Landessortenversuche Winterraps 2026

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Winterraps LSV in der Vollblüte

Begünstigt durch die gute Ernte 2025 und die hohen Marktpreise hat sich die nordrhein-westfälische Anbaufläche für Winterraps zur Ernte 2026 auf über 60.000 ha erhöht. Die diesjährige Ernte allerdings fiel insgesamt eher unterdurchschnittlich aus und schwankte stark je nach Standort, Sorte und Kulturführung. Bei den aktuellen Sortenempfehlungen dominieren vor allem zwei Züchtungsunternehmen.

Ein schwieriges Jahr für Raps

Bereits bei der Aussaat des Winterraps im vergangenen Herbst gab es große regionale Unterschiede: Während die meisten Bestände um südlichen Rheinland unter optimalen Bedingungen gesät wurden und sich nachfolgend gut etablierten, war es vor allem in Südwestfalen und in den ostwestfälischen Mittel- und Höhenlagen deutlich zu trocken. Zwar übten sich viele Betriebe zunächst in Geduld, doch spätestens ab dem Monatswechsel wurde oft auch „in den Staub“ gedrillt. Daraus resultierte häufig ein verspäteter und verzettelter Auflauf, der die weitere Kulturführung erschwerte. Auf einzelnen Schlägen war der Wassermangel sogar so kritisch, dass zunächst aufgelaufener Raps nachfolgend vertrocknete und umgebrochen werden musste. Darüber hinaus erforderten in einigen ostwestfälischen Kreisen auch starke Gewitterniederschläge eine neue Aussaat, die dann verspätet bis Mitte September erfolgte.

Auch im südlichen Rheinland konnten nicht alle gesäten Bestände erfolgreich etabliert werden: Ursache dafür war oft ein Befall mit Rapserdflöhen. Da auch einige mit Insektiziden behandelte Flächen betroffen waren, wurden einzelne Proben auf eine mögliche Resistenz gegenüber Pyrethroiden untersucht. Dabei zeigte sich, dass in den Kreisen Euskirchen und Rhein-Sieg mehrere Populationen eine sKDR (super knock-down resistance) aufweisen und daher nicht mehr auf die entsprechenden Wirkstoffe reagieren. Wie stark dieses Problem tatsächlich bereits verbreitet ist, soll in einem Monitoring ermittelt werden.

Die meisten Bestände allerdings kamen gut durch den Winter und litten im Frühling eher wieder unter einer zu geringen Nährstoffversorgung aufgrund der regional immer noch zu trockenen Böden. Die vor allem nachts oft sehr geringen Temperaturen bremsten die Bestände deutlich und während die ab Mai zunehmenden Niederschläge in vielen Regionen zunächst positiv aufgenommen wurden, wirkten sich diese auf den schwereren Standorten in Süd- und Ostwestfalen eher negativ auf die Ertragsbildung aus. Deutlich stärker als in den Vorjahren, fiel in dieser Saison regional auch der Befall mit Schädlingen aus.

Die intensive Hitzephase ab der zweiten Junihälfte führte im oberen Schotenpaket zu einer beschleunigten Abreife. Gleichzeitig allerdings führte die nach wie vor oft gute Wasser- und Nährstoffversorgung dazu, dass die unteren Schoten und der Stängel deutlich länger grün blieben oder sogar neu austrieben. Aufgrund der ungleichmäßigen Abreife verzögerte sich die diesjährige Ernte gegenüber den Vorjahren um fast eine Woche. Deutlich häufiger als sonst, kehrten die Mähdrescher bereits nach wenigen Metern im Bestand wieder um, da selbst ein Hochschnitt mit geringem Stängelanteil nicht möglich war.

Trockenheit, Kälte, Nässe und Hitze sowie der Befall mit Schädlingen führten in ihrer unterschiedlichen Ausprägung dazu, dass die aus der Praxis gemeldeten Erträge in dieser Saison regional höchstens durchschnittlich und teils sogar deutlich unterdurchschnittlich ausfielen. Während im südlichen Rheinland und auf vielen südwestfälischen Standorten oft auch mehr als 40 dt/ha erzielt wurden und auch die meisten Betriebe im Münsterland mit 35-40 dt/ha zufrieden waren, fielen vor allem in Ostwestfalen die Erträge meist deutlich geringer aus, als es die Standorte eigentlich hergeben.

Glück in den Versuchen

Die diesjährigen Landessortenversuche mit Winterraps wurden an 7 Standorten angelegt. Die Aussaat erfolgte im Zeitraum vom 26. August bis 15. September. Allerdings zeigten sich bereits im Herbst die ersten Probleme: Der spät gesäte Versuch auf Gut Ving (Nörvenich) wurde so stark vom Rapserdfloh befallen, dass dieser umgebrochen werden musste. Der gut aufgelaufene Versuch in Greven zeigte Befall mit Kohlhernie und in Rüthen lief so viel Altraps auf, dass dieser nur durch einen mechanischen Hackgang bekämpft werden konnte, der allerdings zu Kulturschäden führte. Auch in den Versuchen auf Haus Riswick (Pfalzdorf) und in Lage-Heiden waren Mängel im Stand vor Winter zu erkennen.

Die meisten Versuche entwickelten sich trotz der anfänglichen Probleme im weiteren Verlauf relativ gut und konnten die teils geringen Bestandesdichten durch eine höhere Verzweigung kompensieren. Lager trat nur in Welver und Greven auf, allerdings nicht in starkem Ausmaß. Die Ernte erfolgte im Zeitraum vom 18. Juli bis 1. August. Die durchschnittlichen Kornerträge reichten von 36,5 dt/ha in Pfalzdorf bis 53,1 dt/ha in Welver (bei allerdings unterschiedlicher Berechnung). Die durchschnittlichen Ölgehalte lagen stabil bei 43,5-44,9%. Bei einem angenommenen Marktpreis von 50 EUR/dt resultiert daraus eine durchschnittliche Marktleistung von 1959-2804 EUR/ha. Der vollständige Verzicht auf Fungizid- und Wachstumsreglermaßnahmen führte zu durchschnittlichen Ertragsverlusten von maximal 10%.

Die diesjährige Auswertung erfolgte besonders kritisch: Betreffend den Versuch in Greven stellte sich allerdings heraus, dass trotz des Befalls die kohlhernieresistenten Sorten kaum höhere relative Erträge erzielten. Der Versuch wurde daher auch für nicht befallene Standorte als repräsentativ bewertet und gemeinsam verrechnet. Das nesterweise Auftreten der Kohlhernieschäden wurde als Korrekturvariable in die statistische Auswertung einberechnet. Der Versuch in Rüthen erzielte zwar geringere Erträge, konnte die bei der Altrapsbekämpfung entstandenen Pflanzenverluste aber so gut kompensieren, dass auch dieser in die Auswertung aufgenommen werden konnte. Bei dem Versuch in Pfalzdorf mussten aufgrund technischer Probleme zu Beginn der Ernte einzelne Parzellen ausgeschlossen werden.

Die nordrhein-westfälischen Ergebnisse werden um 7 Versuche aus Niedersachsen und 2 Versuche aus Hessen ergänzt. Ein weiterer Versuch aus den Mittel- und Höhenlagen in Hessen war aktuell noch nicht ausgewertet. Die Ergebnisse werden daher (online) aktualisiert, wenn auch dieser vorliegt.

Marktleistung statt Ölertrag

Die biologische Leistung von Raps lässt sich am besten durch den Ölertrag angeben. Dieser entspricht dem Produkt aus Kornertrag und Ölgehalt. Markttechnisch allerdings enthält die Rapsabrechnung einen Qualitätszuschlag, der dazu führt, dass Ware mit einem Ölgehalt von über 40% zusätzlich vergütet wird. Daraus resultiert, dass Sorten mit einem genetisch hohen Ölgehalt ökonomisch besser zu bewerten sind, selbst wenn sie durchschnittlich geringere Kornerträge erzielen. Mit der Ernte 2026 wurde die mehrjährige und länderübergreifende Hohenheim-Gülzower Serienauswertung (HGS) erstmals auch für die Marktleistung durchgeführt. Dazu wurde ein langjähriger Marktpreis von 42 EUR/dt angenommen und in alle relevanten Sortenversuche und Wertprüfungen übertragen. Das Ergebnis ist eine ebenso zuverlässige Bewertung der Sorten wie bisher, allerdings auf Basis der Marktleistung statt wie zuvor des Ölertrags. Bei den einzeljährigen Ergebnissen hingegen gilt nach wie vor der jeweils aktuelle Marktpreis kurz vor Beginn der Ernte. Dieser wurde diesjährig auf 50 EUR/dt festgelegt.

KWS oder RAGT

Die aktuellen Sortenempfehlungen werden sehr deutlich von KWS und RAGT dominiert. Dies ist vor allem auf die hohen Erträge der entsprechenden Sorten in den letzten Jahren zurückzuführen. Da die Sortenwahl allerdings auch von den individuellen Betriebs- und Anbaubedingungen abhängt, sollten mehrjährig bewährte Sorten nicht zwingend sofort aus dem Anbau genommen werden, selbst wenn diese aufgrund von neueren Ergebnisse keine offizielle Sortenempfehlung mehr erhalten.

Ernesto KWS wird für Betriebe mit positiven Anbauerfahrungen weiter empfohlen, auch wenn die Sorte ertraglich nicht mehr mit den neueren KWS- und RAGT-Sorten mithalten kann. Die relativ großrahmige Sorte überzeugt nach wie vor durch eine geringe Anfälligkeit gegenüber Krankheiten und besonders Phoma. Ernesto KWS ist bevorzugt für mittlere Aussaaten geeignet.

Daktari zählte langjährig zu den Standardempfehlungen mit einer hohen Saatzeitflexibilität, einer guten Standfestigkeit und stabilen Kornerträgen und Ölgehalten. Aufgrund der nur geringen Reifeverzögerung des Strohs macht die eigentlich spätere Sorte erntetechnisch nur selten Probleme. Besonders in engen Fruchtfolgen kann sich die hohe Anfälligkeit gegenüber Phoma negativ auswirken. Daktari wird daher nur noch für Betriebe mit positiven Anbauerfahrungen und geringem Krankheitsdruck empfohlen.

KWS Vamos überzeugt auch im dritten Prüfjahr mit sehr hohen Kornerträgen und Ölgehalten in allen Versuchen und steigt damit zur Hauptempfehlung für alle Anbaugebiete auf. Zwar besitzt die Sorte keine offiziell bekannten Resistenzen, präsentierte sich in den bisherigen Versuchen aber mit einer guten Toleranz gegenüber den meisten Krankheiten. Die etwas geringere Standfestigkeit kann einen gezielten Wachstumsreglereinsatz erfordern. KWS Vamos ist langwüchsig und reift gleichmäßig ab. Aufgrund der eher zögerlichen Jugendentwicklung ist die Sorte bevorzugt für frühe bis mittlere Aussaaten geeignet.

KWS Ektos erzielt im direkten Vergleich zu KWS Vamos zwar durchschnittlich geringere Kornerträge und Ölgehalte, ist aufgrund der stärkeren Vorwinterentwicklungen aber besser für spätere Aussaaten geeignet. Die Sorte ist tendentiell etwas standfester, dafür aber anfälliger gegenüber Krankheiten (außer Phoma) als KWS Vamos. Mit abgeschlossener Jugendentwicklung ähneln sich beide Sorten in Wuchs, Länge und Reife. KWS Ektos wird bevorzugt für die Niederungslagen empfohlen.

KWS Wikos lag in den bisherigen Versuchen zwar hinter KWS Vamos und KWS Ektos, erzielte aber immer noch leicht überdurchschnittliche Erträge. Positiv zu bewerten sind die gute Standfestigkeit und die Rlm7-Resistenz gegenüber Phoma. KWS Wikos ist im Vergleich zu den vorgenannten Sorten etwas kompakter, unterscheidet sich in der Reife aber kaum. Der Ölgehalt ist leicht unterdurchschnittlich.

KWS Skoros wird aufgrund der sehr hohen Marktleistungen in fast allen nordwestdeutschen Versuchen bereits nach nur einjähriger Prüfung eingeschränkt für den Anbau empfohlen. Die Sorte ist im direkten Vergleich zu KWS Vamos ebenfalls langstrohig, etwas langsamer in der Frühlingsentwicklung und damit potentiell weniger anfällig gegenüber Spätfrösten, und zeigt eine leichte Reifeverzögerung des Strohs.

Ceos bestätigt auch diesjährig ein hohes Ertragspotential fast auf dem Niveau von KWS Vamos und könnte bei guten Ergebnissen nach der Ernte 2027 zu einer weiteren Hauptempfehlung aufsteigen. Die Sorte ist nach vorläufiger Auswertung relativ saatzeitflexibel mit einer normalen Herbstentwicklung und einer etwas spätere Blüte. Ceos ist eher großrahmig, etwas weniger standfest und relativ gesund.

Firenzze kann diesjährig nicht an die guten Ergebnisse aus 2025 anschließen und bleibt daher vorerst nur eingeschränkt empfohlen. Die Sorte ist im direkten Vergleich zu Ceos etwas kürzer, standfester und eher für frühe bis mittlere Aussaaten geeignet. Firenzze reift etwas später ab und zeigt eine leichte Reifeverzögerung des Strohs. Der Ölgehalt ist durchschnittlich.

Blackberry erzielte im erste Prüfjahr durchschnittlich etwas höhere Kornerträge als Firenzze bei sonst relativ ähnlichen Anbaueigenschaften. Die Sorte scheint im direkten Vergleich etwas weniger standfest, allerdings potentiell etwas gesünder. Der Ölgehalt ist leicht unterdurchschnittlich.

Abgesehen von den empfohlenen Sorten wurden bereits 2-jährig die Sorten LG Aberdeen, Churchill, Detlef und DK Excited geprüft, die zur Ernte 2026 allerdings insgesamt nicht ausreichend überzeugen konnten. Neu in die Versuche aufgenommen wurden, abgesehen von KWS Skoros und Blackberry, die beiden schotenplatzfesten Sorten LG Armada und LG Avenger, die gesunde und ölreiche Sorte PT 322, die sehr gesunde Sorte Karat und die gesunde und schotenplatzfeste Sorte KWS Merinos.

Sorten gegen Kohlhernie

Kohlhernie kann in anfälligen Sorten zu hohen Ertragsverlusten führen, tritt in Nordrhein-Westfalen aber bisher nur regional auf. Allerdings kann die Krankheit sehr lange im Boden überdauern und sich an vielen kreuzblütigen Pflanzen einschließlich Zwischenfrüchten vermehren, und lässt sich daher kaum wieder aus einer Fläche entfernen. Da eine direkte Bekämpfung der Krankheit kaum möglich ist, sollten auf befallenen Standorten grundsätzlich nur kohlhernieresistente Sorten angebaut werden.

LG Baracuda (KH) erzielt mehrjährig vor allem auf leichten Standorten höhere Erträge als Cromat, wird aufgrund der höheren Ertragsstabilität aber auch für die Mittel- und Höhenlagen bevorzugt empfohlen. Aufgrund der sehr zügigen Vorwinterentwicklung ist die Sorte vor allem für spätere Aussaaten geeignet. Beim Anbau zu beachten sind die relativ hohe Lagerneigung und unterdurchschnittliche Gesundheit, trotz Rlm7-Resistenz gegenüber Phoma. LG Baracuda ist durchschnittlich früh in der Abreife.

Cromat (KH) ist im direkten Vergleich zu LG Baracuda auch für mittlere Aussaaten geeignet, erzielte diesjährig aber meist geringere und insgesamt schwankende Kornerträge bei nur geringen Ölgehalten. Positiv zu bewerten ist die leicht überdurchschnittliche Standfestigkeit der Sorte. Cromat ist eher früh in der Abreife, allerdings mit einer deutlichen Reifeverzögerung des Strohs.

Beide genannten Sorten sind resistent gegenüber den am häufigsten vorkommenden Kohlhernierassen P1 und P3, nicht aber gegenüber der neueren Population P1+. Diese kommt in Nordrhein-Westfalen bisher zwar nur selten vor, spätestens aber, wenn an einem Standort krankheitstypische Symptome an einer eigentlich resistenten Sorte auftreten, weist dies auf einen Befall mit der aggressiveren Rasse hin. Auf den betroffenen Flächen sollte dann, trotz der insgesamt geringeren Sortenleistung, möglichst eine Sorte mit erweiterter Kohlhernieresistenz angebaut werden. Aktuelle Beispiele dafür sind die Sorte Credo mit CRE1-Resistenz und die in Frankreich zugelassene Sorte KWS Kremos mit PBR1-Resistenz.

Aufgrund der im Vergleich zu den Standardsorten deutlich geringeren Erträge und schlechteren Anbaueigenschaften sollten (erweitert) kohlhernieresistente Sorten nur auf Standorten angebaut werden auf denen ein Befall vorhanden oder sehr wahrscheinlich ist. Diese Maßnahme trägt auch dazu bei, zu verhindern, dass sich sehr kleine Populationen an resistenten Sorten selektieren.

Wann und wie säen?

Auch wenn sich die Märkte aktuell etwas stärker bewegen, liegt der Rapspreis nach wie vor auf einem Niveau, das grundsätzlich attraktiv für den Anbau ist. Daher ist zu erwarten, dass trotz der diesjährig unterdurchschnittlichen Ernte, die meisten Betriebe ihre Anbaufläche mindestens stabil halten werden.

Grundlage für ein möglichst hohes Ertragspotential ist vor allem bei Raps eine gute Aussaat. Ziel dabei ist es, bereits im Herbst einen Bestand mit 25-40 gut entwickelten Pflanzen/m² mit 8-12 Laubblättern, einem Wurzelhalsdurchmesser von 1-2 cm und einem tief sitzenden Vegetationskegel zu etablieren. Der optimale Saattermin richtet sich vor allem nach den bodenklimatischen Bedingungen des Standorts, der Vorfrucht und dem Nachernte- und Bodenmanagement, dem zu erwartenden Unkraut-, Krankheits- und Schädlingsdruck, der Nährstoffversorgung und den Ansprüchen und Erfahrungen eines Betriebs. Auch die Sortenwahl hat einen entscheidenden Einfluss, da sich die einzelnen Sorten in ihrer Herbstentwicklung unterscheiden und daher unterschiedlich gut für verschiedene Saattermine geeignet sind.

Frühsaaten bieten den Vorteil einer schnelleren und stärkeren Herbstentwicklung sowie einer tieferen Durchwurzelung. Damit verbunden ist eine relativ hohe N-Aufnahme, die entsprechend gedeckt werden muss. Nachteile sind ein potentielles Überwachsen der Bestände und damit verbunden eine reduzierte Winterhärte und Schneelasttoleranz. Darüber hinaus sind Frühsaaten nur nach früh räumenden Vorfrüchten möglich und lassen wenig Zeit für das Nachernte- und Bodenmanagement. Pflanzenschutztechnisch können Frühsaaten dazu beitragen, Schäden durch den Rapserdfloh zu verringern, da die Pflanzen während des Reifungsfraßes bereits stärker entwickelt sind und diese besser kompensieren. Andererseits kann eine (zu) frühe Aussaat den Befall mit Kohlfliegen und wichtigen Krankheiten wie Kohlhernie, Phoma und Verticillium fördern. Frühsaaten erfordern gesunde Sorten mit einer möglichst geringen Neigung zum Schossen, beziehungsweise einer nicht zu kräftigen Vorwinterentwicklung.

Spätsaaten bieten Vorteile hinsichtlich des Vorfrucht- und Nacherntemanagements und sind darüber hinaus deutlich weniger anfällig für Krankheiten. Das Risiko eines Überwachsens ist deutlich geringer, vor allem in einem warmen Herbst. Spätsaaten haben einen geringen N-Bedarf vor Winter und kommen daher mit stickstofflimitierten Bedingungen oft besser zurecht. Aufgrund der geringeren Massen- und Wurzelentwicklung sind spät gesäte Bestände allerdings durchschnittlich weniger tolerant gegenüber dem Rapserdfloh sowie abiotischem Stress, beispielsweise durch sehr trockene Witterung. Sorten für Spätsaaten sollten frohwüchsig und robust sein, um die kürzere Vegetationszeit zu kompensieren.

Bei allen theoretischen Überlegungen sind stets auch die tatsächlichen Bedingungen eines Standorts zu beachten: Optimal ist die Aussaat in ein nicht zu trockenes und gut rückverfestigtes Saatbett, dass einen schnellen und gleichmäßigen Feldaufgang ermöglicht. Aufgrund der hohen Ansprüche des Saatguts an die Wasserversorgung bedeutet dies, besser einen Kompromiss beim Saattermin zu machen, als bei den Saatbedingungen. Einzelkornsaaten können dazu beitragen, die Jugendentwicklung und die spätere Standraumverteilung zu optimieren, sollten aber vor allem auf schwächeren Standorten oder bei Spätsaaten möglichst mit höchstens 30-40 cm Reihenabstand erfolgen. Die Saatdichte kann dabei je nach erwartetem Feldaufgang auf 25-30 kfK/m² reduziert werden.

Autor: Johannes Roeb, Heinz Koch