Landessortenversuche Ackerbohnen und Körnererbsen 2025

Ackerbohnen und Erbsen im SortenversuchBild vergrößern
Sortenversuche mit Ackerbohnen und Körnererbsen

Die gemeinsame Anbaufläche von Ackerbohnen und Körnererbsen in Nordrhein-Westfalen lag 2025 bei etwa 15.000 ha und hat sich gegenüber den Vorjahren kaum verändert. Durchschnittlich entfallen dabei etwa 2/3 auf Ackerbohnen und 1/3 auf Körnererbsen. Die Erträge werden vor allem durch den Witterungsverlauf bestimmt, lassen sich aber durch eine angepasste Sortenwahl optimieren.

Erbse wie Bohne

Die langjährigen Daten der Besonderen Ernteermittlungen zeigen, dass sich die durchschnittlichen Erträge von Ackerbohnen und Körnererbsen in Nordrhein-Westfalen in den letzten 20 Jahren kaum verändert haben. Dies mag auch daran liegen, dass der züchterische Fortschritt durch neue Sorten zunehmend durch den fortschreitenden Klimawandel „aufgefressen“ und die Ernte immer häufiger durch extreme Witterungs- und Wetterereignisse gefährdet wird. Darauf weisen neben verschiedenen Untersuchungen und praktischen Erfahrungen nicht zuletzt auch die Statistiken hin: Denn während im Zeitraum 2006-2015 noch in 7 von 10 Jahren die Ackerbohne durchschnittlich höhere Erträge erzielte als die Körnererbse, hat sich dieses Verhältnis in den letzten Jahren deutlich umgekehrt. Besonders in trockenen und heißen Jahren kann sich die frühere und weniger wasserbedürftige Körnererbse besser gegenüber dem Klimawandel behaupten, als die an gemäßigte Bedingungen angepasste Ackerbohne.

Diese langjährige Entwicklung wird durch die vergangene Saison bestätigt: Obwohl beide Kulturen meist unter guten Bedingungen und zu günstigen Terminen gesät wurden, fehlte der großkörnigeren Ackerbohne oft bereits kurz nach der Aussaat die nötige Wasserversorgung für einen zügigen und gleichmäßigen Feldaufgang und eine gute Bestandsentwicklung. Auch die späteren Hitzephasen ab Mitte Juni wirkten sich meist negativer auf die Ackerbohne als die Körnererbse aus. Das besonders im Vergleich zum Vorjahr deutlich geringere Wasserangebot in den Sommermonaten begründet letztlich auch die regional deutlich geringeren Kornerträge der Ackerbohne im Vergleich zur Körnererbse, die zur Ernte 2025 ermittelt wurden. Zumindest der Krankheits- Schädlings. und Lagerdruck blieben in der Saison gering und ermöglichten eine meist problemlose Kulturführung und Ernte.

Ergebnisse der Landessortenversuche 2025

Aufgrund der mittelfristig gestiegenen Anbaubedeutung von Ackerbohnen und Körnererbsen wurden die nordrhein-westfälischen Landessortenversuche zur Ernte 2025 an drei Standorten durchgeführt: Die langjährigen Versuche auf Gut Ving (Nörvenich) im Rheinland und Haus Düsse (Ostinghausen) in Südwestfalen wurden um einen Versuch in Blomberg in Ostwestfalen ergänzt. Die Aussaat erfolgte im Zeitraum vom 10.-12. März mit 45 kfK/m² bei Ackerbohnen und 80 kfK/m² bei Körnererbsen. Der Feldaufgang war in allen Versuchen zufriedenstellend. Auffällig war, dass aufgrund der saisonalen Witterungs- und Wachstumsbedingungen die Bestandsentwicklung der Ackerbohnen nicht deutlich besser war als bei den Körnererbsen und zeitweise die gleichen Bestandshöhen erreicht wurden.

Die Ernte der Ackerbohnenversuche einschließlich der Wertprüfungen und Vorprüfung von EU-Sorten erfolgte im Zeitraum vom 7.-18. August. Aufgrund einer starken Verunkrautung mit Durchwuchsraps und daraus resultierender Probleme konnte der Ackerbohnen LSV auf Gut Ving nicht ausgewertet werden. In den verbliebenen Versuchen wurden durchschnittliche Kornerträge von 36,7-37,4 dt/ha auf Haus Düsse, 49,5 dt/ha in Blomberg und 54,5 dt/ha in Klein-Altendorf erzielt. Die Proteingehalte lagen bei 26,0-30,0%. Besonders für Nordrhein-Westfalen lagen die Erträge deutlich geringer als im Vorjahr. Der Krankheitsdruck blieb über die gesamte Saison gering und ein Fungizideinsatz führte nicht zu Mehrerträgen. Die nordrhein-westfälischen Versuche werden für die länderübergreifende Auswertung um insgesamt 5 weitre Versuche aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hessen ergänzt.

Bei den Körnererbsen ließen sich die nordrhein-westfälischen Versuche zwar gemeinsam auswerten, doch lagen die Grenzdifferenzen der einzelnen Versuche meist auf so hohem Niveau, dass sich diese nicht einzeln interpretieren lassen. Darüber hinaus wurden aufgrund von Saatgutproblemen die Sorten Kameleon in allen und Nos Impact nur in den Versuchen in Nordrhein-Westfalen von der Auswertung ausgeschlossen. Die ermittelten Kornerträge lagen mit 52,8 dt/ha in Klein-Altendorf bis 57,2 dt/ha auf Haus Düsse sehr deutlich über dem langjährigen Niveau. Die durchschnittlichen Proteingehalte lagen bei 21,9-24,9%. Lager trat in den Versuchen nur gering auf und auch der Krankheits- und Schädlingsdruck war insgesamt gering. Die länderübergreifende Auswertung enthält zusätzlich 3 Versuche aus Niedersachsen und einen Versuch aus Hessen.

Sortenempfehlungen für Ackerbohnen

Allgemein erfolgt die Sortenwahl bei Ackerbohnen und Körnererbsen meist deutlich konservativer als bei Getreide, Mais oder Raps. Ursachen dafür sind neben der Sortenpolitik der Züchter und der relativ langsamen Saatgutproduktion auch der (vermeintlich) geringe Zuchtfortschritt. Doch wer zu lange an alten Sorten hängt verliert potentiell Ertrag und damit Wertschöpfung, egal ob bei den Standardsorten oder den oft besser zu verwertenden oder zu vermarktenden vicin-/convicinarmen (lvc) Ackerbohnen.

Tiffany (lvc) bleibt mit einem Marktanteil von etwa 30% nach wie vor die wichtigste Ackerbohnensorte in Deutschland, wird für den nordrhein-westfälischen Anbau aber nur noch eingeschränkt empfohlen. Hintergrund dafür ist vor allem die im Vergleich zu den einigen neueren Sorten bis zu 10% geringere Ertragsleistung, die auch durch den etwas höheren Proteingehalt nicht kompensiert wird. Tiffany lässt sich als vicin-/convicinarme Sorte zwar flexibel auch in der Schweine- und Geflügelfütterung sowie für die Lebensmittelverarbeitung nutzen, doch auch in diesem begrenzten Sortiment gibt es mehrjährig geprüfte und insgesamt bessere Alternativen mit deutlich erhöhter Saatgutverfügbarkeit.

Trumpet zählt ebenfalls zu den älteren Sorten, die vor allem aufgrund ihrer hohen Anbaubedeutung bis zur letzten Ernte weiter geprüft wurden. Die nicht vicin-/convicinarme Sorte erzielt in einzelnen Versuchen nach wie vor leicht überdurchschnittliche Erträge, kann in der mehrjährigen und länderübergreifenden Auswertung aber nicht mehr mit den später zugelassenen Sorten mithalten. Positiv zu bewerten ist vor allem die hohe Standfestigkeit, die unter nordrhein-westfälischen Anbaubedingungen aber nur selten gefordert wird. Nachteilig auf die Bewertung wirken sich die hohe Anfälligkeit gegenüber Rost und der geringe Proteingehalt aus. Die Sorte wird letztmalig eingeschränkt empfohlen.

Stella ist zwar bereits einige Jahre im Anbau, erzielt aber immer noch zuverlässig durchschnittliche Kornerträge und leicht überdurchschnittliche Proteingehalte. Die Anfälligkeit gegenüber Rost ist mittel und die Lagerneigung etwas höher als bei den meisten Sorten, ohne dass dies in der Praxis allerdings regelmäßig zu Problemen geführt hätte. Die Sorte verdient insgesamt die aktuelle Hauptempfehlung, auch wenn die Saatgutverfügbarkeit gegebenenfalls begrenzt ist.

Genius erzielt unter den mehrjährig geprüften nicht vicin-/convicinarmen Sorten durchschnittlich die höchsten Kornerträge, wird aufgrund der hohen Anfälligkeit für Rost, des geringen Proteingehalts und nicht zuletzt der mäßigen Ergebnisse in den Versuchen zur Ernte 2025 aber nur noch eingeschränkt empfohlen. Die Saatgutverfügbarkeit ist gering.

Caprice unterscheidet sich in den Anbau-, Ertrags- und Qualitätseigenschaften kaum von Stella und wird daher ebenfalls bevorzugt empfohlen. Die Sorte ist ausreichend standfest, mittel gesund und erzielt etwas höhere Proteingehalte. Die nur durchschnittlichen Erträge in der mehrjährigen Auswertung resultieren vor allem aus einzelnen Ergebnissen in den Vorprüfungen, während die Ergebnisse in den nordwestdeutschen Landessortenversuchen überwiegend sehr gut ausfielen.

Hammer (lvc) wurde zwar erst zweijährig geprüft, erzielte in den bisherigen Versuchen aber meist überdurchschnittliche Erträge und ist daher vor allem für Betriebe mit Anbau von vicin-/convicinarmen Sorten eine deutlich bessere Alternative zu älteren Sorten wie Tiffany oder Allison. Hammer besitzt anbautechnisch keine ausgeprägten Schwächen und erzielt einen durchschnittlichen Proteingehalt. Die Saatgutvermehrung wurde zwar deutlich erhöht, liegt aber bisher höchstens auf mittlerem Niveau.

Iron (lvc) ist im vicin-/convicinarmen Sortiment die aktuell sicherere Alternative gegenüber Hammer mit zwar etwas geringerem Ertragspotential aber bereits dreijähriger Prüfung und deutlich geringerer Anfälligkeit gegenüber Rost als wichtigster Blattkrankheit in Ackerbohnen. Die Saatgutverfügbarkeit wurde gegenüber dem Vorjahr deutlich erhöht und sollte bei rechtzeitiger Bestellung ausreichen.

Callas (lvc) erzielt mehrjährig leicht überdurchschnittliche Kornerträge und Proteingehalte und damit insgesamt einen höheren Proteinertrag als die meisten älteren Sorten. Aufgrund der bisher erst zweijährigen Prüfung, der etwas geringeren Standfestigkeit und der noch geringen Saatgutverfügbarkeit wird die Sorte vorerst allerdings nur eingeschränkt zum Anbau auf Probe empfohlen.

Sortenempfehlungen für Körnererbsen

Bei den Körnererbsen ist der züchterische Fortschritt schwieriger zu fassen: Auch aufgrund der langjährigen Dominanz der Sorte Astronaute haben es Neuzulassungen besonders anderer Züchter bisher nicht geschafft größere Marktbedeutung zu erlangen. Da sich die aktuell geprüften Sorten kaum in ihren anbau- und verwertungsrelevanten Eigenschaften unterscheiden, wird die Sortenwahl vor allem durch das Ertragspotential und die langjährige Ertragsstabilität bestimmt.

Astronaute dominiert mit einem Marktanteil von 60% nach wie vor die Sortenwahl bei Körnererbsen. Die bereits 2013 zugelassene Sorte wird in der Beschreibenden Sortenliste immer noch mit Ertrags- und Qualitätsnoten von 9/9/6 (Kornertrag/Proteinertrag/Proteingehalt) angegeben und bestätigt dies Jahr zu Jahr mit guten Ergebnissen. Damit bleibt Astronaute eine klare Hauptempfehlung sowohl für langjährige Anbauer als auch für Neueinsteiger. Die bundesweite Saatgutvermehrung ist hoch.

Orchestra erzielt durchschnittlich fast identische Kornerträge wie Astronaute bei gleichzeitig etwas höheren Proteingehalten. Nachteil der Sorte ist die etwas geringere Standfestigkeit. Betriebe mit einem qualitätsbetonten Anbau und entsprechenden Verwertungs- oder Vermarktungsoptionen können mit Orchestra zwar potentiell erfolgreicher sein als mit Astronaute, allerdings nur wenn das Lagerrisiko ausreichend gering ist. Die bundesweite Saatgutvermehrung geht leicht zurück, ist aber ausreichend.

Symbios hat sich mehrjährig als mindestens gleichwertige Alternative zur Sorte Astronaute mit fast identischen Sorteneigenschaften bewährt. Unterschiede im Kornertrag oder Proteingehalt in einzelnen Versuchen oder Jahren lassen sich eher dem Saatgut oder dem Zufall als dem genetischen Hintergrund zuschreiben. Die Saatgutverfügbarkeit liegt in etwa auf dem gleichen Niveau wie für Orchestra.

Iconic erzielte in den bisherigen Versuchen durchschnittlich leicht höhere Kornerträge als Astronaute bei sonst sehr ähnlichen Anbau- und Qualitätseigenschaften. Damit besitzt die Sorte aktuell am ehesten das Potential weiter an Marktbedeutung zu gewinnen. Iconic ist tendentiell etwas langstrohiger als Astronaute und blüht nach den Angaben der Beschreibenden Sortenliste etwas später und kürzer als die meisten anderen Sorten. Die Saatgutvermehrung wurde für die Aussaat 2026 stark ausgeweitet.

Bohne oder Erbse?

Anders als noch vor 2-3 Jahren, als die Preise für die meisten ackerbaulichen Produkte auf hohem Niveau lagen, stellt sich aktuell für viele Marktfruchtbetriebe die Frage, mit welchen Kulturen sich bei steigenden Betriebsmittelkosten überhaupt noch ausreichende Deckungsbeiträge erzielen lassen.

Der Anbau von Körnerleguminosen bietet gegenüber den meisten klassischen Kulturen wie Getreide, Raps, Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln vor allem den Vorteil, dass meist deutlich geringere Dünger- und Pflanzenschutzkosten anfallen. Die etwas höheren Saatgutkosten werden durch den besonderen Vorfruchtwert der Leguminosen mehr als kompensiert! Ausgehend von langjährigen durchschnittlichen Erträgen von 80 dt/ha bei Winterweizen und 40 dt/ha bei Ackerbohnen und Körnererbsen und im Vergleich zu Futterweizen oft etwa 5 EUR/dt höheren Marktpreisen für Körnerleguminosen schrumpft der wirtschaftliche Vorteil des Winterweizens auf unter 100-200 EUR/ha zusammen. Berechnet man die Möglichkeit der Förderung durch die Ökoregelung „Anbau vielfältiger Kulturen“ (60 EUR/ha) und die in Nordrhein-Westfalen zusätzlich mögliche Agrar- und Umweltmaßnahme „Anbau vielfältiger Kulturen mit großkörnigen Leguminosen“ (55 EUR/ha) mit ein, wird deutlich, dass sich in der aktuellen Situation der Anbau von Ackerbohnen und Körnererbsen deutlich eher rechnet, als der von Getreide. Dabei ist vor allem zu beachten, dass sich die genannten Förderprämien auf die gesamte ackerbauliche Anbaufläche des Betriebes beziehen und nicht nur auf die mindestens 10% großkörnige Leguminosen, die als wichtigste Bedingung für das Programm angebaut werden müssen.

Bleibt eigentlich nur die Frage, ob sich der Anbau von Ackerbohnen oder Körnererbsen (oder Lupinen oder Sojabohnen) mehr lohnt? Die Antwort darauf wird vor allem von den standortlichen Bedingungen, den Möglichkeiten der Verwertung oder regionalen Vermarktung und den individuellen betrieblichen Vorlieben bestimmt. Allgemein sollten die wasserbedürftigen Ackerbohnen bevorzugt auf mittleren bis schweren Böden und in niederschlagsreicheren Lagen angebaut werden, während sich Körnererbsen auch für den Anbau auf leichteren Standorten mit einer etwas geringeren Wasserverfügbarkeit eignen. Aufgrund der höheren Lagerneigung erfordern letztere allerdings einen möglichst ebenen und oberflächlich steinfreien Acker, um Probleme bei der Ernte zu vermeiden. Beide Kulturen unterscheiden sich darüber hinaus im optimalen Aussaat- und üblichen Erntetermin, dem Pflanzenschutzbedarf und nicht zuletzt den Möglichkeiten der Verwertung und Vermarktung.

Autor: Johannes Roeb, Heinz Koch