Erfahrungsbericht Agrarreferendariat

Nachdem ich mein Studium der Agrarwissenschaften mit dem Schwerpunkt Umweltwissenschaften erfolgreich mit dem Mastergrad abgeschlossen hatte, begann die Bewerbungsphase. Auf der Suche nach Stellen im Internet bin ich dann auf die Möglichkeit eines Vorbereitungsdienstes in der Agrarverwaltung aufmerksam geworden - das Agrarreferendariat. Das Anforderungsprofil klang herausfordernd und spannend zugleich, und mein Interesse war sofort geweckt.

Mit dem Mastergrad und einer gartenbaulichen Ausbildung zum Landschaftsgärtner erfüllte ich die Zugangsvoraussetzungen und ich machte mich sofort daran eine Bewerbung zu verfassen. Wenige Zeit später kam die Einladung zum Vorstellungsgespräch und einen Tag darauf bereits die Zusage der einstellenden Behörde - dem Landesamt für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen, kurz LANUV NRW. Jetzt bekamen wir zukünftigen Referendare auch die ersten Informationen über den Ablauf der Ausbildung (Ausbildungsrahmenplan), Lerninhalte in den Seminaren und die Zuweisung einer Dienststelle im ersten Ausbildungsabschnitt - Verwalten. Dadurch hatten wir dann einen guten Überblick darüber, was uns alles erwarten würde.

Nun war es soweit. Ein neuer Lebensabschnitt begann. Die Ernennung zum Beamten auf Widerruf erfolgte am 04.10.2016. Begrüßt wurden wir von Seiten des LANUV NRW durch Herrn Dr. Möhlenbruch als ehemals Verantwortlicher des Agrarreferendariates und von Seiten der Landwirtschaftskammer NRW von Herrn Dr. Hentschel.

Bis auf einige wenige Kontakte per E-Mail kannte ich ja auch noch niemanden von meinen Mitstreitern. Hoffentlich sind alle okay, dachte ich noch. Das waren sie. Eine tolle Gruppe. Sehr heterogen was Ansichten und Studienschwerpunkte betraf, aber genau das würde ja helfen den Anforderungen an die interdisziplinäre Zusammenarbeit gerecht zu werden. Das würde helfen mit anderen Meinungen zurecht zu kommen und Kompromisse zu finden, die im Konsens der Gruppe getragen werden. Unserer persönlichen Weiterentwicklung wird es also zweifellos guttun.

Dann begann das Einführungsseminar - Staats-, EU-, Verwaltungs- und Verfassungsrecht im „Crash-Kurs“ gepaart mit Beamtenrecht und Landesorganisation. Die Grundlagen werden zusammen mit den Veterinärreferendaren des LANUV NRW unterrichtet. Mit Spaß und Eifer sogen wir die ganzen Informationen in uns auf. Anfangs ist man zwar etwas erschlagen von der Fülle an Unterrichtsstoff, aber, wenn man sich der Materie öffnet, wird man auch viel Freude daran haben. Kurz darauf gab es eine kleine Einweisung in die Aufgaben der Agrarverwaltung (Grundstücksverkehrsrecht, Landwirtschaftserbrecht, Bau- und Planungsrecht sowie den umfangreichen Rechtsbereich der Agrarsubventionen) bevor wir in den ersten Praxisabschnitt in eine Kreisstelle der Landwirtschaftskammer NRW entsandt wurden.

Meine erste Station war die Kreisstelle Märkischer Kreis, Ennepe-Ruhr, Ruhr-Lippe und Soest. Hier bearbeitete ich im ersten Monat Fälle des Grundstücksverkehrs, Pachtrechtes und Landwirtschaftserbrechtes. Außerdem habe ich versucht möglichst viele Außentermine mit dem Kreisgeschäftsführer sowie mit Mitarbeitern der Kreisstelle wahrzunehmen um einen Gesamteindruck über die Fülle der anfallenden Aufgaben zu bekommen. Hier ist viel Eigeninitiative gefragt. In der Regel kann alles, was einen interessiert auch mitgemacht werden. Auf Abendveranstaltungen bekommt man erste Berührungen mit dem Berufsstand und dem Ehrenamt und jede Kreisstelle eröffnet je nach Agrarstruktur ganz individuell viele spannende Themenfelder mit denen man sich befassen kann. Nach einem weiteren Monat Seminar mit intensiver Einarbeitung in alle Rechtsgebiete der Agrarverwaltung fühlt man sich bereits viel sicherer in der Erledigung von Aufgaben, wenn es zum neuen Jahr dann wieder in die Kreisstelle geht.

Ein kleines Highlight ist die 4-tägige Brüssel-Exkursion. Hier lernt man die Landesvertretung NRW sowie den Verband der Landwirtschaftskammern kennen und hat die Möglichkeit, Vorträge von Lobby-Vertretern, Verbänden, NGO’s und Mitgliedern des Europäischen Parlamentes zu besuchen. Man kann etwas EU-Luft schnuppern und lernt den Alltag von Interessenvertretern aller möglichen Stellen kennen. Man kann sich ein eigenes Bild von der EU machen.

Im zweiten Ausbildungsabschnitt - Leiten und Steuern - lernt man die Zentrale der Landwirtschaftskammer NRW in Münster oder den Standort Köln-Auweiler kennen. In diesem Abschnitt sollen die Referendare Aufgaben der Personalführung mitarbeiterorientiert vorbereiten und durchführen. Außerdem sollen Maßnahmen und Entscheidungen unter Berücksichtigung der kameralistischen Haushaltsführung und des Controllings beurteilt werden. Anhand zuvor gelernter Kommunikationsregeln werden Mitarbeitergespräche ziel- und prozessorientiert geführt. Ich habe diesen Abschnitt in der Personalabteilung absolviert und viel über arbeitsrechtliche Entscheidungen und Maßnahmen im Personalwesen gelernt. Ein tolles Team, welches jederzeit hilfsbereit und für Fragen offen war, hat mich dabei tatkräftig unterstützt. Auch hier gilt es, sich mit viel Eigeninitiative selber in die teils fachfremden Thematik einzuarbeiten.

Nun ist seit der Ernennung etwas mehr als ein Jahr vergangen und ich stehe kurz vor dem Abschluss des zweiten Ausbildungsabschnittes. Im nächsten Abschnitt - Beraten - geht es wieder etwas näher an die Basis. In der Beratung gilt es landwirtschaftliche Unternehmen anhand betrieblicher Aufzeichnungen fachlich und betriebswirtschaftlich zu beraten und Veränderungsmaßnahmen zu erarbeiten. Außerdem sollen Veranstaltungen der beruflichen Weiterbildung geplant, entwickelt und teilnehmerorientiert durchgeführt werden. Hier kann man sich an seinem Studienschwerpunkt orientieren. Dennoch soll am Ende eine gesamtbetriebliche Betrachtung möglich sein.

Ich freue mich auf die Herausforderungen, die im letzten Ausbildungsabschnitt auf mich warten und habe es die gesamte Ausbildungszeit nicht einmal bereut dieses Referendariat begonnen zu haben. Im Gegenteil!

Phillip Lange, Einstellungsjahr 2016