorten mit regionaler Prüfung

Die nachfolgenden Sorten werden aufgrund ihrer bodenklimatischen Ansprüche oder ihrer Anbau- und Qualitätseigenschaften nur in bestimmten Anbaugebieten geprüft und auch nur für diese empfohlen.

Emmerto (E) erreicht in der Köln-Aachener Bucht mehrjährig leicht unterdurchschnittliche Erträge etwa auf dem Niveau von KWS Donovan und SU Jonte und höher als bei Exsal. Die stark qualitätsbetonte Sorte erzielt sehr hohe Proteingehalte und sichere Fallzahlen und besitzt anbautechnisch keine großen Schwächen. Als mögliche Alternative zu den vorgenannten Sorten wird Emmerto regional empfohlen.

Polarkap (A) ist aufgrund der sehr guten Winterhärte und hohen Proteingehalte vor allem in den Mittel- und Höhenlagen eine Alternative zu Exsal, KWS Donovan oder SU Jonte für die qualitätsorientierte Vermarktung. Die Sorte ist durchschnittlich standfest und gesund, außer gegenüber Gelbrost.

SU Magnetron (A) ist vor allem für Betriebe in der Köln-Aachener Bucht geeignet, die zuverlässig hohe Proteingehalte erreichen möchten. Die Sorte ist frohwüchsig, sehr standfest und ausreichend gesund.

Spectral (B) ist als Futterweizen eine Hauptempfehlung vor allem für westfälische Betriebe und erzielt mehrjährig überdurchschnittliche und relativ stabile Erträge. Die etwas spätere Sorte ist relativ standfest und blattgesund sowie wenig anfällig gegenüber Ährenfusarium. Spectral ist bevorzugt für etwas frühere Aussaaten geeignet. Der Proteingehalt ist sehr gering.

Celebrity [B] profitiert vor allem in trockenen und/oder heißen Jahren von der sehr frühen Reife und kann unter diesen Bedingungen hohe Erträge erzielen. Aufgrund der starken Jugendentwicklung und geringen Winterhärte ist die Sorte vor allem für späte Aussaaten in den Niederungen geeignet. Die Sorte ist relativ standfest, allerdings zunehmend anfällig gegenüber Gelbrost. Kritisch zu bewerten sind die sehr hohe Anfälligkeit gegenüber Ährenfusarium und der durchschnittlich (zu) geringe Proteingehalt.

RGT Konzert (C) wurde aufgrund des hohen Proteingehalts bereits als sichere B-Sorte beworben, scheiterte in der Zulassung allerdings an einer zu geringen Teigelastizität. Aufgrund der überdurchschnittlichen Anbaueigenschaften und der sehr hohen Stickstoffeffizienz wurde die Sorte weiter geprüft, konnte bisher aber keine passende Nische finden. Die eingeschränkte Sortenempfehlung für bessere Standorte resultiert vor allem aus der starken Jugendentwicklung der Sorte und der aus der Praxis berichteten hohen Toleranz gegenüber Gänseschäden, die vor allem am Niederrhein relevant ist.

Winner [C] zählt nach wie vor zu den besten frühen Futtersorten und überzeugt mehrjährig mit guten und relativ stabilen Erträgen, einer hohen Standfestigkeit und einer insgesamt überdurchschnittlichen Blattgesundheit. Gegenüber der potentiell ertragsstärkeren neuen Sorte SU Horizon besitzt Winner vor allem in Maisfruchtfolgen den Vorteil einer deutlich höheren Ährenfusariumresistenz. Zu beachten sind die höhere Anfälligkeit gegenüber Mehltau, die geringe Winterhärte und die fehlende CTU-Toleranz.

Die nur in der Köln-Aachener Bucht neu geprüften Sorten Karoque (A, extrem früh, proteinbetont) und Kingkong (B, frohwüchsig, ertragsbetont) erzielten im ersten Prüfjahr jeweils sehr gute Erträge, für eine vorläufige Sortenempfehlung gibt es aber noch zu wenige Ergebnisse.

Spätsaaten und Stoppelweizen

Spätsaaten bei Winterweizen sind vor allem nach Vorfrüchten wie Zuckerrüben oder Körnermais üblich, können aber auch gezielt zum integrierten Management von Ungräsern wie Ackerfuchsschwanz oder Weidelgras genutzt werden. Die diesjährigen Spätsaatversuche erfolgten wie üblich an drei Standorten (Nörvenich, Ostinghausen, Blomberg) und erzielten 10-15% geringere Erträge als die Normalsaaten. Aufgrund technischer Probleme konnten nur die westfälischen Versuche ausgewertet werden. Darin bestätigte sich die gute Spätsaateignung der Sorten LG Optimist, Chevignon, Debian und Winner, sowie eingeschränkt auch KWS Keitum. SU Jonte, RGT Kreuzer und Spectral hingegen schnitten im Vergleich zur Normalsaat schlechter ab. Intensity erzielte nur in dem nicht auswertbaren Versuch in Nörvenich ein sehr gutes Ergebnis, wird aufgrund der Anbaueigenschaften aber weiter für die Spätsaat empfohlen. Als Wechselweizen konnten sowohl KWS Jordum als auch Mohican überzeugen.

Stoppelweizen könnte zukünftig wieder an Bedeutung gewinnen, vor allem wenn sich der Anbau von Wintergerste potentiell reduziert. Die kontinuierlich fortgeführten Versuche erfolgten ebenfalls an drei Standorten (Nörvenich, Berlingsen, Blomberg) mit durchschnittlichen Erträgen von 86,1-94,6 dt/ha. Auch zu dieser Fragestellung konnten nur die westfälischen Versuche ausgewertet werden. Mehrjährig überzeugten als Stoppelweizen vor allem LG Optimist und Spectral, gefolgt von SU Jonte, Chevignon, RGT Kreuzer, LG Tomjol, KWS Keitum und Winner. Die zusätzliche Beizung von Chevignon mit Latitude XL führe zu durchschnittlichen Mehrerträgen von etwa 2%.

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Autor: Johannes Roeb, Heinz Koch