Einstieg in die Ziegenhaltung - was ist zu beachten?

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Die Haltung von Ziegen unterliegt keiner speziellen Haltungsverordnung, es gibt aber Haltungsempfehlungen für Schafe und Ziegen von der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft

Die Haltung von Schafen und Ziegen im Nebenerwerb oder auch nur als Hobby erfreut sich großer Beliebtheit. In Nordrhein-Westfalen ist die Anzahl der Schafe und Ziegen in den letzten Jahren stetig gestiegen. NRW hat sich in den letzten 10 Jahren nach Bayern und Baden-Württemberg zu einem weiteren Hotspot für die Ziegenmilchproduktion entwickelt. In Haus Riswick finden regelmäßig dreitägige Sachkundelehrgänge für Ziegenhalter statt. Tipps für den Einstieg in die Ziegenhaltung geben Christina Burau, Referentin für kleine Wiederkäuer, und Wiebke Mohrmann, Beraterin für Schafe und Ziegen.

Die Haltung von Ziegen, sei es gewerblich oder als Hobby, muss immer dem zuständigen Veterinäramt gemeldet werden. Der Tierhalter erhält dann eine Registriernummer für seine Tierhaltung. Diese Nummer ist wichtig, da darüber Tiermeldungen, Ohrmarkenbestellungen und vieles mehr abgewickelt werden. Einfach Ziegen im Garten zu halten, ohne dies dem Veterinäramt zu melden, ist nicht erlaubt.

Wenn die Tierhaltung angemeldet ist, sind zwei Daten im Jahresablauf wichtig: Dies ist einmal die Stichtagsmeldung zum 01.01. eines jeden Jahres bei der Tierseuchenkasse und die Meldung bei der HIT Datenbank (Herkunftssicherungs- und Informationssysteme für Tiere). Bei der Tierseuchenkasse melden alle Tierhalter, auch Hobbyhalter, die Anzahl ihrer Ziegen zu diesem Stichtag. Es werden keine Einzeltiere abgefragt, sondern nur die Anzahl der Tiere. Diese Meldung muss jedes Jahr an die Tierseuchenkasse gemacht werden und führt dazu, dass in einem Seuchenfall der Tierhalter eine Entschädigung für verendete und getötete Tiere erhält. Seit 2018 sind Schafe und Ziegen in NRW bei der Tierseuchenkasse beitragsfrei, müssen aber trotzdem gemeldet werden. Zusätzlich müssen zum 01.01. die Tierzahlen der HIT Datenbank gemeldet werden. Dies ist die zentrale Tierdatenbank in Deutschland. Beide Meldungen können schriftlich oder online durchgeführt werden. Weitere Informationen dazu erhalten Tierhalter von Ihrem zuständigen Veterinäramt, der Tierseuchenkasse oder der Landwirtschaftskammer NRW.

Kennzeichnungspflichten beachten

Ein weiterer wichtiger Punkt für die Neueinsteiger ist die Viehverkehrsordnung (VVO). Ziegen und Schafe gelten, auch wenn sie als Hobbytiere gehalten werden, als lebensmittelliefernde Tiere und fallen unter die Kennzeichnungspflicht. Dabei gibt es bei Schafen und Ziegen zwei Möglichkeiten. Es gibt zum einen weiße Betriebsohrmarken, auf denen nur die Betriebsnummer des Betriebes gedruckt ist, und gelbe Individualohrmarken mit einem elektronischen Transponder. Generell können Ziegenlämmer bis zu einem Alter von neun Monaten ohne eine Kennzeichnung nach VVO im Geburtsbetrieb gehalten werden.

Danach gibt es zwei Varianten. Die Tiere können eine weiße Betriebsohrmarke erhalten, wenn Sie bis zum 12 Lebensmonat noch geschlachtet werden. Für den Wechsel vom Geburtsbetrieb zum Schlachtbetrieb ist eine Betriebsohrmarke ausreichend. Diese Ohrmarke muss auch eingezogen werden, wenn die Tiere vor dem 9. Lebensmonat den Betrieb zur Schlachtung verlassen. Sollen die Tiere zur Zucht genutzt werden oder als Zuchttier in andere Betriebe verkauft werden, müssen die Tiere mit der gelben Ohrmarke gekennzeichnet werden.

Spätestens jedoch nach dem 12. Lebensmonat müssen Ziegen eine gelbe Individualohrmarke tragen. Davon müssen die Tiere zwei Kennzeichnungen tragen, wovon eine eine elektronische Kennzeichnung sein muss. Dies kann ein elektronischer Transponder in der Ohrmarke sein oder es kann auch ein Pansenbolus gegeben werden. Der Bolus kann jedoch erst bei Lämmern ab einem Gewicht von 35 kg Lebendmasse eingesetzt werden. Vorher ist der Pansen noch nicht vollständig entwickelt. Trotzdem muss noch eine visuelle Ohrmarke am Tier sein. Die Ohrmarken werden beim zuständigen Landeskontrollverband unter Angabe der Registriernummer bestellt.

Bestandsregister führen

Im Zusammenhang mit der VVO müssen auch alle Tierhalter ein Bestandsregister und ein Bestandsbuch über den Medikamenteneinsatz führen. Das Bestandsregister besteht aus vier Teilen und ist vom Tierhalter regelmäßig und zeitnah zu führen.

Im ersten Teil werden die allgemeinen Betriebsangaben und Tierhalterdaten erfasst.

Der zweite Teil befasst sich mit Zu- und Abgängen aus dem Betrieb. Dieser Teil kann durch die Abheftung von den Transportbegleitpapieren dokumentiert werden. Für jeden Transport von Zu- und Abgängen muss der Tierhalter Begleitpapiere ausfüllen und diese auf dem Transport des jeweiligen Tieres auch dabeihaben. Vordrucke für die Begleitpapiere gibt es oft bei den Veterinärämtern.

Im dritten Teil des Bestandsregisters werden die im Betrieb geborenen und/oder verendeten Tiere aufgeführt. Sind die Tiere mit einer Individualohrmarke gekennzeichnet, müssen diese auch einzeln aufgeführt werden. Liegt keine individuelle Kennzeichnung vor, können die Tiere auch Gruppenweise erfasst werden. Hier ist darauf zu achten, dass das Bestandsregister zeitnah geführt werden muss und regelmäßig Zu- und Abgänge registriert werden.

Der letzte Teil des Bestandsregisters ist für eine mögliche Überprüfung des Veterinäramtes vorgesehen. Das Veterinäramt kann die Tierhaltung und das Bestandsregister kontrollieren. Nicht korrekt gekennzeichnete Ziegen stellen eine Ordnungswidrigkeit dar und können bei prämienberechtigten Landwirten zu einer Kürzung der Flächenprämie führen.

Dazu kommt noch das Bestandsbuch. In diesem werden alle Behandlungen und Medikamenteneinsätze im Betrieb dokumentiert. Gibt der Tierarzt den Tieren Medikamente und lässt auch dem Tierhalter noch Medikamente zur Weiterbehandlung da, stellt er dem Tierhalter einen Abgabe- und Anwendungsbeleg für die Behandlung aus. Auf diesem Beleg ist das jeweilige Medikament aufgelistet, wie es angewendet wird und welche Tiere behandelt wurden. Dieser Beleg muss im Bestandsbuch abgeheftet und fünf Jahre aufbewahrt werden. Gerade im Hinblick auf die Rückverfolgbarkeit von sicheren Lebensmitteln und dem Einsatz von Antibiotika sollten Tierhalter das Bestandsbuch sehr gewissenhaft führen und darauf achten, dass alle verwendeten Arzneimittel korrekt dokumentiert werden.

Als weitere Dokumentationspflicht müssen Ziegenhalter zugekaufte Tiere innerhalb von sieben Tagen bei der HIT-Datenbank melden. Dazu wird die Registriernummer des abgebenden Betriebes angegeben und die Anzahl der übernommenen Ziegen. Eine Angabe der Individualohrmarkennummer ist nicht notwendig genauso werden im Betrieb geborenen Lämmer nicht gemeldet.

Tierschutz einhalten

Zusätzlich zu diesen Dokumentationspflichten haben sich Ziegenhalter, wie alle anderen Tierhalter, an das Tierschutzgesetzt zu halten. Zum einen darf keinem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden und Schäden zu gefügt werden und zum anderen müssen die Tierhalter Kenntnisse und Fähigkeiten zur artgemäßen Haltung, Pflege und Betreuung der Ziegen nachweisen. Dies kann zum einen eine Ausbildung im Bereich Landwirtschaft oder Tierhaltung sein, langjährige Erfahrungen in der Ziegenhaltung oder der Tierhalter hat einen Sachkundelehrgang mit Prüfung abgelegt. Solche Sachkundelehrgänge werden in Nordrhein-Westfalen von der Landwirtschaftskammer im Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Riswick angeboten.

Die Haltung von Ziegen unterliegt keiner speziellen Haltungsverordnung. Dafür gibt es von der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft Haltungsempfehlungen für Schafe und Ziegen. An diesen Empfehlungen orientieren sich viele Veterinärämter und auch Fördermaßnahmen für tiergerechte Ställe legen diese zugrunde. Für tiergerechte Neubauten können bis zu 35 % Fördermittel beantragt werden. Generell gilt für die Ziegenhaltung Stress für die Tiere zu vermeiden. Ziegen sind sehr stressanfällig und werden durch Unruhe im Stall schneller krank und sind untereinander aggressiver. Zur Vermeidung von Unruhe und Kämpfen um das Futter können 10 % mehr Fressplätze eingeplant werden, als Tiere gehalten werden. So wird Stress vermieden und rangniedrige Ziegen werden nicht immer beim Fressen gestört.

Charakter der Tiere kennen

Die Ziege an sich ist sehr neugierig, erkundet gerne ihre Umgebung und ist an Neuem interessiert. Von daher sollten Ziegen im Stall Beschäftigungsmaterial haben. Dies können zum einen Klettermöglichkeiten sein, Bürsten zur Fellpflege und auch täglich frisches Stroh zur Einstreu stellen eine gute Beschäftigungsmöglichkeit dar. Ebenso wichtig sind erhöhte Liegemöglichkeiten. Dies können an der Stallwand befestigte Regale von 1 m breite sein, auf denen sich die Ziegen zurückziehen und in Ruhe liegen können. Ziegen leben in sehr engen Familienverbünden und bei Neuzugängen kann es zu verbitterten Rangkämpfen kommen. Ziegen haben auch sehr großen Futterneid und da bietet es sich an, Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen, damit Tiere sich aus dem Weg gehen können. Bei der Gestaltung des Futtertisches hat sich der Einsatz von Kaskaden als sehr positiv gezeigt. Durch die Kaskaden an jedem Fressplatz sehen die Tiere sich nicht und Futterneid sowie Stress beim Fressen wird vermieden.

Viele Milchziegenhalter behandeln Ihre Ziegen im Melkstand. Sei es für die Klauenpflege oder Parasitenbehandlungen, etc. Allerdings verursachen solche Behandlungen bei den Tieren immer Stress und die Tiere assoziieren diese negativen Erfahrungen immer mit dem Melkstand. Dieser soll jedoch für die Tiere ein ruhiger und entspannter Ort sein. Nur entspannte Tiere lassen sich gut melken und zeigen eine gute Milchleistung. Deswegen sollten Ziegenhalter über einen Behandlungsgang nachdenken und bei der Neuplanung auf jeden Fall eine Möglichkeit außerhalb des Melkstandes einplanen.

Ausreichend Platz einplanen

Ein weiterer wichtiger Punkt in der Haltung von Ziegen sind horntragende und hornlose Ziegen. Soweit möglich, sollten diese Tiere nicht zusammengehalten werden oder über ausreichend Platz und Ausweichmöglichkeiten verfügen. Die hornlosen Ziegen sind den horntragenden Tieren immer unterlegen und Rangkämpfe gehen dann zu Gunsten der horntragenden Ziege aus. Bei Rangkämpfen können schnell Euterverletzungen entstehen, die meist dazu führen, dass die Tiere gemerzt werden müssen, da keine Milchproduktion im Euter mehr möglich ist.

Die Enthornung von Ziegen ist prinzipiell möglich, stellt aber einen gefährlichen Eingriff dar, da die Hornzapfen mit der Stirnhöhle verbunden sind und durch das Entfernen der Zapfen die Stirnhöhle geöffnet wird. Dadurch können Komplikationen wie z. B. Gehirnentzündungen und Stummelbildung schnell entstehen. Bei älteren Tieren ist eine Entfernung nur durch den Tierarzt mit einer Betäubung des Tieres notwendig. Mittlerweile gibt es auch genetisch hornlose Ziegenrassen. Hier muss man jedoch aufpassen, dass die Verpaarung von zwei reinerbig hornlosen Tieren oft Zwitter erzeugt werden bei den Nachkommen. Bei Ziegen wirkt sich das Merkmal Hornlosigkeit negativ auf die Fruchtbarkeit aus. Deswegen sollten reinerbig hornlose Tiere immer mit horntragenden Tieren verpaart werden.


Schaf- und Ziegenberatung

Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen bietet für Schaf- und Ziegenhalter ein umfassendes Beratungs- und Dienstleistungsangebot an. Darunter fallen Beratung zum Herdenmanagement, Stallbau- und Betriebsneugründungen sowie Fragen zum Herdenschutz und zur Zucht. Ebenso werden interessierte Schaf- und Ziegenhalter zu den Themen Landschaftspflege und Pflegeaufträge beraten. Als Dienstleistung können die Tierhalter von den Beratern das Bestandsregister führen lassen, Wirtschaftlichkeits- und auch Nährstoffberechnungen anfertigen lassen.

Zusätzlich stehen noch die Schaf- und Ziegenzuchtverbände sowie das Versuchs- und Bildungszentrum Haus Riswick als Ansprechpartner zur Verfügung.

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