Landessortenversuche Silomais 2018, Höhenlagen

Mais in Meschede-WallenBild vergrößern
In den Höhenlagen, hier am Standort Meschede-Wallen, konnte der Silomais 2018 von den hohen Temperaturen profitieren

Guter Silomais in Höhen- und Übergangslagen

In den Höhenlagen konnte der Mais 2018 von den hohen Temperaturen profitieren. Auch in den Landessortenversuchen am Standort Meschede wurden gute Ergebnisse erzielt. Norbert Erhardt gibt Hinweise zur Sortenwahl im Silomaisanbau für die Höhen- und Übergangslagen.

Die gute Befahrbarkeit der Flächen konnte auch in den Höhenlagen in der dritten Aprildekade für eine frühe Maisaussaat genutzt werden. Zwar gingen die Temperaturen um den Monatswechsel April/Mai noch einmal kurzfristig zurück, grundsätzlich fand der Mais aber auch in den Höhenlagen beste Bedingungen für den Feldaufgang und eine ausgesprochen zügige Jugendentwicklung.

Deutlich günstiger als in den Niederungslagen gestaltete sich bis Ende Mai verbreitet auch die Wasserversorgung. So konnten an der Wetterstation in Eslohe allein für den Mai fast 120 mm Regen gemessen werden. Im weiteren Verlauf reichten dann zumindest auf den tiefgründigeren Standorten die Wasserreserven und einzelne Schauer für ein üppiges Massenwachstum. Die anhaltend hohen Temperaturen und vor allem die vergleichsweise warmen Nächte begünstigten die weitere Entwicklung der Bestände dabei zusätzlich. Erste Bestände schoben in Meschede ab Ende der ersten Juliwoche die Fahnen und kamen bereits Mitte Juli zur Blüte. Im Vergleich zum langjährigen Mittel startete der Mais damit ca. 2 Wochen früher in die generative Phase. Rechtzeitig, um die Befruchtung zu gewährleisten, fiel am 10. bzw. 11. Juli ausreichend Regen, so dass die Pflanzen nahtlos in die Kolbenfüllung starten konnten. Danach blieb es aber auch in den Höhenlagen trocken und warm. Auf flachgründigen Standorten verschärfte sich auch in höheren Lagen die Wasserversorgung, was an, zumindest zeitweise, rollenden Blättern in den Beständen zu erkennen war. Anders als in den Niederungslagen hielt sich der Trockenstress aber in Grenzen, und Regen zum Ende der ersten Augustwoche brachte eine deutliche Entspannung mit sich.

Ungewöhnlich frühe Ernte

Die frühe Blüte und die anhaltend überdurchschnittlichen Temperaturen im Juli und August begünstigten die Stärkeeinlagerung und hatten auch in den Höhenlagen eine bislang unbekannt schnelle Maisabreife zur Folge. Wie die Abreifeuntersuchungen der Landwirtschaftskammer am Standort Meschede zeigten, erreichten erste Sorten bereits zu Beginn der letzten Augustdekade Trockenmassegehalte im Kolben von 55 Prozent und mit Gesamt-T-Gehalten von deutlich über 32 Prozent die Silomaisreife. Die beiden Landessortenversuche mit Silomais am Standort Meschede wurden daher bereits am 3. September parallel zu den Praxisflächen der Versuchsansteller geerntet. Um die Sortenbeurteilung für die Höhen- und Übergangslagen auf eine breitere Basis zu stellen, fließen in die Sortenempfehlung auch 2018 wieder die Ergebnisse des Landessortenversuches vom Standort Uslar (Solling) der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ein. Die Standortdaten zu den Versuchsstandorten können der Übersicht 1 entnommen werden.

Höhere Erträge als in Niederungslagen

Wie die Übersicht zeigt, wurde 2018 an allen drei Standorten mit hohen, in Uslar mit bereits sehr hohen, Gesamttrockenmassegehalten geerntet. Anders als in den Sortenversuchen in den Niederungslagen Nordrhein-Westfalens wurden im Mittel der Sorten sehr gute Energiekonzentrationen und hohe Stärkegehalte ermittelt. Mit durchschnittlichen Trockenmasseerträgen zwischen 190 dt/ha und knapp 205 dt/ha lag das Ertragsniveau deutlich über den Erträgen der Versuche in den Niederungslagen. In Kombination aus hohem Trockenmasseertrag und guter Energiekonzentration wurde in Meschede-Enste sogar der höchste Energieertrag aller Silomaisversuche der Landwirtschaftskammer für das Jahr 2018 erzielt. Beim Vertikalvergleich für den Standort Meschede-Wallen ist zu berücksichtigen, dass die Vorjahresergebnisse als nicht repräsentativ für den Standort einzustufen sind, da der Versuch in 2017 im Gegensatz zu 2018 und den anderen Versuchsjahren nicht auf einer offen liegenden, flachgründigen Fläche angelegt wurde, sondern in einer durch Bodengüte und Kleinklima begünstigten Lage stand. Vergleichbar hohe Erträge wurden demnach im vertikalen Vergleich zuletzt im Jahr 2011 bei allerdings 6 Wochen späterer Ernte erzielt. In vielen Futterbaubetrieben in den Höhenlagen können daher die diesjährig sehr guten Silomaiserträge dazu beitragen, Ertragsausfälle auf dem Grünland zumindest teilweise zu kompensieren.

Qualitätsbetonte Sorten für die Fütterung

Besonders in den Höhenlagen wird der Mais bevorzugt in der Fütterung eingesetzt, um grassilagebetonte Futterrationen energetisch aufzuwerten. Höchste Stärkegehalte werden hier regelmäßig mit frühreifen Sorten erzielt. Bezüglich der Stärkekonzentration wurden 2018 die besten Ergebnisse mit KWS Laurencio erzielt. Die Sorte wird auf Grund deutlicher Schwächen in der Standfestigkeit von der KWS aber nicht weiter verfolgt und es dürfte kaum Saatgut im Handel zu finden sein. Sehr gute Stärkegehalte zeigten 2018 aber auch LG 31211 und Agro Fides sowie die neuen Sorten Likeit und Rancador. Im mehrjährigen Mittel fallen diesbezüglich SY Talisman und KWS Stabil, bzw. nach zweijähriger Prüfung auch Amanova und LG 31211 positiv auf. Mit hohen Energiekonzentrationen machen 2018 LG 31211, Rancador und Kaprillas auf sich aufmerksam. Im dreijährigen Mittel schneiden diesbezüglich Farmezzo, Keops, Cathy und Stacey leicht überdurchschnittlich ab.

Energieertrag bestimmt die Futterkosten

Dort, wo die Fläche knapp ist oder hohe Pachtpreise zu Buche schlagen, wird die Sortenwahl auch in den Höhen- und Übergangslagen regelmäßig vor dem Hintergrund des Energieertrages getroffen werden. Erfahrungsgemäß kommen diesbezüglich etwas spätere Sorten oftmals besser zurecht. Es muss aber beachtet werden, dass das hohe Ertragspotenzial einer Sorte nur dann abgerufen werden kann, wenn die Sorte am jeweiligen Standort auch ordentlich ausreifen kann. Im dreijährigen Mittel konnten mit Keops und LG 30248 die höchsten Energieerträge erzielt werden. LG 30248 zeichnet sich bei durchschnittlicher Energiekonzentration aber durch relativ schlechte Stärkegehalte aus und bietet sich daher eher für Rationen mit sehr hohen Maisanteilen an, die in den Grünlandregionen aber eher selten zu finden sind. Nach zweijähriger Prüfung liefern Benedictio KWS, Amanova und Severeen sehr hohe Energieerträge. Mit der Reifezahl von S 230 sollte sich der Anbau von Beneditio KWS und Severeen zumindest für Fütterungszwecke aber auf günstige Übergangslagen beschränken, um in späten Jahren nicht in die „Abreifefalle“ zu laufen.

Masse für Biogas

Wie der Übersicht 2 zu entnehmen ist, sind hohe Biogaserträge regelmäßig mit höchsten Trockenmasserträgen zu erzielen. Bezüglich der sortenspezifischen Biogasausbeute sind 2018 Vorteile besonders für Amanova, Keops, Laurinio und Kaprillas zu erkennen, was für Keops und Amanova auch im mehrjährigen Mittel bestätigt wird. Die höchsten absoluten Gaserträge errechnen sich diesjährig für Benedictio KWS, Amanova, LG 30211, Keops und die neue Sorte Likeit. Mehrjährig kommen diesbezüglich Keops und nach zweijähriger Prüfung Benedictio KWS und Amanova zurecht.

Sortenempfehlung

Entsprechend der Verwertung und den Standortbedingungen muss bei der Maissortenwahl für die Höhen- und Übergangslagen das Abreifeverhalten der Sorten besonders beachtet werden. Dies gilt insbesondere dort, wo Silagen mit hohen Stärkegehalten erzeugt werden sollen. Qualitative und ertragliche Sortenvorteile können nur dann genutzt werden, wenn der Mais auch reif werden kann. Wo es im Fall der Biogasnutzung nicht auf den letzten Prozentpunkt bezüglich der Stärkegehalte ankommt, kann in gewissem Rahmen das höhere Ertragspotenzial etwas späterer Sorten genutzt werden. Die guten Abreifebedingungen der letzten Jahre sollten nicht vergessen lassen, dass es in anderen Jahren bezüglich der Maisabreife mit spätreiferen Sorten durchaus eng werden kann. Zuletzt war dies noch 2015 der Fall, als Frost und Schnee die Maisabreife in den Höhenlagen Anfang Oktober abrupt beendeten.

Um das Anbaurisiko zu begrenzen, sollten Sorten gewählt werden, die auch unter ungünstigeren Wachstumsbedingungen ein Mindestmaß an Abreife erwarten lassen. In der Sortenempfehlung (Übersicht 3) sind die Sorten wie gewohnt hinsichtlich der unterschiedlichen Prüfkriterien mit „ + „, „ – „ und „ o „ bewertet. Als Qualitätssorten sind in der Sortenempfehlung die Sorten mit „Q“ gekennzeichnet, sofern sowohl überdurchschnittliche Energiekonzentrationen als auch hohe Stärkegehalte erzielt wurden. Im Gegensatz dazu sind ertragsbetonte Sorten, die sowohl im Stärkegehalt als auch in der Energiekonzentration unterdurchschnittlich eingestuft sind, in der Sortenempfehlung mit einem (M) als Massentypen zu erkennen. Abgesehen von wenigen Ausnahmen sollten diese Sorten für die Nutzungsrichtung Biogas gewählt werden. Vielfach errechnen sich für diese Sorten auch die höchsten Gaserträge je Hektar, was auch in der Sortenempfehlung entsprechend bewertet wird. Dort, wo in günstigen Übergangslagen mit mittelfrühen Sorten gute Erträge für die Nutzungsrichtung Biogas erzielt werden konnten, sollten auch die Ergebnisse aus den Niederungslagen, die in der vorletzten Ausgabe veröffentlicht wurden, berücksichtigt werden.

So sind die empfohlenen Sorten für den Anbau in Höhen- und Übergangslagen zu beurteilen:

Dreijährig geprüfte Sorten :

Agro Fides, S 220 : später abreifende, stärkegehalts- und stärkeertragsbetonte Sorte. Gasausbeute in den Höhenlagen unterdurchschnittlich. Empfehlung für günstige Standorte zur Ergänzung grassilagebetonter Rationen.

Cathy, S 210 : Cathy kam 2018 deutlich schlechter zu Recht, profitiert hinsichtlich Qualität und Ertrag von den sehr guten Vorjahresergebnissen.

Farmezzo, S 220 : ertraglich im Mittelfeld kann Farmezzo mit höchster Energiekonzentration im dreijährigen Mittel überzeugen.

KWS Stabil, S 200 : mehrjährig sehr frühe Abreife, hoher Stärkegehalt und – ertrag. Ähnlich wie in den Niederungslagen kam Stabil auch in den Höhenlagen diesjährig etwas schlechter zu Recht. Mit regelmäßig früher Abreife empfiehlt sich die Sorte aber für Grenzlagen und als Garant für stärkereiche Silagen.

Keops, S 200 : im dreijährigen Mittel ertragsstärkste Sorte im Sortiment. Energiekonzentration und Gasausbeute überdurchschnittlich.

LG 30248, S 220 : trockenmasse- und energieertragsbetonte Silomaissorte mit allerdings deutlich unterdurchschnittlichem Stärkegehalt. Späte Abreife.

Ridley, S 210 : mit dreijährig unterdurchschnittlichen Qualitäten und etwas späterer Abreife kann Ridley aber mit hohen Trockenmasse- und Energieerträgen überzeugen. Empfehlung für Übergangslagen und günstige Höhenlagen.

SY Talisman, S 220 : ertraglich kam Talisman in den Höhenlagen diesjährig etwas schlechter zu Recht, kann aber mit über die Jahre konstant hohen Stärkegehalten überzeugen. Die Sorte bietet sich daher zur Ergänzung von grassilagebetonten Rationen an

Zweijährig geprüfte Sorten:

Amanova, S 210 : im zweijährigen Mittel sehr hohe Trockenmasse-, Energie-, Stärke- und Gaserträge bei sehr früher Abreife und besten Qualitäten.

Amaroc, S 230 : massenwüchsige Silomaissorte, vornehmlich für die Nutzungsrichtung Biogas in Übergangs- und günstigen Höhenlagen. In den Niederungslagen fiel Amaroc erneut in betroffenen Regionen mit Lager und Stängelbruch auf. Daher Vorsicht in windoffenen Lagen, Bestandesdichte anpassen.

Benedictio KWS, S 230 : zweijährig hohe Energiekonzentration und hohe Gasausbeute. Sehr hohe Trockenmasse-, Energie- und Gaserträge. Empfehlung für maisbetonte Rationen und die Biogasnutzung in Übergangs- und günstigen Höhenlagen.

Laurencio KWS, S 200 : frühreif, hoher Stärkegehalt und beste Erträge. Laurencio beeindruckt auch durch eine hervorragende Jugendentwicklung. Aber infolge des rasanten Massenwuchses zeigt die Sorte eine extreme Anfälligkeit für Sommerlager! Saatgut ist kaum im Handel.

LG 30244, S 230: trockenmasseertragsbetonte Sorte mit in den Höhenlagen deutlich schwankenden Qualitäten.

LG 31211, S 220 : stärkegehalts- und stärkeertragsbetonte Sorte. LG 31211 kam 2018 sehr gut zu Recht und kann auch mit zweijährig hoher Energiekonzentration und Gasausbeute überzeugen.

Severeen, S 230 : durchschnittliche Qualitäten bei hohen Trockenmasse-, Energie- und Stärkeerträgen. Silomaissorte zum Füttern und für Biogas in Übergangslagen.

Sorten für den Probeanbau

Die Sortenflut und der ständige Sortenwechsel beim Mais macht auch vor den Höhen- und Niederungslagen keinen Halt. So standen in 2018 wieder 13 neue Sorten im Versuch. Einige neue Sorten konnten bereits im ersten Versuchsjahr mit guten Qualitäten und oder Erträgen überzeugen. Für den Probeanbau 2019 bieten sich die Sorten Likeit, LG 31227, Rancador, Kaprillas und KWS Stefano an. Insbesondere Rancador kann neben den guten Qualitäten.

Autor: Norbert Erhardt