Pferdeheu oft mit hygienischen Mängeln

Pferdestuten auf der Weide
Foto: Barbara Kutsch

Heu ist das wichtigste Raufutter in der Pferdehaltung. Die Ansprüche an einwandfreie Qualitäten sind hoch. Neben den Wert bestimmenden Kriterien, wie dem Eiweiß-, Energie- und Mineralstoffgehalt, spielt die hygienische Beschaffenheit des Futters eine wichtige Rolle. Einwandfreies Heu soll den typischen Heugeruch aufweisen, absolut trocken und von grüner Farbe sein, keine Verunreinigungen und keine Giftpflanzen enthalten. Muffig riechendes, Staub enthaltendes und braun, grau oder gar schimmelig aussehendes Heu kann in der Pferdefütterung zu großen Problemen führen und sollte deshalb nicht verfüttert werden. Um die hygienische Beschaffenheit von Heu exakt zu bestimmen, reicht eine Sinnenbeurteilung nicht immer aus. Auch vermeintlich gut aussehende, normal riechende Partien können durchaus unerwünschte Keimbelastungen aufweisen, mit denen man vorher nicht gerechnet hat. Laboruntersuchungen geben deshalb neben der Sinnenbeurteilung der Heuproben sicherere Hinweise auf mögliche Keimbelastungen.

Keimfreies Futter kommt in der Natur nicht vor. Auch Heu trägt einen natürlichen Besatz an Bakterien, Pilzen und Hefen, als Feldbesatz bezeichnet. Geringe Belastungen stellen kein Fütterungsrisiko für Pferde dar. Entscheidend sind aber Grad und Art der Keimbelastung, das heißt, es gibt stark und weniger stark Verderb anzeigende Bakterien- beziehungsweise Schimmelpilzstämme. Werden bestimmte Orientierungswerte überschritten, können Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Pferde dadurch beeinträchtigt werden. Grundsätzlich dürfen Orientierungswerte jedoch nicht als feste Grenzwerte interpretiert werden. Sie sind vielmehr als statistische Kenngröße zu verstehen, die innerhalb der jeweiligen Bandbreite eine noch durchschnittliche mikrobiologische Beschaffenheit eines Futtermittels umschreiben.

Im letzten Jahr war die Heuernte in vielen Regionen durch lang anhaltende Schlechtwetterperioden gekennzeichnet. Pferdehalter klagen deshalb nicht selten über schlechte Heuqualitäten. Mit welchen Keimbelastungen gerechnet werden muss, hat die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen ermittelt, indem Heuproben der Ernte 2007 in Pferde haltenden Betrieben gezogen und in der LUFA NRW in Münster untersucht wurden. Die Ergebnisse werden nachfolgend besprochen.

Einheitliche Hygienebewertung

Die mikrobiologische, hygienische Untersuchung und Beurteilung von Futtermitteln wird in den landwirtschaftlichen Untersuchungsanstalten nach einheitlichem Muster vorgenommen. So wurden die bisher je nach Region unterschiedlichen Bewertungsrahmen durch einen neuen bundesweit abgestimmten Orientierungsrahmen des Verbandes der Lufen in diesem Jahre ersetzt. Bei diesem Orientierungsrahmen bilden sieben verschiedene Keimgruppen von Bakterien, Pilzen und Hefen die Grundlage der Laboruntersuchung und -bewertung. Um welche Keimgruppen und einzelne Indikatorkeime es sich dabei handelt, zeigt die Tabelle 1. Neben den produkttypischen Keimen werden darüber hinaus einen möglichen Futterverderb anzeigende Keime bestimmt. Je nach Höhe der ermittelten Keimbelastung, dargestellt in Kolonie-bildenden Einheiten, KBE/g, erfolgt dann für jede der sieben Keimgruppen eine Einstufung des Heues in Keimzahlstufen, KZS I bis IV. Am Schluss werden die jeweils ermittelten Keimzahlstufen zu einer Qualitätsstufe QS I bis IV zusammengeführt und bewertet, wobei jeweils die schlechteste Keimzahlstufe einer Keimgruppe die abschließende Qualitätsstufe bestimmt, siehe Tabelle 2.

Die Keimzahlstufen I und II kennzeichnen normale bis leicht erhöhte Keimbelastungen, die für das Pferd normalerweise als unbedenklich einzustufen sind. Heu mit der Keimzahlstufe III oder gar IV ist für die Pferdefütterung hingegen nicht geeignet, da es sich hier um stark erhöhte oder stark überhöhte Keimbelastungen handelt, die in der Fütterung ein gesundheitliches Risiko darstellen können, allerdings nicht zwangsläufig darstellen müssen. Sehr hohe Belastungen durch Schimmelpilze rufen beim Pferd unter Umständen Atembeschwerden und Allergien hervor. Ferner sind Verdauungsstörungen, Leber- und Nierenschäden zu befürchten. Stark erhöhte Hefebelastungen des Futters können Aufgasungen im Verdauungstrakt und Koliken verursachen. Hohe Bakterienbelastungen können unter anderem zu Verdauungsstörungen und auch Koliken führen.

Ergebnisse der Praxisuntersuchung

Insgesamt wurden 23 Heuproben der Ernte 2007 in westfälischen Betrieben mit Pferdehaltung gezogen. Die Heulagerung erfolgte in diesen Betrieben entweder in kleinen Hochdruckballen oder in Quader- oder Rundballen. Die Keimgehaltsuntersuchungen wurden bei der LUFA NRW in Münster durchgeführt. Die Ergebnisse stehen in Tabelle 3. Im Gesamtergebnis enthalten nur neun von 23 Proben oder knapp 40 % einen unbedenklichen Keimgehalt. 14 Proben, also über 60 %, weisen stark erhöhte oder stark überhöhte Keimbelastungen auf, siehe Tabelle 4. In diesen Fällen sollte vorsichtshalber von einer Verfütterung des Heues an Pferde abgesehen werden, um möglichen Gesundheitsrisiken aus dem Weg zu gehen. Die Verteilung der Befunde verdeutlicht, mit welchen Keimbelastungen am ehesten zu rechnen ist. Bakterien- und Hefebefall spielen nach dieser Untersuchung nur eine untergeordnete Rolle. Belastungen mit Schimmel- und Schwärzepilzen stellen hingegen nicht unerhebliche Probleme dar, die sich insbesondere während der Lagerzeit weiter aufbauen können. Es sei an dieser Stelle aber deutlich darauf hingewiesen, dass die Verwendung von Heu der Qualitätsstufen III oder IV in der Pferdehaltung nicht zwangsläufig zu gesundheitlichen Problemen der Tiere führen muss, sondern zahlreiche andere Faktoren, wie Haltung, Stallklima, Stallhygiene, Impfstatus, Fütterung, ebenfalls das Gesundheitsgeschehen beeinflussen können.

Auf Vorratsschädlinge achten

Auch Verunreinigungen mit Sand, Erde oder Nagerkot sowie der Besatz an tierischen Vorratsschädlingen haben negative Auswirkungen auf die Qualität und vor allem auf die Akzeptanz und Verträglichkeit des Futters. Zu den tierischen Vorratsschädlingen zählen insbesondere Motten, Milben und Moderkäfer. Sie wirken zwar nicht direkt toxisch, sind jedoch als Indikator für den Futtermittelverderb zu betrachten. Hier gilt es, die Lagerungsbedingungen des Heustapels genauer zu inspizieren, wobei meistens die Feuchteverhältnisse im oder am Heulager eine maßgebliche Rolle für ein vermehrtes Auftreten solcher Schädlinge spielen. Milbenreiche Futtermittel werden generell nur ungern gefressen und können zu Verdauungsstörungen, Lähmungen und Allergien beim Pferd führen.

Autor: Dr. Wolfgang Sommer, Josef Möllering