Chancen und Risiken erneuerbarer Energien

Landwirt schaut bei Photovoltaikmontage zu

Kein anderes Thema dominiert die Landwirtschaft in letzter Zeit so stark wie die "Erneuerbaren Energien". Die Novelle des EEG im August 2004 war der Auslöser für eine bis dahin noch nie da gewesene Investitionsbereitschaft in neue und innovative Produktionsverfahren.

Verantwortlich hierfür sind die Endlichkeit der fossilen Brennstoffe Erdöl, Erdgas und Kohle und deren Auswirkungen auf den Klimawandel, die das Nachdenken über alternative Energiequellen zwingend notwendig machen. Dabei bleibt kein Segment ausgespart. Biogene Kraftstoffe für den Erhalt der Mobilität sind ebenso im Fokus wie die Wärme- und Elektrizitätsgewinnung aus den verschiedensten regenerativen Energieträgern.

Nicht nur die landwirtschaftliche Fachpresse befasst sich intensiv mit der angesprochenen Thematik, auch die allgemeine Presse ist von den Themenfeldern Energieknappheit und durch Treibhauseffekt ausgelöste Umweltkatastrophen reichlich gefüllt.

Dabei geht es thematisch auf der einen Seite um globale Energie- und CO 2-Bilanzen, auf der anderen Seite um die sich ständig weiter entwickelnde Technik zur Gewinnung alternativer Energien.

Die Chancen, die die Landwirtschaft durch Energiegewinnung von der Fläche hat, werden in den schillerndsten Farben beschrieben, über mögliche, insbesondere auch wirtschaftliche Risiken des Einzelnen wird kaum diskutiert.

Letztendlich sind aber gerade die Wirtschaftlichkeit und die daraus resultierenden Einkommensmöglichkeiten die entscheidenden Gründe für jegliche landwirtschaftliche Investitionstätigkeit. Damit rückt die ökonomische Betrachtung mit ihren verschiedenen Facetten in den Mittelpunkt der betrieblichen Entscheidungen für oder gegen erneuerbare Energien.

Die Felder, in denen sich die Landwirtschaft den regenerativen Energien widmen kann, sind vielfältig. Zum einen besteht die Möglichkeit Kosten durch Heizungstechniken mit alternativen Brennstoffen zu senken. Holzheizungen mit Scheitholz bzw. Pellets stehen hier an erster Stelle, aber auch Pflanzenöl-BHKW und Erdwärmepumpen sind Techniken, die die Wärmeproduktion ohne fossile Brennstoffe ermöglichen. In diesen Fällen gibt die Aufstellung einer Energiebilanz für den Betrieb in Verbindung mit einer Vollkostenrechnung für die verschiedenen Alternativen eine schnelle Entscheidungsmöglichkeit. Risikofaktor bleibt die Preisentwicklung für regenerative Brennstoffe. Insbesondere Holzpellets zeigen, wie schnell der Markt für diese Produkte reagieren kann: Mit steigender Nachfrage kletterte der Preis hierfür trotz Ausweitung der Produktionskapazitäten um mehr als 5,- € je dt und hat einen Preis erreicht, der kaum noch Kosteneinsparungen gegenüber fossilen Brennstoffen aufweist.

Ein völlig anderes Parkett wird von der Landwirtschaft betreten, wenn es um die Erzeugung regenerativer Energien geht, wobei von vornherein zwei Stufen unterschieden werden müssen:

1. Die Landwirtschaft als Lieferant biogener Energierohstoffe

Hier geht es um die Erzeugung der Produkte, die für die Gewinnung regenerativer Energien benötigt werden. Mit der Produktion von Weizen für die Ethanolgewinnung, von Raps als Grundstoff des Biodiesel bzw. der Produktion von Silomais für Biogasanlagen wird die klassische Landwirtschaft nicht verlassen. Weder sind betriebliche Umstellungen in größerem Umfang erforderlich, noch müssen größere Investitionen getätigt werden, um sich diese Bereiche zu erschließen. Die Landwirtschaft profitiert hauptsächlich von einem durch die steigende Nachfrage nach Rohstoffen ausgelösten Preisanstieg.

Der ist deutlich zu erkennen: Schon jetzt werden für die kommende Ernte Kontrakte für Getreide mit Preisen von 13,- € je dt plus Steuer und mehr abgeschlossen. Das beste Indiz dafür, dass Getreide auch in naher Zukunft knapp bleibt.

Legt man Zahlen von Toepfer International, dem weltgrößten Getreidehandelshaus, zugrunde, haben die Weltgetreidebestände ein historisches Tief erreicht und die Getreideproduktion läuft der steigenden Nachfrage hinterher. Hier spielt die Erzeugung erneuerbarer Energien schon eine wichtige Rolle. Insbesondere die Produktion von Ethanol als Biokraftstoff wird massiv ausgeweitet. Wer dabei jedoch vor allem an die EU und Deutschland denkt, muss eines Besseren belehrt werden. Zwar wächst hier die Ethanolproduktion auch, aber die Produktion in 2006 lag insgesamt nur bei 3,5 Mio. m³, während Brasilien 19 Mio. m³ und die USA 17 Mio. m³ produzierten. In Amerika wird für die nächsten Jahre auch das größte Wachstum gesehen. So schätzt Toepfer International, dass die US-amerikanische Produktion auf 31 und die brasilianische auf 25 Mio. m³ wächst, während die EU nur auf 8,5 Mio. m³ kommen wird.

Zu erkennen ist dies schon jetzt: So verdrängt der Maisanbau zur Energieerzeugung in den USA die Sojabohne mit der Konsequenz auch hier steigender Produktpreise. Auf dem amerikanischen Kontinent werden allem Anschein nach auch unsere Getreidepreise für die nächsten Jahre bestimmt und in enger Verzahnung damit das Preisniveau für pflanzliche Produkte insgesamt.

Diese Entwicklung freut den Ackerbauern, sorgen steigende Erlöse doch für höhere Gewinne in diesem Betriebszweig, aber auch langfristig? Schon jetzt ist zu erkennen, wie der Preisanstieg für pflanzliche Produkte – sei es das Getreide für die Schweinefütterung oder der Silomais für die Biogasanlage – auch das Pachtpreisniveau nach oben drückt. Ein nicht unerheblicher Teil der gestiegenen Wertschöpfung landet also gar nicht beim Erzeuger, sondern beim Grundeigentümer. Und im nächsten Schritt? Wird nicht bei nachhaltig guten Getreidepreisen die EU überlegen die Direktzahlungen zu kürzen, stammen diese doch ursprünglich aus der Überlegung, den abgesenkten Getreidepreis zumindest teilweise zu kompensieren. Angesichts knapper EU-Haushaltskassen und Begehrlichkeiten auch von anderen Seiten scheint dies sicherlich kein zu unwahrscheinliches Szenario zu sein.

Unterm Strich wird der knappste Produktionsfaktor von der steigenden Rendite profitieren und das wird ohne Zweifel die Fläche und damit der Grundeigentümer sein.

2. Die Landwirtschaft als Energieerzeuger

Eine völlig andere Situation ergibt sich, wen der Landwirt in die energetische Wertschöpfungskette einsteigt. Er verlässt damit die Abhängigkeit des Rohstoffmarktes und erschließt sich die Möglichkeit, durch Investition und Produktion selbst am großen Kuchen steigender Energiepreise zu partizipieren. Die Palette der Möglichkeiten ist dabei allerdings noch nicht sehr groß:

Windkraftanlagen auf geeigneten Standorten scheitern mittlerweile häufig an der Genehmigungsfähigkeit, für Fotovoltaikanlagen müssen entsprechend geeignete Dachflächen vorhanden sein und Ethanolerzeugung in landwirtschaftlichen Brennereien geht in Konkurrenz zu den derzeit in Betrieb, Bau und Planung befindlichen Großanlagen, die günstigere Produktionskostenstrukturen haben. Am Ende bleibt im Wesentlichen doch die mit der Landwirtschaft eng verflochtene Biogaserzeugung. Und tatsächlich fokussiert sich in diesem Betriebszweig das Energieengagement von Landwirten am stärksten.

Aber gerade die Biogaserzeugung steht durch ihren großen Bedarf an Substraten vor dem bereits beschriebenen Problem steigender Getreide- bzw. Silomais- und Flächenpreise.

Der Gesetzgeber gesteht im EEG für diese Kosten dem Energieerzeuger den NaWaRo-Bonus von 6 €Ct. je kWh zu. Tatsächlich liegen die Kosten aktuell aber eher zwischen 8 und 9 €Ct. je kWh. Hier tatsächlich gute Gewinne zu realisieren wird angesichts dieses Kostendrucks also immer schwieriger. Außerdem ist in den veredlungsstarken Regionen fast schon ein Kampf um die knappe Fläche ausgebrochen: "Gülle oder Gärrest?" hat zu einem Pachtpreisniveau geführt, zu dem keine der beiden Seiten noch rentabel produzieren kann.

Trotz dieser Entwicklung bei Getreide- und Pachtpreisen sind Chancen für die Biogasproduktion vorhanden. Für eine wirtschaftliche Investition sprechen:

  • Betriebsangepasste Anlagengröße und kostengünstige Erstellung
  • Anlagenstandorte am Rand oder abseits der großen Veredlungsregionen mit günstigen Substrat- und Entsorgungskosten
  • Gute Wärmekonzepte mit intensiver Nutzung der Abwärme durch Verkauf zuzüglich KWK-Bonus
  • Neue Erkenntnisse bei der Vergärung von Gras und dadurch Nutzung von kostengünstigen Grünlandstandorten
  • Steigende Wirkungsgrade bei moderner Technik
  • Qualifizierte und unternehmerische Anlagenbetreiber

Erneuerbare Energien sind ein Wachstumsmarkt mit noch vielen Unbekannten. Wie lange reichen die Erdöl-, Gas- und Kohlevorräte wirklich noch? Wie wird sich der Energiebedarf Chinas und Indiens in den nächsten Jahren entwickeln? Wann werden auch US-Amerikaner einsehen, dass auch Sie am Treibhauseffekt maßgeblich beteiligt sind und sich an CO 2-Reduzierung beteiligen?

All dies sind auch entscheidende Fragen für die zukünftige Wirtschaftlichkeit regenerativ erzeugter Energie. Ein Markt mit vielen offenen Fragen bietet Chancen aber auch Risiken insbesondere für den, der Kapital über Jahre in Investitionen bindet und auf der Ertragsseite bislang nur gesetzlich reglementierte Erlöse stehen hat.

In dieser Situation sind fundierte Informationen und gute Beratung ein zwingendes Muss für eine richtige Investitionsentscheidung.

Autor: Peter Spandau