Zehn Jahre Biodiversitätsberatung

Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen feierte am 9. September 2026 im Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Düsse in Bad Sassendorf das zehnjährige Bestehen ihrer Biodiversitätsberatung. Vertreterinnen und Vertreter aus Landwirtschaft, Naturschutz, Politik, Verwaltung und Wissenschaft blickten auf die bisherige Entwicklung zurück und diskutierten zukünftige Herausforderungen für die biologische Vielfalt in der Agrarlandschaft.
Die Biodiversitätsberatung startete 2016 im Rahmen eines regionalen Projekts. Durch die Zusammenarbeit mit landwirtschaftlichen Betrieben, Ministerien, Naturschutzinstitutionen, Behörden und weiteren Partnern wurde das Angebot kontinuierlich weiterentwickelt. Seit 2023 steht die Biodiversitätsberatung landwirtschaftlichen Betrieben flächendeckend in ganz Nordrhein-Westfalen zur Verfügung.
Beratung bringt Biodiversitätsmaßnahmen in die landwirtschaftliche Praxis
Karl Werring, Präsident der Landwirtschaftskammer NRW, betonte in seiner Begrüßungsrede, dass die unterschiedlichen Naturräume, Betriebsstrukturen und Produktionsbedingungen in Nordrhein-Westfalen passgenaue Beratungsangebote erforderten. Erfolgreiche Biodiversitätsförderung gelinge vor allem dort, wo Landwirtschaft und Naturschutz gemeinsam handelten. Die Beratung habe sich dabei als wichtige Vermittlerin zwischen fachlichen Anforderungen und betrieblichen Möglichkeiten etabliert. „Die Biodiversitätsberatung hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Bindeglied zwischen Landwirtschaft und Naturschutz entwickelt. Wenn Landwirtschaft und Naturschutz vertrauensvoll auf Augenhöhe zusammenarbeiten, können wir die biologische Vielfalt wirksam und dauerhaft fördern,“ erklärte Werring.
Silke Gorißen, Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, würdigte das Engagement der landwirtschaftlichen Betriebe. Die landesfinanzierte Biodiversitätsberatung habe wesentlich dazu beigetragen, dass Förderangebote des Landes von den Betrieben umgesetzt und geeignete Maßnahmen in die Praxis gebracht wurden. Gemeinsam mit den Betriebsleiterinnen und Betriebsleitern würden Lösungen entwickelt, die sowohl naturschutzfachlich wirksam als auch betrieblich umsetzbar seien.
Ministerin Gorißen: „Mit der Biodiversitätsberatung der Landwirtschaftskammer unterstützen wir die Betriebe dabei, Öko-Regelungen und Agrarumweltmaßnahmen im Rahmen der GAP wirksam umzusetzen. Die Biodiversitätsberatung schafft mit ihrer großen Fachkenntnis und der Praxisnähe Vertrauen, sodass sich ökologische Ziele und eine wirtschaftlich tragfähige Landwirtschaft miteinander verbinden lassen. Diese Beratung der Landwirtschaftskammer ist damit ein wichtiger Pfeiler der langjährigen Kooperation von Landwirtschaft und Naturschutz in Nordrhein-Westfalen.“
Genau diese Punkte wurden von Peter Gräßler, Teamleiter der Biodiversitätsberatung, bei seiner Vorstellung der Arbeit des Beratungsteams aufgegriffen. Die Beraterinnen und Berater übersetzten fachliche Empfehlungen in praxistaugliche Maßnahmen und stimmten diese auf die betrieblichen Voraussetzungen, regionale Besonderheiten und naturschutzfachlichen Ziele ab.
Diese enge Verzahnung von Beratung und Praxis wurde auch durch die Einblicke der Leitbetriebe Biodiversität deutlich. Die Beiträge zeigten, dass erfolgreiche Maßnahmen verlässliche Ansprechpartner, frühzeitige Abstimmung, gegenseitiges Verständnis sowie geeignete und flexible Förderbedingungen benötigen.
Die Bedeutung der Agrarlandschaft für die Artenvielfalt sei elementar, wie Viktor Haase, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, betonte. Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten seien auf geeignete Lebensräume in der landwirtschaftlich genutzten Kulturlandschaft angewiesen. „Naturschutz draußen in der Fläche funktioniert nur gemeinsam mit den Landwirtinnen und Landwirten. Genau hier leistet die Biodiversitätsberatung seit zehn Jahren unschätzbare Arbeit. Sie übersetzt den Naturschutz in die tägliche Praxis der Höfe. Das nutzt den Betrieben und schützt gleichzeitig gefährdete Arten in unserer Agrarlandschaft."
Rückblick, Praxis und Zukunftsfragen
Dr. Arne Dahlhoff, Direktor der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, machte deutlich, dass die Biodiversitätsberatung unterschiedliche Perspektiven miteinander verbindet: Auf der einen Seite stünden die fachlichen Ziele zum Schutz und zur Förderung der biologischen Vielfalt. Auf der anderen Seite müssten die Maßnahmen in den landwirtschaftlichen Betrieben praktisch umsetzbar, wirtschaftlich tragfähig und in die bestehenden Arbeitsabläufe integrierbar sein. Als besondere Herausforderung benannte er die zunehmende Diskrepanz zwischen begrenzten finanziellen Mitteln und steigenden gesellschaftlichen Erwartungen an den Schutz der biologischen Vielfalt. Die Jubiläumsveranstaltung böte deshalb nicht nur Gelegenheit für einen Rückblick, sondern auch für eine gemeinsame Auseinandersetzung mit den zukünftigen Anforderungen an Beratung, Förderung und Zusammenarbeit.
Die Veranstaltung zeigte, dass Biodiversitätsförderung eine gemeinschaftliche Aufgabe bleibt. Sie hat sich als zentrale Schnittstelle zwischen Landwirtschaft, Naturschutz, Politik und Verwaltung etabliert und unterstützt Betriebe dabei, freiwillige Maßnahmen fachlich sinnvoll und betrieblich passend umzusetzen. Zugleich fördert sie das gegenseitige Verständnis und stärkt die Zusammenarbeit. Mit dem fachlichen Austausch auf Haus Düsse wurden neue Impulse für den weiteren Weg der Biodiversitätsberatung gesetzt. Die Erfahrungen aus den vergangenen zehn Jahren bildeten dafür eine wichtige Grundlage.
Pressemeldung der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen vom 09.09.2026