vlf-Förderpreise 2026 für Fachschulprojekte




Der Landesverband für landwirtschaftliche Fachbildung NRW (vlf) hat die jährlichen Förderpreise für die besten Projektarbeiten der Fachschulen der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen verliehen. Die Jury hat aus den zehn eingereichten Arbeiten drei ausgewählt, in denen wesentliche Probleme der Berufspraxis in den einzelnen Sparten komplex bearbeitet und entsprechende Lösungen dafür überzeugend dargestellt wurden. Zudem gibt es einen Sonderpreis für eine Ausarbeitung zum Thema „Gesundheit auf landwirtschaftlichen Betrieben“.
Den mit 500 € dotierten ersten Preis erhält ein Team der Fachschule für Landwirtschaft Köln-Auweiler für das Thema „Transitfütterung in eigenen Milchviehbetrieben im Vergleich“. Sally Hammans, Leonie Kierdorf, Franziska Stumpf und Annika Stumpf haben umfangreiche Versuche und Berechnungen zu den Auswirkungen der unterschiedlichen Fütterungsweisen von Milchkühen in der kritischen Zeit rund um die Kalbung angestellt. Nachdem die Bedeutung der Vorbereitungsfütterung und des Calcium- und Phosphorstoffwechsels erklärt wurde, ging es um die praktische Umsetzung der drei unterschiedlichen Fütterungsstrategien:
- Fütterung mit der totalen Mischration (TMR) für laktierende Kühe
- Fütterung mit TMR mit Calciumbinder
- Total-Dry Fütterung
Der Vergleich dieser drei Trockensteherfütterungen in zwei Betrieben hat ergeben, dass sowohl aus produktionstechnischer, als auch aus ökonomischer Sicht ein höherer Aufwand für die Fütterung vor der Kalbung zu einem besseren Gesundheitsstatus nach der Kalbung und höherer Milchleistung in der Laktation führte. Die gezielte Transitfütterung reduziert nachweislich die Behandlungskosten und trägt somit erheblich zur Stabilisierung der Herde bei.
Diese Ergebnisse zeigen die Praxisrelevanz durch aktuelle Zahlen und dienen sogar als Anschauungs- und Unterrichtsmaterial für Studierende der Fachschule.
Über 375 € und den zweiten Platz dürfen sich Studierende aus der Oberstufe der Fachschule für Gartenbau in Essen freuen. Die Friedhofsgärtner Timm Behrens, Justus Biermann, Astrid Biock, Dana Grabosch, Pia Kaschuba, Marvin Krause, Patrik Platt, Alexander Steinwender, Jonas Walter, Tobias Winkens und Charlotte Winter beschäftigten sich unter dem Leitgedanken „Friedhöfe der Zukunft“ mit zwei Projekten: „Der Natur auf der Spur“ und „Begegnungsort der Generationen“
Aufgrund der sich wandelnden Friedhofskultur und der dadurch entstehenden Freiflächen sollen Friedhöfe nicht nur als Ort der Beisetzung und Trauer betrachtet werden, sondern aus Sicht der angehenden Meisterinnen und Meister in der Friedhofsgärtnerei als Klimapuffer, Kulturräume, Begegnungsstätten und Orten der Ruhe.
Die Projektarbeit „Der Natur auf der Spur“ beinhaltet einen interaktiven Lehrpfad auf dem Friedhof „Am Freigrafendamm“ in Bochum. Die Studierenden entwickelten Stationen mit Käferkeller, Eidechsenburg, Sandarium und einer Streuobstwiese. Dazu gestalteten sie ansprechende Lehrtafeln und interaktive, spielerische Lernelemente für Kinder, die hier Informationen über die unterschiedlichen Lebensräume und deren Bewohner erhalten. Der Lehrpfad wurde mit der Wander-App „komoot“ verknüpft.
Das Projekt „Begegnungsort der Generationen“ möchte der Verwahrlosung von Teilflächen des Friedhofs entgegenwirken, indem Begegnungsflächen geplant wurden, die jeder Generation etwas bieten. Hierzu zählen etwa Sitzgelegenheiten für Gesellschaftsspiele neben Spielgeräten für Kinder und altersgerechten Sportgeräten für Erwachsene sowie eine Boule-Bahn. Das gesamte Areal soll barrierefrei sein und mit insektenfreundlichen und pflegeleichten Stauden bepflanzt werden.
Den dritten Preis in Höhe von 250 € bekam ein Projektteam der Fachschule für Landwirtschaft in Borken für die Entwicklung eines inklusiven Blindenbuches. Unter dem Titel „Guten Morgen Bauernhof“ haben Emily Wessels, Theresa Teklote und Caroline Breil ein Buch über Landwirtschaft kreiert, das jedes Kind lesen kann – ob mit den Augen oder mit den Fingerspitzen. Mit ihrem Ziel, allen Kindern die Landwirtschaft altersgerecht näherzubringen, sowie dessen Umsetzung beeindruckten sie die Jury. Beide Schriftarten und ein Suchspiel – sowohl für sehende als auch für blinde Kinder – sind gleichwertig auf den Buchseiten abgedruckt. Dabei sind inhaltliche Wünsche der Kinder und Erfahrungen in einer Blindenschule eingeflossen. Auch Schwierigkeiten bei der Suche nach einer passenden Druckerei und der Finanzierung des teuren Drucks haben die drei gemeistert.
Einen Sonderpreis von 100 € bekamen zwei Studierende der Fachschule für ökologischen Landbau in Kleve für ihre Projektarbeit „Körperliche und Psychische Gesundheit auf landwirtschaftlichen Betrieben“. Lia van den Berg und Marlene Arndt lieferten eine umfangreiche Datenlage und damit schockierende Ergebnisse der aktuellen Gefährdungssituation auf den landwirtschaftlichen Betrieben. Um Betroffene dafür zu sensibilisieren, entwickelten sie einen Fragebogen zur Selbsteinschätzung von landwirtschaftlichen Betriebsleiterinnen und -leitern, statt einer bloßen Aufzählung von Präventionsmaßnahmen und Fallbeispielen. Die Jury verlieh den Sonderpreis für diese Arbeit aufgrund der aktuell hohen Gefährdung und Suizidrate in der Landwirtschaft.
Urkunden und Preisgelder für die Studierendenteams von Köln-Auweiler und Essen wurden durch den Vorstand des vlf-NRW im Rahmen der Schulabschlussfeiern überreicht. Die Borkener und Klever Studierenden sollen beim Fest der Landwirtschaft im Januar ausgezeichnet werden.
Pressemeldung der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen vom 23.07.2026