Mit Stroh Futterkosten sparen?

Der überaus trockene Sommer bescherte uns im letzten Jahr zwar gute Heuqualitäten, aber nur sehr geringe Heuerträge. Die Strohernte hingegen fiel sowohl in quantitativer als auch qualitativer Hinsicht äußerst zufriedenstellend aus. Die Heuknappheit führte zu einer erheblichen Verteuerung dieses so wichtigen Raufutters, trieb aber auch gleichzeitig die Strohpreise in die Höhe.

Pferdehalter, die neues Raufutter benötigen, sollten sich überlegen, wie sie diese Lücke am besten schließen. Wenn überhaupt jetzt noch Heu zu bekommen ist, muss reichlich Geld dafür ausgegeben werden. Der Einsatz würde sich in größeren Mengen eigentlich deshalb nur bei Fohlen und hochtragenden oder laktierenden Stuten voll lohnen, denn diese Tiere benötigen allerbestes, hochverdauliches Raufutter. In der Fütterung von Hobby- und nicht so stark beanspruchten Sportpferden kann Heu jedoch durchaus teilweise oder ganz durch einwandfreies Getreidestroh ersetzt werden. Als Futterstroh eignen sich im Grunde alle Stroharten; entscheidend ist immer die vorhandene Qualität, also eine hygienisch einwandfreie Beschaffenheit.

Heu oder Grassilage ist für Pferde sicherlich ein wichtiger Rohfaser- und Strukturlieferant, der für die Funktion und Aufrechterhaltung der Verdauung verantwortlich ist. Die Massen von Darmbakterien des Pferdes benötigen nun einmal strukturierte Rohfaser als Nährstoffquelle. Ein diesbezüglicher Mangel würde Milieuveränderungen im Darm hervorrufen, die zu Toxinbildungen, Schleimhautschäden im Darm und in dessen Folge zu Hufrehe führen könnten. Auch wird die Darmperistaltik durch rohfaserreiches Futter angeregt und die Synthese lebensnotwendiger Vitamine in Gang gehalten. Heu dient den Pferden ferner als tägliches Beschäftigungsmaterial und zur Sättigung.

Futterwert von Stroh

All diese Eigenschaften von Heu besitzt mit gewissen Abstrichen auch Stroh. Insofern kann das Stroh Heu durchaus ergänzen oder gar ersetzen. Stroh enthält sogar 35 % mehr strukturierte Rohfaser als Heu, was es besonders als Beschäftigungsmaterial auszeichnet. Allerdings besteht diese Rohfaser überwiegend aus unverdaulichem Lignin, was den Futterwert senkt. Stroh enthält nur wenig Protein, was aber kein Nachteil ist, da unsere Pferderationen ohnehin meist zu viel Eiweiß enthalten. Bedingt durch diese hohen Rohfaseranteile und gleichzeitig niedrigen Gehalte an verwertbaren anderen Nährstoffen weist Getreidestroh etwa 40 % weniger Energie als Heu auf. Beim Austausch von Heu ist hierauf in der Rationsgestaltung besonders zu achten. Daneben enthält Stroh über 70 % weniger Phosphor und 40 % weniger Calcium als Heu, was ebenfalls nicht unbeachtet bleiben sollte.

Um 1 kg Heu auf Energie bezogen zu ersetzen, müssen rund 0,5 kg Stroh und 0,5 kg Hafer oder fertiges Kraftfutter veranschlagt werden, siehe Tabelle 1. Durch diesen Austausch verringert sich die Rohfasermenge von 269 g in reinem Heu auf 235 g und die Menge an strukturierter Rohfaser von 269 g auf 184 g in Stroh oder Kraftfutter. Diese Verringerung stellt aber für die Versorgung der Pferde keinen Nachteil dar, wenn die Gesamtration optimiert wird. Durch den Heuersatz durch Hafer und Stroh sind erhebliche Einsparungen an Futterkosten möglich, wie die Berechnungen in Tabelle 1 verdeutlichen. Unterstellt sind aktuelle Erzeuger- und Zukaufpreise. Meist kostet Stroh nur halb so viel wie Heu, ganz gleich, wie hoch das Preisniveau für diese Raufutterlieferanten jeweils ist.

Besonderheiten bei Strohfütterung

Hohe Kostenvorteile sollten jedoch nicht dazu verleiten, Futterstroh unbegrenzt einzusetzen. Pferde, die auf Spänen gehalten werden, dürfen ohnehin nur gezielt Stroh erhalten. Aufgrund der erwähnten Eigenschaften des Strohes sollten Pferde höchstens 0,8 kg Stroh je 100 kg Körpergewicht am Tag zugeteilt bekommen, ansonsten sind Verstopfungskoliken vorprogrammiert. Hohe Strohmengen sind außerdem in kleineren Portionen im Wechsel mit Kraftfutter, soweit erforderlich, über den Tag zu verteilen. Fachleute empfehlen bei höheren Strohgaben, auch hin und wieder Mash in wasserreicher Form zu ergänzen. Futterstroh muss gut zerkaut werden, eine Verfütterung an Pferde mit Gebissproblemen ist deshalb nur sehr begrenzt möglich. Gleiches gilt grundsätzlich für ältere Pferde. Die Vorlage des Strohes geschieht auf sauberem Untergrund. Nicht verzehrte Reste werden als Einstreu verwendet, Einstreustroh ist dann entsprechend zu reduzieren, um keine Überangebote zu riskieren.

Andererseits ist dafür Sorge zu tragen, dass Pferde mindestens 0,8 bis 1,0 kg kauförmiges, gut strukturiertes Raufutter je 100 kg KM und Tag erhalten. Grundsätzlich sind deshalb Rationen mit höheren Strohanteilen sorgfältigst zu optimieren. In Tabelle 2 werden hierzu einfache Rationsbeispiele für Großpferde (550 bis 600 kg KM) gegeben. Die Beispiele sind so gewählt, dass alle Anforderungen der Pferde an die Versorgung mit Protein, Energie, Rohfaser und strukturierter Rohfaser, Mineralstoffen und Vitaminen erfüllt werden. Zur Deckung des Erhaltungsbedarfes von Pferden ist kein Kraftfutter erforderlich, wenn das Raufutter aus Heu besteht. Wird das Heu durch Stroh ersetzt, muss wie dargestellt jedoch entsprechend Hafer oder ein anderes Kraftfutter ergänzt werden, um den Energieausgleich herzustellen. Bei diesem Austausch lassen sich je nach Preisansatz für die Futtermittel 0,39 €/Pferd (Zukaufpreise) oder 0,22 €/Pferd (Erzeugerpreise) pro Tag an Futterkosten einsparen. Bei den Pferden mit leichter Beanspruchung verringern sich diese Sätze, weil der Raufutteranteil in diesen Rationen von vornherein niedriger angesetzt wurde. Es errechnen sich aber immerhin noch Einsparungen zwischen 0,07 und 0,29 € je Pferd und Tag. Nimmt man den oben angegebenen höchsten Einsparungsbetrag und rechnet diesen einmal auf einen Pensionsbetrieb mit beispielsweise 40 Pferden auf einen Monat um, so resultiert immerhin eine Gesamteinsparung von rund 350 €!

Diese einfachen Beispiele verdeutlichen, dass die Höhe der möglichen Futterkosteneinsparungen nicht nur von den jeweiligen Heu- und Strohpreisen, sondern sehr stark von den unterstellten Hafer- und Kraftfutterpreisen abhängen. Je höher diese ausfallen, desto unrentabler wird der Stroheinsatz und umgekehrt, da das zu ersetzende Heu weitestgehend durch Kraftfutter energetisch ausgeglichen werden muss.

Autor: Dr. Wolfgang Sommer