Klimafolgenanpassung in Landwirtschaft und Gartenbau
Die Landwirtschaft ist in besonderem Maße von den Folgen des Klimawandels betroffen. Längere Trockenperioden, Starkregenereignisse oder Hitzeperioden beeinflussen Erträge, Bodenfruchtbarkeit und Wasserverfügbarkeit. Eine Anpassung an veränderte Klimabedingungen ist daher Voraussetzung für eine langfristig stabile und produktive Landbewirtschaftung.
Klimafolgenanpassung bedeutet, landwirtschaftliche Systeme widerstandsfähiger zu machen. Sie umfasst technische, biologische und organisatorische Maßnahmen die dazu beitragen, Schäden zu vermeiden und die Produktionssicherheit zu erhalten. Dabei steht im Mittelpunkt, vorhandene Ressourcen effizient zu nutzen und natürliche Prozesse zu stabilisieren.
Beregnung und Wasserhaushalt
Längere Trockenperioden führen in vielen Regionen zu Ertragsrückgängen und erhöhen die Abhängigkeit vom Niederschlag. Eine angepasste Beregnung kann in Trockenjahren dazu beitragen, den Ertrag zu sichern und die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten.
Dabei steht eine effiziente Wasserverwendung im Vordergrund. Moderne Beregnungssysteme arbeiten mit präziser Steuerung, sensorgestützter Bedarfsbestimmung und energiesparender Technik. Ziel ist, Wasser gezielt in Phasen höchster Pflanzenbedarfe einzusetzen und Verluste durch Verdunstung zu vermeiden.
Gleichzeitig kommen der Speicherung und Wiederverwendung von Wasser wachsende Bedeutung zu. Maßnahmen wie Zwischenfruchtanbau, Mulchsaat und die Pflege organischer Bodensubstanz verbessern die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens und tragen so zur Stabilisierung der Erträge bei.
Eine nachhaltige Beregnungsstrategie berücksichtigt neben der technischen Ausstattung auch den rechtlichen Rahmen und die Verfügbarkeit regionaler Wasserressourcen. Sie ist Teil einer umfassenden Anpassung, die Wasser als begrenzte Ressource versteht und effizient in den Produktionsprozess integriert.
Starkregen und Bodenerosion

Zunehmende Starkregenereignisse führen zu Bodenabtrag, Erosion und Nährstoffverlusten. Neben direkten Ertragsausfällen kann dies langfristig auch die Bodenfruchtbarkeit beeinträchtigen. Klimafolgenanpassung bedeutet hier, das Risiko zu mindern und die natürliche Rückhaltefähigkeit des Bodens zu stärken.
Wirksam sind vor allem bodenbedeckende Maßnahmen: Zwischenfrüchte, Untersaaten oder Mulchschichten schützen die Bodenoberfläche vor Aufprall und Abtrag. Eine angepasste Bodenbearbeitung, die quer zum Hang erfolgt oder konservierend arbeitet, verringert den Abfluss von Wasser und Sedimenten.
Auch Strukturmaßnahmen wie Erosionsschutzstreifen, Hecken oder Grünlandränder helfen, Abflusswege zu unterbrechen und Bodenmaterial zurückzuhalten. In besonders gefährdeten Lagen können technische Rückhaltesysteme, etwa Mulden oder kleine Becken, zusätzlichen Schutz bieten.
Ziel ist es, die natürliche Infiltration zu fördern, Erosionsrinnen zu vermeiden und die Bodenfruchtbarkeit langfristig zu sichern. Damit wird der Boden nicht nur besser geschützt, sondern auch seine Rolle als Kohlenstoffspeicher erhalten.
Die Landwirtschaftskammer NRW stellt noch weitere Informationen zum Erosionsschutz bereit.
Hochwasser
Hochwasserereignisse treten infolge intensiver Niederschläge oder überlasteter Flusssysteme häufiger auf und können erhebliche Schäden an landwirtschaftlicher Infrastruktur verursachen. Eine vorausschauende Flächenbewirtschaftung kann helfen, Risiken zu mindern und Retentionsräume zu erhalten.
Maßnahmen der Flächenvorsorge umfassen angepasste Bewirtschaftungszeiten, stabile Bodenstrukturen und die Vermeidung von Verdichtung. Offene, durchlässige Böden nehmen Niederschlagswasser besser auf und leiten es verzögert ab. In Auen- und Senkenlagen ist es sinnvoll, gefährdete Flächen nur extensiv zu nutzen oder als temporäre Rückhalteräume auszuweisen.
Ebenso wichtig ist eine gute Betriebsorganisation im Risikofall. Dazu zählen Notfallpläne, frühzeitige Informationen und eine technische Sicherung empfindlicher Betriebseinrichtungen.
Hochwasservorsorge ist damit keine Einzelmaßnahme, sondern Teil eines ganzheitlichen Risikomanagements, das Produktion und Schutzfunktionen miteinander verbindet.
Alleebäume und Vegetation
Bäume, Hecken und Feldgehölze leisten einen wichtigen Beitrag zur Klimafolgenanpassung. Sie verbessern das Mikroklima, mindern Windgeschwindigkeiten, schützen Böden vor Austrocknung und tragen zur Biodiversität bei. In Siedlungsnähe und entlang von Straßen übernehmen Alleebäume zusätzlich wichtige Funktionen für das Landschaftsbild und die Luftqualität.
Die Pflege und Erhaltung vorhandener Gehölzstrukturen ist daher ein zentraler Bestandteil der Anpassung an den Klimawandel. Gleichzeitig erfordert die Auswahl geeigneter Arten zunehmend Aufmerksamkeit: Neue oder standortangepasste Baumarten müssen Trockenheit, Hitze und Starkregen besser tolerieren.
Bei der Pflanzung ist darauf zu achten, dass die Artenvielfalt erhalten bleibt und keine invasiven Arten eingebracht werden. Regionaltypische und ökologisch wertvolle Gehölze fördern zugleich die Lebensräume vieler Tierarten.
Bäume und Vegetationsstrukturen sind langfristige Investitionen in das Landschaftsbild und die Klimastabilität. Sie verbinden Anpassung, Artenschutz und Erholung – und machen deutlich, dass Klimafolgenanpassung weit über die eigentliche Produktion hinausgeht.
Alleebäume für den Klimawandel




Zusammenfassung
Welche Allee- und Straßenbäume kommen mit dem prognostizierten Klimawandel am besten zurecht? Seit 2018 testet die Landwirtschaftskammer NRW in Köln-Auweiler mehr als 20 Baumarten auf ihre Klimaverträglichkeit.
Hintergrund
Die vergangenen Sommer haben uns eine zunehmende Belastung von Stadt- und Straßenbäumen vor Augen geführt. Gleichzeitig wurde die Bedeutung gesunder Bäume für unser Wohlbefinden deutlicher denn je. Durch die Zunahme von Hitze, Trockenheit und Niederschlagsextremen gelangen gewohnte Alleebaumarten an ungünstigen Standorten immer häufiger an ihre Leistungsgrenzen. Klimabäume, das heißt Baumarten, die in besonderem Maße an die prognostizierten Klimaveränderungen angepasst sind, werden schon jetzt häufiger nachgefragt. Eine Sichtungspflanzung relevanter Arten steht seit 2018 in Köln-Auweiler. Das Arten- und Sortenspektrum wurde zuletzt 2024 angepasst.
Bedeutung
Mit einer Auswahl von 21 vielversprechenden, teils nicht heimischen Klimabaumarten und Sorten wird getestet, welches Baumsortiment unter den Bedingungen in Deutschland Erfolg verspricht. Die Auswahl der Bäume wurde nach den aktuellen Erkenntnissen aus der Baumschulpraxis und -beratung sowie der Liste der „Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz“ (GALK) vorgenommen.
Eine enge Zusammenarbeit gibt es mit dem bundesweiten Netzwerk Zukunftsbäume. Die Anpflanzung in Köln-Auweiler wird nach den gleichen Kriterien wie in anderen deutschen Einrichtungen bewertet, um eine Empfehlung für entsprechende Standorte mit ähnlichen Bedingungen geben zu können. Die Klimabaumpflanzung in Köln-Auweiler soll darüber hinaus einen engen Dialog mit den Baumschulen und Kommunen ermöglichen.
Ziele
Damit zukünftig auch klimastabile Baumarten, die im Straßenbild noch eher unbekannt sind, in größeren Stückzahlen angeboten werden können, benötigen die Baumschulen Planungssicherheit. Auf welche Eigenschaften kommt es bei den Bäumen an?
Die phänologischen Eigenschaften werden über Blattaustrieb, Blattfall, Vollblüte, und Fruktifikation beschrieben und gewährleisten einen bundesweiten Standortvergleich.
Die genannten Parameter werden auch als Stressindikatoren betrachtet, wie zum Beispiel ein vorzeitiger Blattfall oder starker Fruchtansatz.
Zur Einschätzung des Toleranzverhaltens werden etwaige abiotische Schädigungen durch Hitze, Trockenheit, Winter- und Spätfrost erfasst. Bewässert wird in den ersten drei Standjahren, später müssen die Bäume zeigen, wie sie mit Trockenheit zurechtkommen.
Besonderes Augenmerk gilt den möglichen Schaderregen und Schädlingen.
Für die Verwendung als Straßenbaum müssen die Wuchseigenschaften den Anforderungen der Verkehrsanlagen entsprechen. Wichtige Merkmale sind hierbei die Gradschaftigkeit und die Stamm-entwicklung, ein durchgehender Leittrieb und ein geeigneter Kronenaufbau. Eine Erziehung in der Baumschule sollte dahingehend unproblematisch sein. Am Endstandort ist ein möglichst geringer Pflegeaufwand erwünscht.
| Die 21 Baumarten und -sorten in Köln-Auweiler | ||
| 1 Acer campestre 'Huibers Elegant' | 8 Eucommia ulmoides | 15 Parrotia persica 'Vanessa' |
| 2 Acer monspessulanum | 9 Fraxinus americana 'Autumn Purple' | 16 Quercus cerris |
| 3 Acer rubrum 'Somerset' | 10 Fraxinus ornus 'Louisa Lady' | 17 Quercus texana ‘New Madrid‘ |
| 4 Acer truncatum x platanoides ‘Norwegian Sunset‘ | 11 Liquidambar styraciflua | 18 Sorbus commixta 'Dodong' |
| 5 Alnus × spaethii | 12 Liquidambar styraciflua 'Worplesdon' | 19 Sorbus latifolia ‘Henk Vink‘ |
| 6 Carpinus betulus 'Lucas' | 13 Malus tschonoskii | 20 Tilia mongolica |
| 7 Celtis australis | 14 Ostrya carpinifolia | 21 Zelkova serrata 'Green Vase' |
Quellen
- GALK-Arbeitskreis „Stadtbäume“ (Hrsg.) (2016): GALK-Straßenbaumtest Online. Broschüre. www.galk.de
- Rohloff, A., Gillner, S., Bonn, S. (2008): Gehölzartenwahl unter dem Aspekt des Klimawandels. Sonderheft Grün ist Leben: 30-42
- Schönfeld, P. (2018): Klimabäume: welche Arten sind zukunftsträchtig? Pro Baum 03/2018