Schafe und Ziegen vor Wölfen schützen

Elektronetzzaun für SchafeBild vergrößern
Grundsätzlich müssen alle mobilen Zäune auf der gesamten Zaunlänge eine Mindesthöhe von 90 cm aufweisen.


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1,20 m hoher Festzaun aus Knotengeflecht mit davorgelegtem Knotengeflecht als Untergrabeschutz


Festzaun mit UntergrabeschutzBild vergrößern
Untergrabeschutz bei einem Festzaun: Das davorgelegte Knotengeflecht und die davorgesetzte stromführende Litze mit maximal 20 cm Abstand vom Boden und 10 bis 20 cm Abstand vom Zaun.


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Erweiterung des Herdenschutzes: Eine um 45 Grad abgewinkelte, zusätzliche Breitbandlitze, oben am Zaun angebracht


Schaf- und Ziegenhalter, deren Weideflächen in den ausgewiesenen Wolfsgebieten und Pufferzonen liegen, können sich Präventionsmaßnahmen zur Vermeidung von Wolfsübergriffen fördern lassen. Die Einzelheiten erläutern Moritz Specht und Fides Marie Lenz.

Alle hier vorgestellten Maßnahmen entsprechen in ihrer Mindesthöhe dem geforderten Grundschutz, eine Erweiterung des Schutzes ist im Rahmen der Förderung ausdrücklich erwünscht. Die Maßnahmen werden in vier verschiedene Bereiche aufgeteilt:

  • die Förderung von neuen mobilen Zäunen
  • die Förderung von neuen stationären Zäunen
  • das Aufrüsten von bestehenden Zäunen
  • die Förderung von Herdenschutzhunden.

Allgemeine Hinweise

Stromführende mobile sowie stationäre Zäune müssen auf der gesamten Zaunlänge eine Mindeststromspannung von 2 500 Volt aufweisen und es muss mindesten 2 Joule Entladeenergie anliegen. Um einen Stromkreislauf bei Berührung sicherzustellen, muss eine funktionierende Erdung angebracht sein. Dafür sollten mehrere Erdungsstäbe, verbunden mit isoliertem Erdanschlusskabel, verwendet werden. Alle 50 m muss mit Hinweisschildern auf die Elektrifizierung des Zaunes hingewiesen werden. Alle Zäune müssen einen Mindestabstand von 4 m zu potenziellen Einsprunghilfen einhalten oder diese mit einzäunen sonst erfüllen sie nicht den geforderten Schutz.

Mobile Elektrozäune

Die erste Maßnahme ist die Förderung eines mobilen Elektrozaunes. Grundsätzlich müssen alle mobilen Zäune auf der gesamten Zaunlänge eine Mindesthöhe von 90 cm aufweisen. Bei allen mobilen Zauntypen kann die Mindestzaunhöhe nur dann gewährleistet werden, wenn die Zaunecken gespannt und die vorhandenen Bodenunebenheiten mit zusätzlichen Kunststoffpfählen ausgeglichen werden. Bei Elektronetzen muss die unterste Litze auf der gesamten Zaunlänge auf Bodenniveau verlaufen. Mobile Litzenzäune müssen aus mindesten fünf stromführenden Litzen bestehen, wobei die unterste Litze nicht mehr als 20 cm über Bodenniveau liegen darf. Dadurch wird verhindert, dass der Wolf den Litzenzaun unterkriechen oder untergraben kann. Die Eckpfähle bei Litzenzäunen müssen aus geeigneten Stahlpfählen bestehen, die im Boden eingeschlagen sind.

Stationäre Zäune

Die zweite Maßnahme ist die Förderung von neuen stationären Zäunen. Für die stationären Zäune gilt eine Mindestzaunhöhe von 120 cm auf der gesamten Zaunlänge. Förderfähig sind stromführende Litzen- oder nicht elektrifizierte Knotengeflechtzäune mit Untergrabeschutz. Baustahlmatten, Stabgitter- oder Lattenzäune sowie Zaunpfähle aus Plastik oder teeröl-imprägniertem Holz sind nicht förderfähig. Beim Litzenzaun darf die unterste Litze nicht mehr als 20 cm über Bodenniveau liegen und es müssen mindestens fünf stromführende Litzen verwendet werden. Die unterste Litze muss regelmäßig von übermäßigem Bewuchs befreit werden.

Bei einem Knotengeflechtzaun ist ein zusätzlicher Untergrabeschutz anzubringen, denn es ist davon auszugehen, dass die meisten Wölfe versuchen, einen Festzaun eher zu untergraben oder zu unterkriechen, als zu überklettern. Um das zu verhindern gibt es drei Möglichkeiten:

  • Eine stromführende Litze wird mit Langstiel-Isolatoren von außen maximal 20 cm über Bodenniveau angebracht.
  • Von außen vor dem Zaun wird ein 50 cm breites Drahtgeflecht oder eine Drahtmatte auf dem Boden ausgelegt, mit dem Zaun verbunden und durch Erdanker befestigt. Beim Neubau kann das verwendete ausreichend hohe Knotengeflecht nach außen umgeklappt und mit Erdankern befestigt werden. Bei einer Zaunhöhe von 120 cm muss also ein 170 cm hohes Knotengeflecht verwendet werden, um die 50 cm vor dem Zaun zu erhalten.
  • Ausreichend hohes Knotengeflecht kann beim Neubau 50 cm tief eingegraben werden, oder es werden Drahtmatten 50 cm eingegraben und mit dem Zaun verbunden. Auf steinigen Standorten reicht es, das Knotengeflecht bis zum anstehenden Grundgestein einzugraben.

Das Land NRW empfiehlt die stromführende Litze als Untergrabeschutz. Dies ist jedoch die Variante, die in der Pflege den höchsten Arbeitsaufwand verursacht, denn die Litze muss frei von Bewuchs gehalten werden. Ansonsten kann keine ausreichende Stromspannung gewährleistet werden. Die nicht elektrifizierten Untergrabeschutz-Varianten bieten einen ähnlichen Schutz wie die stromführende Litze, sind im Aufbau jedoch deutlich aufwändiger. Dafür ist nach dem Bau fast kein Pflegeaufwand mehr nötig. Das von außen vorgelegte Drahtgeflecht ist meistens nach wenigen Jahren so weit in die Grasnarbe eingewachsen, dass man es einfach übermähen kann.

Aufrüstung bestehender Zäune

Die dritte Maßnahme ist die Aufrüstung von bereits bestehenden Zäunen. Bei mobilen Zäunen können bereits bestehende Netze und Litzenzäune mit zusätzlicher Breitbandlitze aufgestockt werden. Auch bei den meisten älteren Knotengeflechtzäunen (stationär, nicht elektrifiziert) lässt sich durch das Aufstocken mit Breitbandlitze die Höhe von 120 cm einfach und unkompliziert erreichen. Bestehende Knotengeflechtzäune müssen ebenfalls mit einem ausreichenden Untergrabeschutz ausgestattet werden. Dieser entspricht dem Schutz, wie er bereits in der zweiten Maßnahme beschrieben wurde. Bei bereits bestehenden Litzenzäunen (stationär, elektrifiziert) muss die unterste Litze auf maximal 20 cm Höhe angebracht werden und es müssen mindesten fünf stromführende Litzen vorhanden sein. Das Aufrüsten von bestehenden Festzäunen ist meistens die einfachste, schnellste und kostengünstigste Variante, um seine Tiere zu schützen.

Herdenschutzhunde einsetzen

Die vierte Maßnahme ist der Schutz der Herde durch den Einsatz von Herdenschutzhunden. Die Anschaffung und oder Ausbildung von geeigneten Herdenschutzhunden wird nur in der Kernzone eines Wolfsgebietes gefördert. Es erfolgt eine Förderung von zwei Herdenschutzhunden ab einer Herdengröße von 100 Tieren, je 100 weiteren Tieren kann ein weiterer Hund gefördert werden. Je (Teil-) Herde müssen mindestens zwei Hunde zusammengehalten werden. Die Herdenschutzhunde dürfen nur innerhalb einer geeigneten Einzäunung eingesetzt werden und die Weiden sind durch eine entsprechende Beschilderung zu kennzeichnen. Grundsätzlich müssen sowohl der Halter als auch andere Personen, die mit den Herdenschutzhunden umgehen, eine Schulung absolvieren. Das Verhalten und die Ausbildung von Herdenschutzhunden unterscheidet sich stark von dem der gewöhnlichen Arbeitshunde. Ohne eine geeignete Vorbildung kann es schnell zu ungewolltem Verhalten der Hunde und damit zu Problemen mit den Schafen oder Ziegen und der sonstigen Umwelt kommen. In Gebieten, in denen Herdenschutzhunde eingesetzt werden, sollten zusätzliche Hinweistafeln angebracht werden, die den Passanten erläutern, wie sie sich verhalten und worauf sie achten müssen. Die meisten Freizeitsuchenden sind nur mangelhaft über den Unterschied eines Hütehundes zu einem Herdenschutzhund informiert.

Noch mehr Möglichkeiten

Zusätzlich zu den einzelnen Maßnahmen wird insbesondere Tierhaltern in den Kernzonen der Wolfsgebiete geraten, auf erweiterte Herdenschutzmaßnahmen zu setzen. Dazu ist auf den elektrifizierten Zaunteilen eine Stromspannung von mindestens 4 000 Volt und eine Entladeenergie von mindestens 3,5 Joule zu empfehlen. Es gibt auch die Möglichkeit, die stromführenden Zäune zu Plus/Minus-Systemen umzurüsten. Dafür werden abwechselnd strom- und erdungsführende Litzen verbaut, sodass der Wolf bei Kontakt die volle Stromspannung zu spüren bekommt. Dieser Stromschlag ist sehr intensiv und wirksam, aber auch schonender, da der Strom nur durch einen kleinen Teil des Körpers und nicht durch den gesamten Körper in den Boden fließt. Dieses System eignet sich besonders für Regionen mit flachgründigen oder harten und trockenen Böden, auf denen ansonsten keine ausreichende Erdung herzustellen ist. Inzwischen gibt es Plus/Minus-Weidezaunnetze in fast allen Größen.

Bei mobilen Zäunen kann als empfohlener Herdenschutz die Höhe auf bis zu 120 cm erweitert werden, entweder durch Neuanschaffungen oder die Aufstockung mit Breitbandlitze. Festzäune können durch eine dreidimensionale Komponente ergänzt werden. Dazu kann eine Breitbandlitze mit Langstiehl-Isolatoren, etwa 45° nach außen geneigt, über einem bestehenden Zaun angebracht werden. Wölfe können dadurch schlechter einschätzen, wie sie über solche Zäune springen und ob sie sicher auf der anderen Seite landen können. Angebrachtes Absperr- oder Flatterband sowie akustische und optische Abwehrmaßnahmen sollen einen guten temporären Schutz bieten, sie eignen sich jedoch nicht als alleiniger Schutz und sollten immer mit geeigneten Zäunen verwendet werden. Generell erweist sich eine Kombination von mehreren Herdenschutzmaßnahmen, vor allem in Problemgebieten, als eine gute Lösung.

Autor: Moritz Specht, Fides Marie Lenz