Maßnahmenblatt: Schaffung von Rohbodenflächen

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Rohboden am Feldrand

Bereiche Acker, Grünland, Strukturelemente, Hofstelle

Was beinhaltet die Maßnahme und welche ökologischen Vorteile bietet sie?

Rohbodenflächen sind vegetationsfreie oder vegetationsarme Bereiche, die je nach Bodenbeschaffenheit und vertikaler Ausrichtung unterschiedlich ausgeprägt sein können. Sie umfassen ebene, mehr oder weniger geneigte Flächen ebenso wie vertikale Strukturen und können auf landwirtschaftlichen Nutzflächen, auf angrenzenden Strukturen wie Rainen, Böschungen, Wegen – hier z. B. als Furchen oder Fahrspuren – vorkommen.

Sie dienen einerseits insbesondere bestimmten Pionierpflanzen als Lebensraum, bieten gleichzeitig aber auch zahlreichen Tierarten (Insekten!) sowohl Nistmöglichkeiten als auch Überwinterungsquartiere. Über zwei Drittel der mitteleuropäischen Wildbienenarten, zu denen auch die Hummeln gehören, nisten im Boden und ihre Entwicklungsstadien überwintern hier. Für viele andere Insekten des Offenlandes (Wegameisen, bestimmte Heuschrecken, Käfer- und Schmetterlingslarven) stellen Rohbodenflächen ebenfalls wichtige Siedlungs- und Überwinterungsräume dar. Sie sind dann besonders wertvoll, wenn sie mehrjährig bestehen und sich in ihrer Nähe blühende Strukturen befinden, sodass Nahrungs- und Nisthabitate miteinander kombiniert werden. Auch für bestimmte Amphibienarten (z.B. Gelbbauchunke, Knoblauchkröte) sind Rohbodenflächen als Rückzugsräume oder Laichhabitate - in Form temporär wasserbespannter Bodenmulden - wichtige Lebensräume.


Hinweise zu Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten

Für die Anlage bzw. den Erhalt von Rohbodenflächen ist derzeit keine spezielle Förderung vorgesehen. Aufgrund ihrer einfachen Durchführbarkeit und ihres geringen Flächenbedarfs stellt sie eine sogenannte „niederschwellige“ Maßnahme ohne Förderung dar.


Hinweise zur Umsetzung

Für die Neuanlage von Rohbodenflächen bieten sich in erster Linie Teilbereiche von sogenannten Eh da-Flächen an - sowohl auf oder an landwirtschaftlichen Nutzflächen, Landschaftselementen und Wegen sowie auch im Bereich der Hofstelle selbst. Zur Herstellung zu empfehlen ist die maschinelle Bearbeitung beispielsweise mit Grubber oder Fräse, außerdem die Anlage in räumlicher Nähe zu Blühstreifen oder blütenreichen Strukturen, um mit einem gleichzeitigen Angebot von Nist- als auch Nahrungshabitaten Insekten in besonderer Weise zu fördern. Je nach Aufwuchs sollten die Rohbodenflächen zwei bis drei Jahre liegengelassen und dann benachbart neue Flächen anlegt werden, sodass unterschiedliche Aufwuchsstadien gleichzeitig vorhanden sind.

Von der Größe her reichen oft schon wenige Quadratmeter bzw. Streifen von einem halben Meter Breite, bei vertikalen Strukturen genügen Höhen von wenigen Zentimeter, um Wildbienen Nistmöglichkeiten zu bieten.

Auf vorhandenen Rohbodenflächen ist ein Zuwachsen zu verhindern. Rohbodenflächen müssen vor Verbuschung und zunehmender Beschattung geschützt werden. Eingriffe sollten stets behutsam erfolgen, um eventuell vorhandene Bienennester nicht zu zerstören.

Weiterführende Informationen:

Infoblatt „Konzept der Eh da-Flächen“ unter
www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/naturschutz/biodiversitaet/ehda

Wildbienen-Nitsplätze
www.wildbienen.de/wbi-nis0.htm

Website des Konzeptes der „Eh da-Flächen“
www.eh-da-flaechen.de


Ansprechpartner

Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
Standortentwicklung, Ländlicher Raum
Gartenstraße 11
50765 Köln
Telefon: 0221 5340-335
Telefax: 0221 5340-196335
E-Mail: biodiversitaet@lwk.nrw.de

Stiftung Rheinische Kulturlandschaft
www.rheinische-kulturlandschaft.de

Stiftung Westfälische Kulturlandschaft
www.stiftung-westfaelische-kulturlandschaft.de


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