Infoblatt: Mehr Lebensräume durch weniger Wegräumen

Überständige VegeationBild vergrößern
Überständige Vegetation als wertvoller Rückzugsraum für verschiedene Tierarten. Foto: Dr. Armin Hentschel


Schmetterlingsraupe an einer BrennnesselBild vergrößern
Schmetterlingsraupe auf Brennnessel. Foto: ariesa66, pixabay.de


SeidenschwanzBild vergrößern
Winterfrüchte als Vogelnahrung. Foto: pixabay.de


Igel im HerbstlaubBild vergrößern
Herbstlaub dient Igeln als Überwinterungshilfe. Foto: monicore, pixabay.de


Haben Sie einmal darüber nachgedacht, wo und wie beispielsweise Schmetterlinge, Wildbienen, Schwebfliegen und andere Insekten überwintern? Oft sind es die „unordentlichen“ Stellen und Flächen, die gerade im Winter als Rückzugsräume dienen. Indem Sie etwas mehr „Wildnis“ oder etwas weniger Ordnung insbesondere auf unbewirtschafteten Flächen zulassen und diese der Natur überlassen, schaffen Sie Lebensräume und Überwinterungsbiotope und tragen so zum Schutz der ökologischen Vielfalt bei – und das mit geringstem Aufwand.

Wie wirken „der Natur überlassene“ Bereiche?

Ziel dieser weniger aufgeräumten, der Natur überlassenen Bereiche ist es, Strukturen zu schaffen, die für unterschiedliche Tier- (und Pflanzenarten) Lebensräume darstellen und damit einen unmittelbaren Beitrag zur Förderung der Biodiversität zu leisten. In erster Linie werden Deckungs- und Rückzugsräume geschaffen, die vielen Arten als Überwinterungsmöglichkeit dienen. Einige Arten – speziell deren Überwinterungsstadien – sind in ihrem Entwicklungszyklus zwingend auf geeignete Überwinterungsmöglichkeiten angewiesen. Hierzu zählen viele Insekten, darunter die im Puppenstadium überwinternden Schmetterlinge. Auch für viele Kleinsäuger und das Niederwild sind im Winter Deckungs- und Rückzugsräume für das Überleben wichtig. Gleichzeitig erhöht sich das Nahrungsangebot für Vögel und andere Tierarten, welches gerade während der kalten Jahreszeit in einer aufgeräumten Umgebung ohne verblühte Blütenstände so nicht gegeben ist. Selbstverständlich bieten der Natur überlassene Bereiche aber auch zu anderen Jahreszeiten wertvolle Strukturen, die als Futterquelle, Nistmöglichkeit oder Rückzugsraum vielfältige Lebensräume darstellen.

Wo bestehen Möglichkeiten für „der Natur überlassene“ Bereiche?

Einen Schwerpunkt stellen überjährige Vegetationsstrukturen dar, die in unterschiedlicher Weise auf landwirtschaftlichen Nutzflächen aber auch im Bereich der Hofstelle belassen werden können. So können auf Ackerflächen das Stehenlassen von Kulturen in Randbereichen oder Zwickeln dazu beitragen, dass sich ideale Habitatstrukturen für eine Vielzahl von Insekten, Vögeln und Kleinsäugern entwickeln. Das Gleiche gilt auf Grünland für überjährige Streifen und Teilflächen. Auch das Nicht-Mähen von Säumen und Randbereichen wie z. B. Böschungen oder Rainen leistet hier einen wichtigen Beitrag. Über den Winter verbleibende Fruchtstände von Gehölzen oder Stauden sind für zahlreiche der bei uns überwinternden Vogelarten als Nahrungsquelle von besonderer Bedeutung.

Eine weitere Möglichkeit bildet die Verwendung von angefallenem Material aus Gehölzschnitten oder beispielsweise von Lesesteinen und anderen Materialien. Zu Ast-, Totholz- oder Steinhaufen geschichtet oder einfach nur „liegengelassen“ – wirken sie als Mikro-Strukturelemente und schaffen ebenfalls wertvolle Lebensräume für unterschiedliche Arten – erwähnt seien hier nur Eidechsen und Amphibien.

In Randbereichen von Äckern, Wiesen oder Weiden oder auch auf der Hofstelle, im Hausgarten aufgewachsene und nicht störende Bestände von Un- bzw. Wildkräutern sollten nach Möglichkeit nicht beseitigt werden. Gerade die oft bekämpften Brennnesseln sind hier als obligatorische Futterpflanzen für die Entwicklung einiger Tagfalterarten essentiell.

Ähnlich verhält es sich mit dem im Herbst fallenden Laub, das auf geeigneten Flächen belassen werden sollte, da es für viele Tiere – unter anderen Igel, Amphibien, Insekten - einen besonderen Schutz als Überwinterungshilfe bietet. Außerdem fördert es die Regenwurmpopulation und trägt zur Humusbildung und Bodenverbesserung bei.

Neben den genannten gibt es viele weitere Möglichkeiten, durch Unterlassen oder „Weniger-Aufräumen“ einen biodiversitätsfördernden Mehrwert zu schaffen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, sich die Bedeutung dieser weniger aufgeräumten Bereiche für den Naturhaushalt immer wieder erneut vor Augen zu führen, da hier mit einfachsten Mitteln ein effektiver Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt geleistet werden kann.

Wo gibt es weiterführende Informationen?

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Gartenstraße 11
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Telefax: 0221 5340-196335
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