Hilfe in Wolfsgebieten

Herdenschutzhund und SchafeBild vergrößern
Herdenschutzhunde sind nur innerhalb der Kernzone eines Wolfsgebietes und nicht in den Pufferzonen förderfähig

Im Oktober 2018 wurde das erste Wolfsgebiet in NRW mit der ersten standortstreuen Wölfin ausgewiesen. Inzwischen hat NRW drei Wolfsgebiete mit Pufferzonen und eine separate Pufferzone mit insgesamt rund 2 384 km² Fläche in den Wolfsgebieten und 8 726 km² Fläche in den Pufferzonen – das ist fast ein Drittel der Fläche NRWs. Es wird somit immer wichtiger für die Weidetierhalter, dass sie ausreichende Präventionsmaßnahmen treffen. Über Vorkommen, Förderung und Prävention berichten Moritz Specht und Fides Marie Lenz.

Ein Wolfsgebiet wird nur dann ausgewiesen, wenn es kontinuierliche Nachweise zu einem standorttreuen Wolf oder Wolfsrudel in der Region gibt. Zu den einzelnen Wolfsgebieten gehören das Wolfsterritorium als Kernzone und jeweils eine Pufferzone, die das Kerngebiet umgibt. Die Wolfsgebiete sind förderrechtliche Kulissen und stellen nicht unbedingt das reale Territorium der entsprechenden Wölfe dar. Im Regelfall ist das Territorium kleiner als das ausgewiesene Gebiet, laut Studien der DBBW (Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf) zwischen 100 bis 350 km². In NRW gilt seit Februar 2017 die Förderrichtlinie Wolf. Sie schafft die Grundlage für einen Ausgleich der finanziellen Belastungen, die der Wolf durch Tierverluste und Präventionsmaßnahmen verursacht.

Wolfsgebiete in NRW
Gesamtkarte von Nordrhein-Westfalen mit allen Wolfsgebieten (rote Umrandung) und Pufferzonen (schraffiert), Stand September 2019. Quelle: LANUV NRW

Leistungen über alle Tierarten

Tierhalter in ganz NRW, unabhängig von ausgewiesenen Gebieten, haben über die Förderrichtlinie Wolf die Möglichkeit, alle von Wölfen verursachten Tierverluste und die damit verbundenen Kosten über Billigkeitsleistungen des Landes NRW entschädigt zu bekommen. Dazu gehören der amtliche Marktwert der getöteten Nutz- und Haustiere, anfallende Tierarztkosten für Behandlungen oder Einschläfern der verletzten Tiere, die Tierkörperbeseitigung, Untersuchung der toten Tiere durch das Veterinäruntersuchungsamt und ein Ausgleich der Sachschäden an Zäunen und Schutzvorrichtungen.

Um die Entschädigungsleistung zu erhalten, muss der Halter den Schaden innerhalb von 24 Stunden nach Kenntnisnahme dem LANUV oder einem vom LANUV bestellten Wolfsberater melden. Diese Wolfsberater führen dann vor Ort eine Rissprotokollierung durch. Erfolgt durch das LANUV eine amtliche Feststellung, dass der Wolf eindeutig der Verursacher ist oder mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ausgeschlossen werden kann, hat der Tierhalter die Möglichkeit, bei der zuständigen Bezirksregierung einen Antrag auf Entschädigungsleistungen zu stellen. Sollte der Riss innerhalb einer Kernzone der ausgewiesenen Wolfsgebiete in NRW stattfinden, können die Entschädigungsleistungen für Halter von primär bedrohten Tierarten nur dann gewährt werden, wenn ein ausreichender Schutz besteht, der sogenannte Grundschutz. Die Grundschutzpflicht tritt zwei Jahre nach Bekanntgabe eines Wolfsgebietes in Kraft. Als primär bedrohte Tierarten gelten derzeit Schafe, Ziegen und Gehegewild.

Förderung der Präventionsmaßnahmen

Für die primär bedrohten Tierarten Schafe, Ziegen und Gehegewild in ausgewiesenen Wolfsgebieten und Pufferzonen haben Halter, deren Tieren innerhalb eines Wolfsgebietes oder einer Pufferzone leben, die Möglichkeit, ihre Präventionsmaßnahmen über die Förderrichtlinie Wolf bezuschusst zu bekommen. Zuwendungsfähig sind dabei die Anschaffung und Optimierung von bestehenden Standardschutzzäunen und erweiterte Herdenschutzmaßnahmen. Herdenschutzhunde sind nur innerhalb der Kernzone eines Wolfsgebietes und nicht in den Pufferzonen förderfähig. Gefördert werden 100 % der Materialkosten; die Arbeitskosten oder Kosten für den Aufbau der Zäune werden nicht gefördert.

Um diese Förderung zu beantragen, müssen die Tierhalter einen Antrag bei der zuständigen Bezirksregierung stellen. Alle benötigten Antragsformulare finden sich auf den Homepages der Bezirksregierungen oder unter www.wolf.nrw.de bei den einzelnen Wolfsgebieten und Pufferzonen.

Sobald ein Antrag vollständig und korrekt bei den Bezirksregierungen eingereicht wurde, leiten diese den Antrag zur Landwirtschaftskammer NRW zu einer fachlichen Begutachtung weiter. Sollte die fachliche Stellungnahme der Landwirtschaftskammer positiv ausfallen, versenden die Bezirksregierungen einen Zuwendungsbescheid und die Tierhalter dürfen danach mit der Präventionsmaßnahme beginnen. Ein Beginn der beantragten Präventionsmaßnahme vor dem Zuwendungsbescheid ist förderschädlich und darf nicht durchgeführt werden.

De-minimis gilt

Sowohl die Entschädigungsleistungen, als auch die Förderung der Präventionsmaßnahmen unterliegen den Regelungen für De-minimis Beihilfen im Agrarsektor. Das bedeutet, dass die gewährten Beihilfen innerhalb von drei Steuerjahren insgesamt 20 000 € nicht überschreiten dürfen. Dieser Zeitraum ist fließend, bei jeder Neubewilligung wird die Gesamtsumme des laufenden und der zwei vorhergegangenen Jahre festgestellt. Aktuell fallen verschiedene Förderprogramme unter die De-minimis Beihilfen, zum Beispiel die Agrardieselrückerstattung. Dies kann vor allem bei den Berufsschäfern und größeren landwirtschaftlichen Betrieben schnell dazu führen, dass das Maximum der De-minimis Beihilfe erreicht wird. Ist das Maximum von 20 000 € erreicht, können keine weiteren Entschädigungen oder Präventionsmaßnahmen gefördert werden.

Aktuell wird eine EU-Notifizierung der Förderrichtlinie Wolf angestrebt, um sie aus den Regelungen für De-minimis herauszunehmen und die Fördersituation so für die Haupterwerbslandwirte zu verbessern. Am 14. August 2019 ist das Verfahren bei der EU-Kommission dazu gestartet und das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen erwartet in den nächsten sechs Monaten eine Entscheidung.

Alle Informationen zu den Wolfsgebieten, Nachweisen und den Kontaktpersonen des LANUV und der Bezirksregierungen finden Sie unter www.wolf.nrw.de. Dort sind ebenfalls die Förderrichtlinie, alle aktuellen Antragsunterlagen und Bestimmungen zum Download bereitgestellt. Die Landwirtschaftskammer NRW bietet eine ausführliche Beratung zu den möglichen Herdenschutzmaßnahmen für alle Weidetierhalter an. Den Herdenschutzberater Moritz Specht erreichen Sie unter Telefon 02945 989-429 oder per E-Mail an moritz.specht@lwk.nrw.de. Die Beratung wird vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen gefördert und ist für die Tierhalter kostenfrei.

Autor: Moritz Specht, Fides Marie Lenz