Schwärzepilze - Risiko durch Getreidestroh?

Strohballenpresse

Nur die Gerstenernte konnte in diesem Jahr problemlos eingefahren werden. Hier waren Qualität und Ertrag von Korn und Stroh recht gut. Witterungsbedingte Ernteverzögerungen führten bei den anderen Getreidearten, vor allem bei Triticale und Weizen, jedoch zu nicht unerheblichen Problemen. Zahlreiche Getreidebestände, allerdings nicht alle, verfärbten sich in den letzten Wochen und Tagen grau-schwärzlich. Ursache dieser Verfärbungen ist ein Befall mit Schwärzepilzen, der sowohl das Korn als auch Stroh betrifft. Rinder-, Pferde- und Schweinehalter, die Stroh als Futter oder Einstreu verwenden, sollten die nachfolgenden Hinweise besonders beachten.

Der Begriff Schwärzepilze steht für mehrere Pilzgattungen, deren Schadrisiko wird für Tiere unterschiedlich eingestuft. Die Hauptvertreter sind verschiedene Arten von Alternaria, Cladiosporum, Drechslera, Epicoccum, Chaetomium und Stachybotrys.

Von Epicoccum und Drechslera wurden in der Literatur noch keine toxischen Wirkungen beschrieben. Weniger gefährlich sind auch die Spezies von Alternaria. Die Gattung Cladosporium wird jedoch als sehr toxisch eingestuft, obwohl bisher der Toxinnachweis von Cladiosporum fehlt. Auch die Arten von Chaetomium können giftig sein. Als sehr giftig die Arten von Stachybotrys, die eine unter Fachleuten als Stachybotryotoxikose bezeichnete Erkrankung bei Mensch und Tier auslösen können. Es handelt sich dabei um vor allem bei Pferden und Rindern ausgelöste Entzündungen der Kopfschleimhäute, des Magens und des Darmes mit all den nachteiligen Folgen. Nach Literaturangaben wurde diese Erkrankung in Gebieten der alten Sowjetunion häufiger beobachtet, in unseren Regionen allerdings eher selten. Die Toxine von Stachybotrys sind verwandt mit den uns viel besser bekannten Fusarientoxinen (DON und ZEA).

Aus diesen Beschreibungen geht hervor, dass ein Befall von Korn oder Stroh mit Schwärzepilzen durchaus stark risikobehaftet ist. Leider gibt es in Deutschland nach derzeitigem Kenntnisstand kein Institut, das sich routinemäßig mit den Toxinen von Schwärzepilzen befasst. Das erschwert natürlich die Situation in der Praxis.

Belastungen von Getreide mit Schwärzepilzen kamen auch schon in der Vergangenheit vor, insofern sind sie nichts Neues. Die Risiken für Gesundheit und Leistung der Tiere halten sich bei geringen Belastungen auch sicherlich in Grenzen. In diesem Jahr ist der Befall in zahlreichen Beständen aber extrem hoch, was besondere Aufmerksamkeit und Zurückhaltung erfordert. Zwar ist davon auszugehen, dass bei trockenen Erntebedingungen und sorgfältigem Drusch ein Großteil der Schwärzepilze abfällt. Der dabei entstehende Staub kann aber zumindest das Stroh wiederum kontaminieren, zumal die Verbreitung des Pilzes über die Luft erfolgt. Die Schwärzepilze vermehren sich besonders im Stroh, wenn dies auf dem Boden liegt und zusätzlich von Feuchtigkeit umgeben ist. Eine Entkeimung von Stroh ließe sich nur erreichen, wenn das möglichst trocken geerntete Stroh mit Natronlauge oder Ammoniak eingelagert werden könnte. Entsprechende Verfahren sind zwar bekannt, werden aber meist aus arbeitstechnischen Gründen nicht praktiziert.

Eine Verfütterung stark belasteter Strohpartien scheidet gänzlich aus. Auch stark belastetes Stroh, das nur für die Einstreu vorgesehen ist, wird selbstverständlich gefressen, was ebenso problematisch sein kann. Zudem ist davon auszugehen, dass beim Einstreuen viel Staub entsteht, der die Pilzsporen mit sich trägt und so Tiere wie Umwelt infiziert. Dies kann vor allem bei Pferden mit Allergien und Atemwegsproblemen zu gravierenden Belastungen und Erkrankungen führen. An dieser Stelle darf auch nicht unerwähnt bleiben, dass ein sichtbar mit Schwärzepilzen befallenes Stroh noch andere Pilze (Fusarien, Brand- und Rostpilze) aufweisen kann, die teils noch größere Gefahren mit sich bringen.

Nur derjenige also, der über trockenes und normales, in der Regel gold-gelb gefärbtes Stroh verfügt, kann dieses Raufutter unbedenklich einsetzen. Partien mit Verfärbungen, grauen und/oder schwarzen Belägen, die auch nesterweise auftreten können, sollten deshalb weder verfüttert noch eingestreut werden. Futter- oder Einstreustroh darf sich auch nicht klamm anfühlen oder gar dumpf und muffig riechen, weil solche Erscheinungen Verderb anzeigen.

Da Gerstenstroh in diesem Jahr gute Qualitäten aufweist, kann und sollte es für den einen oder anderen hoffentlich eine Alternative sein.

Autor: Dr. Wolfgang Sommer