Erfahrungsbericht Bachelor of Laws

Nach meinem Abitur wollte ich zuerst eine Ausbildung machen, um den Büroalltag kennenzulernen. Deshalb absolvierte ich von 2009 bis 2012 die Ausbildung zur Industriekauffrau in der privaten Wirtschaft. Während dieser Zeit wurde mir bewusst, dass ich an meine Ausbildung ein Studium anhängen wollte. Ich kam zu dem Schluss, dass ich in meiner beruflichen Zukunft gerne mit Gesetzen arbeiten, aber dabei auch betriebswirtschaftliche Aufgaben nicht ganz verlieren wollte. Bei der Recherche nach möglichen Ausbildungsplätzen stieß ich so auf das duale Studium „Bachelor of Laws“, das beide Aspekte ideal verbindet.

So bewarb ich mich im Sommer 2011 bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Nach einem Einstellungstest und einem Vorstellungsgespräch bei der Landwirtschaftskammer NRW wurde es dann wahr – ich hatte einen der begehrten Studienplätze erhalten.

Vor Beginn des Studiums trafen sich alle neuen Inspektoranwärter mit den Ausbildern um sich gegenseitig und natürlich auch die Landwirtschaftskammer NRW besser kennenzulernen. Wir hörten uns Vorträge über verschiedene Dienststellen der Landwirtschaftskammer NRW an und ließen den Tag bei einer gemeinsamen Stadtführung durch Münster ausklingen.

Und im September 2012 ging es dann endlich los. Die Ausbildung begann mit einer Einführungswoche bei der Landwirtschaftskammer NRW. In dieser Woche lernten wir weitere Auszubildende der Landwirtschaftskammer NRW kennen. Wir verbrachten einen Tag in dem Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Düsse in Bad Sassendorf und erfuhren noch mehr Details über die Arbeit und Ziele der Landwirtschaftskammer NRW. An einem weiteren Tag wurden die drei anderen Anwärter und ich über den Ablauf des Studiums aufgeklärt. Dort wurden viele Fragen geklärt, wie zum Beispiel: Was sind Praxisprüfungen und wie laufen sie ab? Was erwartet uns an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung (FHöV)? Und wie läuft das überhaupt mit der Beihilfe? Denn wir waren nun alle Beamte auf Widerruf und kannten uns damit natürlich überhaupt nicht aus. Nach diesem Gespräch fühlten wir uns aber sicherer und wussten, dass wir bei Fragen jederzeit einen Ansprechpartner vor Ort haben, denn die Landwirtschaftskammer NRW ist ganz in der Nähe der FHöV und so kann man den Ausbildungsleiter auch schnell einmal etwas nicht nur am Telefon fragen. Den Rest des Tages verbrachten wir in der Innenstadt von Münster und lernten uns untereinander besser kennen. An einem weiteren Tag der Einführungswoche begleiteten wir einen Flächenprüfer bei seiner Arbeit. Das war ein sehr spannender Tag, da wir viel gesehen haben und auch verschiedene Menschen kennenlernen durften.

Und dann kam der Montag und das Studium ging richtig los. Im ersten Augenblick waren es sehr viele neue Eindrücke, da man Fächer hatte, die einem bisher unbekannt waren. So zum Beispiel Zivilrecht, Staatsrecht oder Staatliches Finanzmanagement. Doch nach einiger Zeit bekam man einen Überblick und das Studium machte immer mehr Spaß. Natürlich war man stets gefordert, da das Studium wirklich nicht einfach zu meistern ist. Vor allem zu Klausurzeiten wird es sehr stressig und man muss viel lernen. Aber ehrlich: In welchem Studium ist das anders?

Nach neun Monaten an der FHöV ging es dann in den ersten Praxisabschnitt. Diesen verbrachte ich zusammen mit einer anderen Inspektoranwärterin in dem Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Düsse. Hier haben wir vielfältige Einblicke in die Aufgaben der Einrichtung bekommen, außerdem bekamen wir ein Projekt an dem wir eigenverantwortlich arbeiten durften. Und das schon im ersten Praxisabschnitt!

In meinem zweiten Praxisabschnitt wurde ich dann im Fachbereich 12 – Finanzen, Allgemeine Verwaltung – eingesetzt. Ich arbeitete in der Hauptkasse mit und unterstütze auch das Controlling und den Bereich Liegenschaften, der sich um kammereigene Bauten kümmert. Außerdem bekam ich Einblicke in den Haushalt, hier konnte man zuvor Gelerntes sehr gut einsetzen.

Anschließend folgte die Projektarbeit im Frühjahr. Bei diesem Projekt arbeitet man in Gruppen zusammen, die aus Anwärtern der verschiedenen Behörden gemischt werden. Projektvorschläge werden von einzelnen Behörden an die FHöV gegeben. In der späteren Bearbeitung dieser Themen arbeitet man eng mit der betreffenden Behörde zusammen. Meine Projektarbeit war ein Vorschlag der Bezirksregierung Münster, somit bekam ich auch Einblicke in eine andere Behörde. Eine wirklich interessante Erfahrung!

Danach wurde ich in einer wohnortnahen Kreisstelle eingesetzt. Dort half ich bei der Bearbeitung der Subventionsanträge der Landwirte. Ich durfte eigenständig arbeiten und hatte schon bald das Vertrauen der Kollegen. Zudem bekam ich Einblicke in das Düngerecht, das Bauen im Außenbereich und wurde über das Grundstücksverkehrsgesetz informiert. Ich durfte auch an Außenterminen teilnehmen, so fuhr ich einmal bei der Begehung und Abnahme einer Biogasanlage mit.

Momentan absolviere ich das vierte Praktikum im Fachbereich 11 – Personal, Organisation – und habe auch hier schon vielseitige Aufgaben übernehmen dürfen. Zum Beispiel erstelle ich neue Arbeitsverträge oder ändere bestehende Verträge. Auch an Vorstellungsgesprächen durfte ich schon teilnehmen.

Alles in allem kann ich sagen, dass das Studium wirklich anstrengend und fordernd ist. Aber durch die vielfältigen Aufgabengebiete, die sich bei der Landwirtschaftskammer NRW ergeben, bekommt man tiefe Einblicke in die öffentliche Verwaltung. Für mich waren das Studium und die Ausbildung bei der Landwirtschaftskammer NRW auf jeden Fall die richtige Entscheidung und ich würde jederzeit wieder die gleiche Entscheidung treffen. Auch meine Kolleginnen und Kollegen, die das Studium direkt nach dem Abitur begonnen haben, sind sehr zufrieden, da sie neben dem Studium auch schnell Praxiserfahrung sammeln können.

Jasmin Dieckmann, Einstellungsjahrgang 2012