Nmin-Richtwerte für Winterungen 2021

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Die eigene Nmin-Probe führt am ehesten zu einer Aussage über den Nmin-Vorrat auf der eigenen Fläche

Die Landwirtschaftskammer veröffentlicht die NRW Richtwerte für die Winterungen in 2021. Dafür wurden die Nmin-Proben, die seit Anfang Februar eingegangen sind und bei denen die Angaben zur Bodenart, Kultur und Vorkultur angegeben wurden, zugrunde gelegt. Die Erhebung wurde aufgrund des Frostes und Schnees im Februar, wo kaum Proben gezogen werden konnten, verzögert. Der Nmin-Wert ist der zu Vegetationsstart vorliegende mineralische Stickstoffvorrat im Boden, von dem die Kulturen während der Vegetationszeit neben dem zusätzlich aus der organischen Substanz freigesetzten Stickstoff und dem gedüngten Stickstoff ihr Wachstum und Qualität generieren. Die Gesamtmenge an Nmin bestimmt mit darüber, wie hoch die zu düngende Menge an Stickstoff ausfällt. Die Verteilung des Stickstoffs in den Bodenschichten bestimmt mitunter darüber, welche Düngestrategie man wählt.

Die NRW-Richtwerte sind eine von drei Möglichkeiten, diesen bei der zu dokumentierenden Düngebedarfsermittlung (DBE) für Stickstoff in Ansatz zu bringen. Die DBE inklusive des Nmin-Wertes selber müssen gemäß Düngeverordnung dokumentiert und sieben Jahre aufbewahrt werden. Sie sind außerdem Cross Compliances (CC)-relevant. Seit Mai 2020 müssen neben der Ermittlung des Düngebedarfs für Stickstoff und Phosphat auch das Aufbringen von stickstoff- und phosphathaltigen Stoffen dokumentiert werden. Beide Dokumentationspflichten können mit Hilfe des neuen Düngeportals NRW erledigt und nachgehalten werden (www.duengeportal-nrw.de). Die vorläufigen sowie Jahres-NRW-Richtwerte sind im Düngeportal hinterlegt.

Effizienzsteigerung durch eigene Probe

Die NRW-Richtwerte stellen nur einen sehr groben Anhaltspunkt dar, wo in etwa das Niveau des mineralischen Stickstoffs im Boden in der Schichtung 0 bis 90 cm liegt. Die Werte spiegeln dabei nicht genau genug wieder, was in den unterschiedlichen Boden-Klima-Räumen tatsächlich an Vorräten vorliegt. NRW ist ein sehr heterogenes Land mit sehr unterschiedlichen Verhältnissen. Neben den naturräumlichen Gegebenheiten kommen die unterschiedlichen individuellen Bewirtschaftungsmethoden. Somit kann der Nmin-Vorrat sehr unterschiedlich ausfallen, weshalb nur eine eigene Nmin-Probe das tatsächliche Niveau wiederspiegeln kann. Die eigene Nmin-Probe sollte deshalb das Mittel der Wahl sein. Ähnlich verhält es sich im Übrigen mit den Wirtschaftsdüngern. Auch hier verrät eine eigene Analyse, was wirklich in der eigenen Gülle, Gärrest und CO. enthalten ist, worauf sich eine genaue Düngeplanung anschließt. Analog zu den NRW Nmin-Richtwerten stellen die Richtwerte zu den Organischen Düngemitteln nur einen Mittelwert vieler Proben dar. Die Spannweite ist bei beiden Parametern sehr groß. Durch die Düngeverordnung spielt die Stickstoffeffizienz eine zunehmende Rolle, weswegen es gerade deswegen angebracht ist, den Stickstoffdüngebedarf genau zu bemessen. Der Nmin-Wert stellt eine entscheidende Größe bei der DBE dar. Insbesondere bei den ausgewiesenen Nitratbelasteten Flächen und der geforderten Reduktion von 20% des berechneten N-Düngebedarfs im Durchschnitt des vom Betrieb bewirtschafteten Flächen innerhalb der ausgewiesenen Kulisse ist es nunmehr noch entscheidender keinen Stickstoff „zu verschenken“. Auch, wenn die eigene Nmin-Probe hier nicht verpflichtend ist, sollte sie hier angewendet werden. Eine genaue Anleitung für eine Probenahme kann bei der LUFA NRW heruntergeladen werden. Bodenproben können auch von einem akkreditierten Dienstleister gezogen werden. Das Nmin-Analyseergebnis kann zukünftig per Schnittstelle in das Düngeportal-NRW übergeben werden und steht dort für die DBE zur Auswahl.

Anrechnung grundsätzlich bis 90 cm

Bei der DBE ist bei den konventionellen Ackerbaukulturen der Nmin-Gehalt aus allen drei Bodenschichten (0-30; 30-60 und 60-90 cm) in Ansatz zu bringen. Es sei denn, es handelt sich um einen flachgründigen Boden, wo die durchwurzelbare Schicht limitiert ist. In diesen Fällen braucht nur der Nmin-Gehalt des zur Verfügung stehenden Wurzelraums angerechnet werden. Werden drainierte Flächen beprobt, bei denen nur die Probenahme verhindert bis 90 cm zu ziehen, die unterste Schicht aber durchwurzelbar ist, muss in diesen Fällen zu dem eigenen Wert(en) der oberen Schicht(en) für die unterste Schicht(en) der Richtwert hinzuaddiert werden.

Leichte Absenkung gegenüber vorläufigen Nmin-Werten – Aber wenig Anpassungsbedarf gegenüber vorläufigen Richtwerten

Viele DBEs wurden bereits im Vorfeld gerechnet. Dabei haben vorläufige Richtwerte Verwendung gefunden, die Mittelwerte aus den letzten fünf Jahren darstellen. Mit den nun veröffentlichten Jahres-Richtwerten liegen nun konkrete Werte für den Vegetationsbeginn in 2021 vor. Eine Anpassung der vorläufigen Nmin-Richtwerte ist nur vorzunehmen, wenn eine Abweichung von mehr als 10 kg/ha zum vorläufigen Richtwert besteht. Die konkreten Fälle (sieben) sind Gelb hinterlegt. Die Nmin-Richtwerte werden derzeit im Düngeportal NRW als PDF hinterlegt und müssen bei der DBE händisch abgeändert werden. Zukünftig ist aber auch hier geplant, dass die vorläufigen Richtwerte um die aktuellen Jahres-Richtwerte vom Programm automatisch korrigiert werden. 

Die meisten Nmin-Proben liegen naturgemäß für die mittleren Bodenarten vor, weswegen hier am ehesten eine Differenzierung der Werte in Abhängigkeit der Vorkultur vorgenommen werden kann. Beim Vergleich zu den vorläufigen Richtwerten hat sich in vielen Fällen eine moderate Absenkung der Werte ergeben. Die Abweichung beträgt jedoch selten mehr als zehn Kilogramm. In zwei Fällen (Wintertriticale nach Blattfrucht; NN=alle nicht gelisteten Kulturen) ergibt sich sogar der identische Wert in 2021 wie beim vorläufigen Richtwert. Insgesamt betrachtet, ergibt sich eine mehr oder weniger ausgeglichene Verteilung der Werte auf alle drei Bodenschichten. Bezogen auf die Richtwerte ist in diesem Jahr keine besondere Düngestrategie erforderlich. Das kann im Einzelfall natürlich anders aussehen, weshalb auch deswegen eine eigene Probe sinnvoll ist.   

Niederschlagssummen wenig bis viel abweichend, aber überdurchschnittlich warm

Das Witterungsgeschehen während der Herbst- und Wintermonate hat einen entscheidenden Einfluss auf den Nmin-Gehalt zu Vegetationsstart. Einerseits kann bei vielen Niederschlägen mobiler Nitratstickstoff in tieferen Schichten verlagert oder gar aus dem Wurzelraum ausgewaschen werden, andererseits kann bei warmer Witterung neuer mineralischer Stickstoff aus der organischen Substanz (u.a. Erntereste, Wurzelmasse, Herbst-Düngung) durch Mikroorganismen gebildet werden. Bei milden Temperaturen halten Getreide und Winterraps ihren Stoffwechsel aktiv und entziehen umgekehrt Stickstoff aus der bereits durchwurzelten Zone. Auch im letzten Herbst und Winter 2020/21 war es noch lange Zeit mild, sodass sich erst sehr spät die Vegetationsruhe eingestellt hat.   

Die Niederschlagssumme während der Herbst- und Wintermonate war auf ganz NRW bezogen durchschnittlich. Die Temperatur lag jedoch wie bereits in den vorangegangenen Wintern über dem Durchschnitt. Außer im Monat Januar wurden annähernd durchschnittliche Temperaturen erzielt. Exemplarisch wird die Witterung für die Stationen Kleve und Bad Salzuflen mit Hilfe der folgenden Abbildung verdeutlicht. Dargestellt werden die Niederschlagssummen sowie durchschnittlichen Temperaturen pro Monat in den einzelnen Monaten im Vergleich einerseits zum alten Referenzzeitraum 1961 bis 1990 und zum neuen 1991 bis 2020. Bis auf den Monat Januar und Februar lagen die Temperaturen über den langjährigen Durchschnittswerten. Die Niederschlagssummen über alle Monate waren am Standort Kleve nur geringfügig unterdurchschnittlich. Dahingegen ergaben sich in Summe der Station in Ostwestfalen deutlich weniger Niederschläge.

Durchschnittliche Niederschlagsummen und zu hohe Temperaturen

Niederschlagsmengen und Temperatur prozentual Winter 2020 / 2021 an den Nitratmessstationen
Abbildung 1: Witterung während der Wintermonate 2020/2021 an der Station Kleve: Niederschlagssummen und durchschnittliche Temperaturen im Vergleich zum langjährigen Mittel
Niederschlagsmengen und Temperatur prozentual Winter 2020 / 2021 an den Nitratmessstationen
Abbildung 2: Witterung während der Wintermonate 2020/2021 an der Station Bad Salzuflen: Niederschlagssummen und durchschnittliche Temperaturen im Vergleich zum langjährigen Mittel

Nmin-Richtwerte Winterungen 2021

BodenKulturVorfrucht0-30 cm30-60 cm60-90 cmƩ 0-90 cm
leichter Boden
(S, lS, sU)
WinterweizenBlatt 1015 2651
Halm 1217 2251
WintertriticaleBlatt6 66 18
Halm 108 1937
WintergersteBlatt6 53 14
Halm 76 922
WinterroggenBlatt6 55 16
Halm 53 715
WinterrapsBlatt9 40 13
Halm 94 013
NN** Winteralle8 79 24
mittlerer Boden
(sU, ssL, sL, lU, uL, L)
WinterweizenBlatt12 1219 43
Halm 1310 1235
WintertriticaleBlatt14 1111 36
Halm 1411 732
WintergersteBlatt12 88 28
Halm 108 725
WinterroggenBlatt7 48 19
Halm 74 920
WinterrapsBlatt11 70 18
Halm 106 016
NN** Winteralle11 1012 33
schwerer Boden
(utL, tL, T)
WinterweizenBlatt 1318 2455
Halm 1518 2457
WintertriticaleBlatt14 1417 45
Halm 1414 1745
WintergersteBlatt11 1417 42
Halm 1114 1742
Winterroggen Blatt 14 14 1745
Halm14 14 1745
WinterrapsBlatt14 14 1745
Halm 14 14 1745
NN** Winteralle14 1417 45

NN** = alle anderen, nicht gelisteten Kulturen
Mais = Blattfrucht
gelb = Abweichung > 10 kg/ha Nmin gegenüber vorläufigem Richtwert
Hinweis: Bei Leguminosen ist nur der Nmin von der Schicht 0 - 30 cm anzurechnen.

Regionaler Richtwert: Nmin.de ab sofort wieder verfügbar

Ab sofort wird es nach einigen Jahren des Pausierens wieder möglich sein, mit Hilfe der Online-Datenbank Nmin.de (www.nmin.de) einen regionalen Nmin-Wert aufzurufen. Dies ist für sechs Regionen in NRW möglich, sofern die Mindestanzahl an Nmin-Werten für die jeweilige Konstellation vorliegt. Die Anwendung wurde neu programmiert und erscheint in einem neuen Design. Der Nmin-Wert aus der Anwendung stellt neben der eigenen Analyse und der Verwendung des NRW-Richtwertes die dritte offizielle Möglichkeit in NRW dar, sich einen Nmin-Wert für die zu dokumentierende DBE abzuleiten. Unter Auswahl der genauen Bodenart, der zu düngenden Kultur (Hauptkultur), der Vorkultur und der Region wird jeweils ein Nmin-Wert pro Schicht und als Summe zu einem Tagesaktuellen Zeitpunkt ausgewiesen. Der regionale Richtwert muss mit der hinterlegten Druckfunktion ausgedruckt, bzw. abgespeichert und im Prüfungsfall vorgelegt werden. Für die Zukunft ist geplant, die mit Hilfe dieser Datenbank ermittelten Richtwerte per Schnittstelle in die Anwendung Düngeportal-NRW zu übertragen.

Autor: Holger Fechner