Welche Beize für den Mais?

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Gebeiztes Maissaatgut

Nach dem Wegfall von Thiram und Mesurol wird Maissaatgut zur Aussaat 2020 mit unterschiedlichem Beizschutz und vielfältigen Zusatzstoffen angeboten.

Das Maiskorn und der Keimling sind im Boden dem Angriff von samen- und bodenbürtigen Infektionen durch Pilze und Bakterien ausgeliefert. Um Keimlingsverlusten vorzubeugen, ist es daher wichtig, dem Maiskorn beste Auflaufbedingungen zu verschaffen. Dazu zählt ein optimales Saatbett und eine standortgerechte Tiefenablage. Die empfindliche Phase von Aussaat bis zum Feldaufgang wird des Weiteren maßgeblich vom Wetter und der Bodentemperatur beeinflusst.

Unter optimalen Bedingungen kann Mais bereits nach einer Woche auflaufen. Fällt die Maisaussaat hingegen in eine kühle Witterungsphase, wie zuletzt um den Monatswechsel April/Mai 2019, können von der Aussaat bis zum Auflaufen auch schon einmal vier Wochen und mehr verstreichen. Insbesondere, wenn sich die Auflaufphase unter kühlen Bedingungen oder falscher Saatgutablage in die Länge zieht, kann der Keimling den Angriffen der Bodenorganismen, auch in Abhängigkeit von der Saatgutqualität, erliegen. Schlechte Feldaufgänge und lückige Bestände sind die Folge. Fehlstellen sind aber auch in Folge von Vogelfraß zu finden. Kommt das Wachstum nach dem Auflaufen zum Stillstand, sind weitere Pflanzenverluste durch Insektenbefall (z.B. Fritfliege und Drathwurm) möglich. Um das Saatkorn bzw. den Keimling zu schützen, sind im konventionellen Maisanbau routinemäßig Saatgutbehandlungen mit fungiziden Beizmitteln Standard.

Kein Thiram und kein Mesurol

Fungizide Beizen auf Basis des Wirkstoffes Thiram stehen zur Maisaussaat 2020 in Deutschland nicht mehr zur Verfügung. Auch Mesurol (Wirkstoff: Methiocarb) als insektizider Beizschutz und mit dem Effekt der Vogelvergrämung darf nicht mehr eingesetzt werden. Als fungizide Beizen zu Mais sind in Deutschland aktuell Maxim XL (bis 31.10.2020) und Redigo M (bis 31.07.2020) zugelassen. Darüber hinaus kann aber auch Saatgut mit Beizen zur Aussaat kommen, die in einem anderen EU-Land zugelassen sind. Die Saatgutbehandlung erfolgt in dem Mitgliedsland mit der entsprechenden Zulassung, von wo aus das gebeizte Saatgut dann EU-weit exportiert werden darf.

Die Zulassung des Beizmittels bezieht sich auf die Anwendung, was im diesem Fall der Beizvorgang, also die Saatgutaufbereitung ist. Neben Redigo M (Wirkstoffe: Metalaxyl + Prothioconazol) und Maxim XL (Wirkstoffe: Fludioxonil + Metalaxyl) wird bei uns auch Maissaatgut mit der fungiziden Beize Maxim Quattro (Zulassung u. a. in Frankreich) angeboten. Wie der Name schon vermuten lässt, sind in Maxim Quattro neben den Wirkstoffen aus Maxim XL noch zwei weitere fungizide Wirkstoffe mit anderen Wirkungsmechanismen enthalten. Dies lässt grundsätzlich einen breiten Schutz und ein vermindertes Resistenzrisiko erwarten. Ein fungizider Beizschutz sollte im konventionellen Maisanbau immer noch als Standardmaßnahme angesehen werden. Das gilt insbesondere dann, wenn gezielt mit standort- und sortenspezifischen Bestandesdichten bzw. Aussaatstärken gearbeitet werden soll.

Sonderbeizen

Neben den fungiziden Beizen werden von der Saatgutindustrie noch zusätzliche Wirkstoffe angeboten. Speziell gegen Drahtwurmbefall ist für einige Sorten bei rechtzeitiger Bestellung Sonido als Beizschutz erhältlich. Sonido ist in Frankreich zugelassen, wird dort angebeizt und das behandelte Saatgut darf in Deutschland ausgesät werden. In Versuchen der Landwirtschaftskammer NRW konnte eine ansprechende Wirkung von bis 85 % für Sonido festgestellt werden. Über einen ähnlichen Weg wird in geringem Umfang auch Maissaatgut angeboten, welches mit dem insektiziden Wirkstoff Tefluthrin, bekannt aus Force 20 CS, behandelt ist. Als reiner Repellent gegen Krähen und Fasane wird der Wirkstoff Ziram mit entsprechenden Saatgutimporten angeboten.

Erfahrungen mit diesen Produkten, auch in Hinsicht auf den Umwelt- und Anwenderschutz, liegen der Landwirtschaftskammer NRW nicht vor. Sofern entsprechend behandeltes Saatgut eingesetzt wird, ist besondere Vorsicht geboten. Hinsichtlich der Sätechnik sollte unbedingt auf eine gezielte Abluftrückführung, wie sie für den Einsatz von Mesurol gebeiztem Saatgut vorgeschrieben war, zurückgegriffen werden. Samenbürtige Krankheitserreger können auch über eine Saatgutbehandlung mit niederenergetischen Elektronen ausgeschaltet werden. Bei diesem, auch als Elektronenbeize bezeichneten Verfahren, werden keine chemischen Wirkstoffe eingesetzt. Entsprechend behandeltes Saatgut wird bislang für den Ökoanbau angeboten.

Nährstoffbeizen und Biostimulanzen

Spätestens mit der Novellierung der Düngeverordnung wird die Unterfußdüngung im Maisanbau hinterfragt bzw. deutlich zurückgefahren. Um möglichen negativen Effekten unterlassener oder reduzierter Unterfußdüngung auf die Jugendentwicklung beim Mais entgegen zu wirken, werden im Saatgutvertrieb unterschiedliche Nährstoffbeizen und/oder Zusätze spezieller Biostimulanzen zum Saatgut angeboten. Bei diesen Biostimulanzen handelt es sich oftmals um Extrakte aus Pilzen oder Algen, speziellen Aminosäuren oder Pflanzenextrakten. Da es sich bei diesen Produkten nicht um Pflanzenschutzmittel handelt, die auch nicht über eine solche Zulassung verfügen müssen, ist die Vielfalt der angebotenen Produkte sehr breit und kaum überschaubar. Erste Exaktversuche der Landwirtschaftskammer mit einigen ausgewählten Produkten lassen weder optische noch ertragliche Vorteile erkennen. Vielfach werden Biostimulanzen und/oder Nährstoffbeizen zusammen mit möglichen fungiziden Wirkstoffen oder im Einzelfall auch mit Ziram als Repellent angeboten. Mitunter werden entsprechende Beizen in der Praxis auch als Ersatz zum Mesurol angeboten. Das ist natürlich nicht korrekt, da es sich nicht um insektizide Wirkstoffe handelt.

Schwieriger Vergleich

Die Ausstattung des Maissaatgutes mit Beizen und Zusatzstoffen zur Aussaat 2020 ist breit und unübersichtlich. Viele Angebote sind aufgrund unterschiedlicher Zusätze von Nährstoffen und/oder Biostimulanzen kaum vergleichbar und werden je nach Vertrieb mit unterschiedlichen Eigennamen in den Markt gebracht. Zum Teil wird versucht über die Zusatzstoffe/Zusatzbeize ein Alleinstellungsmerkmal aufzubauen. Gleichzeitig ist über die Wirksamkeit der angebotenen Zusatzstoffe nichts oder nur wenig bekannt. Als Standard sollte im konventionellen Anbau ein fungizider Beizschutz gewählt werden.

Dort, wo erfahrungsgemäß oder besser nach Kontrolle mit starkem Auftreten von Drahtwurm zu rechnen ist, sollte der Einsatz von sonidogebeiztem Saatgut in Betracht gezogen werden. Im Einzelfall wird der fungizide Beizschutz nur in Kombination mit Micronährstoffen und/oder Biostimulanzen zum Teil kostenneutral angeboten. Unter Umständen muss der fungizide Beizschutz dann noch explizit erfragt werden. Darüber hinaus gehende Zusatzvarianten unter anderen mit möglichen Repellenteffekten werden in der Regel zu Mehrkosten von 8,- bis 10,- € je Einheit (50.000) angeboten. In jedem Fall sollten Beize und Zusatzstoffe schon bei der Saatgutaufbereitung angebeizt sein. Durch eventuelle Nachbehandlungen im Handel können sonst Regressansprüche bezüglich Keimfähigkeit und Triebkraft verloren gehen. Sowohl die Keimfähigkeit, als auch die Triebkraft können auch durch Beizen und Zusatzstoffe, sowie durch die zusätzliche mechanische Belastung bei der Saatgutbehandlung in Mitleidenschaft gezogen werden.

Autor: Norbert Erhardt