Nitratdienst Juli 2020

Maisblüte im JuliBild vergrößern
Die Kultur Mais befindet sich momentan in der Blühphase. Jetzt steigt der Wasser- und Stickstoffbedarf noch einmal deutlich an.

Regional wieder mehr Feuchtigkeit

Der Nitratdienst berichtet über die Entwicklung des mineralischen Bodenstickstoffs unter den Referenzflächen im Zeitraum von Mitte Juni bis Mitte Juli. Die Witterung innerhalb dieses Zeitfensters war bestimmt durch unbeständiges und wechselhafte Ereignisse. Zu Beginn gab es bis auf den Niederrhein landesweit auf einige Tage verteilt größeren Niederschlagsmengen. Danach blieb es bis zum Monatswechsel weitestgehend trocken. In diesem Abschnitt stiegen die Temperaturen kontinuierlich bis auf hochsommerliche 30 Grad Celsius an. Mit dem letzten Juniwochenende wurde es dann zunehmend wechselhafter mit einem Mix aus kurzen sonnigen Phasen und immer wieder kleineren Niederschlagsereignissen. Die Tagestemperaturen lagen in der ersten Julihälfte zwischen 20 und 25 Grad. Die Nachttemperaturen bewegten sich im unteren zweistelligen Bereich. Ganz am Ende zwischen dem 11. und 13. Juli stellte sich ein kleines Hochdruckgebiet ein, wobei es mit nur ungefähr sieben und acht Grad nachts empfindlich kühl wurde. Der Juli war damit im Gegensatz zum Juni bislang alles andere als hochsommerlich. Insgesamt blieb größerer Landregen aus. Der Niederschlag kam immer wieder regional in kleineren Episoden. Im Durchschnitt der Wetterstationen in NRW fielen innerhalb des vierwöchigen Zeitraums circa hundert Millimeter Niederschlag, was deutlich über dem langjährigen Durchschnitt für diesen Zeitraum lag. Im Münsterland und Ostwestfalen gab es z.T. mit 140 Millimetern in der Summe sehr viel Wasser, während es im südlichen Rheinland und v.a. am Niederrhein meist nur die Hälfte davon gab. Aus diesem Grund konnten gerade in letztgenannten Regionen teilweise entweder keine Nmin-Proben gezogen werden oder lediglich aus den oberen Schichten.

Wasser hilft Sommerungen Stickstoff aufzunehmen

Die Niederschlagsummen in Westfalen entspannten die Situation für die Sommerungen deutlich. Insbesondere der Mais, der sich zuletzt an vielen Orten in der Blüte befand, hat das Wasser nun sehr nötig. Da die Niederschläge größtenteils zu Beginn des Beobachtungszeitraums fielen, erreicht der obere Boden v.a. auf den leichten Standorten im Münsterland allerdings zuletzt wieder kritische Werte bezüglich der nutzbaren Feldkapazität. Ein großes Defizit an Wasser fehlt nach wie vor am Niederrhein, was dort insbesondere die Futterbaubetriebe spüren. Viele Marktfruchtbetriebe bewässern dort ihre Flächen, wo möglich. Auch im südlichen Rheinland gibt es immer noch kritische Standorte. Auf den temporär durchfeuchteten Böden waren die Bedingungen für die Neubildung von mineralischem Stickstoff aus der organischen Substanz (Mineralisation) sehr günstig. Das betrifft v.a. die kontinuierlich organisch versorgten Standorte. Dieser neugebildete Stickstoff wird von den Sommerungen Kartoffeln, Zuckerrübe und Mais mit dem verfügbaren Wasser dankbar aufgenommen. Blattfrüchte sind in Trockenjahren auf eine gute Versorgung mit Kali angewiesen, welcher den Trockenstress abmildert, sodass die Pflanzen weiter voll aktiv sein und weiterhin Nährstoffe für das vegetative und generative Wachstum aufnehmen können. Die Kultur Mais hat ab der Blühphase noch einmal einen größeren zweistelligen Bedarf des Hauptnährstoffs Stickstoff. Die Trockenheit zu Beginn der Vegetationsperiode der Sommerungen veranlasste die Pflanzen in die Tiefe zu wurzeln, wovon sie nun profitieren und den Stickstoff aus vielen Schichten aufnehmen können. Auf den leichten Böden im Münsterland oder OWL konnte bei den z.T. sehr hohen Niederschlagsmengen einiges an mobilen Nitratstickstoff verlagert oder gar ausgewaschen werden.

An vielen Standorten wurden die trockenen Abschnitte ab Ende Juni genutzt, die reife Wintergerste, Winterroggen und erste Winterweizenflächen zu ernten. Die Trockenheit hat die Getreidebestände meist zu einer frühen Abreife gebracht. Unmittelbar nach der Ernte wurde dann auch oft ein flacher Stoppelsturz durchgeführt, um die Erntereste mit dem Mineralboden zu mischen und die Zersetzung zu fördern. Dabei sollten die Stoppeln und das Stroh nicht zu lang sein und auf eine gute Durchmischung geachtet und im ersten Schritt nur eine flache Einarbeitung erfolgen. Wird das Stroh eingearbeitet, wird durch das weite Kohlenstoff-Stickstoff (CN-Verhältnis) erst einmal verfügbarer Stickstoff durch die zersetzenden Mikroorganismen benötigt und damit gebunden. Auf der Fläche in Bocholt wurde nach der Ernte des Winterroggens Sommer-Triticale als zweite Hauptkultur nachgesät und in Höhe des N-Düngebedarfs mit Gülle gedüngt.

Mineralisation, Aufnahme und teilweise Verlagerung von mineralischem Stickstoff

Unter den Referenzflächen sind Getreideflächen dabei, die geerntet, jedoch noch nicht umgebrochen wurden. Größere Unterschiede bei der Nmin-Dynamik sind gegenüber dem Vormonat hier deshalb noch nicht auszumachen. Mit Rest-Nmin-Werten von meist um die 20 kg/ha nach der Ernte wie z.B. unter den geernteten Wintergerstenflächen in Geseke, Linden-Neussen oder Gescher liegen eher niedrige Werte vor und die Ausnutzung des Stickstoffangebotes war dementsprechend gut. Die beiden untersten Bodenschichten sind dabei meist entleert. Unter den noch nicht geernteten Getreideflächen konnten sehr unterschiedlich gemessene Werte gemessen werden. Die Aussagekraft ist trotz der hohen Anzahl an Proben, die aufgrund der trockenen Böden nur in den oberen Schichttiefe(n) entnommen werden konnten, gegeben. Anhand der Proben, welche von 0 bis 90 cm gezogen wurden lässt sich ableiten, dass im Unterboden nahezu kein mineralischer Stickstoff mehr vorhanden ist. Unter der Wintergerstenfläche in Delbrück-Westenholz, der Wintertriticale-Fläche in Salzkotten sowie den beiden mit Winterweizen bestellten Flächen in Brakel und Rüthen-Menzel ließen sich bei der letzten Probe sogar in der Summe dreistellige Nmin-Werte messen, die fast mehr oder weniger auf die beiden oberen Bodenschichten verteilt vorliegen. Auf diesen Standorten muss die Mineralisation zuletzt deutlich befördert worden sein, weil sich bis auf den Standort Rüthen-Menzel im Vormonat deutlich geringere Werte messen ließen. In Delbrück-Westenholz ist der gemessene Ammonium-N-Gehalt ein Indikator für genau diesen Prozess.

Unter den meisten Flächen mit Sommerungen zeigt sich ein deutlicher Rückgang der Nmin-Werte gegenüber Mitte Juni, was weitestgehend auf die guten Wachstumsbedingungen und Aufnahme von Stickstoff zurückzuführen ist. Auf den drei mit Mais bestellten Sandböden in Versmold, Hövelhof-Riege und Rheda-Wiedenbrück beispielsweise lassen sich jedoch größere Mengen an Nmin in der untersten Bodenschicht (60 bis 90 cm) feststellen, die durch eine Verlagerung an Nitratstickstoff aufgrund von größeren Sickerwassermengen zustande kommen. Anteile davon wird der Mais aber mit seinem Wurzelwerk noch aufnehmen können. Auf den beiden Maisflächen am Standort Haus Düsse sowie in Kalkar hat der Bewirtschafter den N-Düngebedarf geteilt und es wurde hier im Juni noch in die stehenden Bestände Gülle, bzw. Gärreste appliziert.

Autor: Samira Bauerfeind, Holger Fechner