Nmin-Richtwerte für Winterungen 2019

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In der 10. Kalenderwoche wurden die Nmin-Richtwerte für die Winterungen ermittelt. Der Nmin-Wert ist relevant für die Düngebedarfsermittlung (DBE) von Stickstoff. Die DBE und Nmin-Werte müssen sieben Jahre aufbewahrt werden.

Stickstoff ist der für die Pflanze bedeutendste Nährstoff. Er wird mengenmäßig am meisten aufgenommen und ist ertragsgebend. Gleichzeitig spielt er eine große Rolle für die Umwelt, da er in Form von Nitrat leicht ausgewaschen und in das Grundwasser gelangen kann. Das Düngerecht schreibt daher vor, vor der Düngung Kenntnis über den mineralischen Stickstoffgehalt im Boden zu haben und diesen bei der Düngeplanung zu berücksichtigen.

Nmin-Gehalt Bestandteil der Düngebedarfsermittlung (DBE)

Zu Beginn der Vegetationsperiode werden von der Landwirtschaftskammer NRW alle von der Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt NRW (LUFA NRW) bis dahin bereits analysierten Nmin-Proben ausgewertet und daraufhin repräsentative Nmin-Werte, die sog. Nmin-Richtwerte, veröffentlicht. In diesem Jahr waren es 1.799 Proben, die für die Auswertung für die Winterungen ausgewertet wurden. Dabei wird eine Unterteilung in verschiedene Bodenartengruppen (leicht, mittel, schwer), in die verschiedenen Kulturen sowie eine Unterteilung in die Vorkulturen (Blatt- und Halmfrüchte) vorgenommen. Es findet außerdem eine Differenzierung in die drei Bodenschichten 0-30, 30-60 und 60-90 cm statt. Laut Düngeverordnung (DüV) muss jeder Landwirt für alle Flächen und Kulturen, denen er im Jahr wesentliche Mengen an Stickstoff (> 50 kg/ha) zuführt, Kenntnis über das im Boden bereits vorhandene mineralische N-Angebot haben, welches der Nmin-Gehalt darstellt. Bei der Düngebedarfsermittlung für Stickstoff (DBE) wird der Nmin-Vorrat für die meisten Ackerbaulichen Kulturen aus allen drei Bodenschichten in Ansatz gebracht – unabhängig davon, wie die Verteilung des Stickstoffs innerhalb der drei Schichten ist. Die DBE muss schriftlich nach den Vorgaben der DüV dokumentiert werden. Für die düngefachrechtliche Kontrolle sowie für die Kontrolle nach Cross Compliances muss sie darüber hinaus sieben Jahre lang aufbewahrt werden!

Verschiedene Hilfsmittel für Erstellung der DBE

Für die Dokumentation stellt die Landwirtschaftskammer verschiedene Hilfsmittel in Papierform sowie zwei verschiedene EDV-Anwendungen unter www.duengung-nrw.de zur Verfügung. Die aktuellen Nmin-Richtwerte sind ab sofort in den EDV-Anwendung NPmax der Landwirtschaftskammer hinterlegt. Welche Regelungen für die DBE inklusive der Anwendung des Nmin-Wertes in NRW gelten, ist in einem Handbuch zur DBE ebenfalls auf der Internetseite abrufbar. Das Handbuch zur DBE ist u.a. Bestandteil der Vollzugshinweise zur DüV in NRW. Die mit Hilfe der DBE ermittelte Düngemenge an Stickstoff stellt die für den Schlag, bzw. die Bewirtschaftsungseinheit bezogene Obergrenze dar. Der Düngezeitpunkt, die Wahl des Düngemittels sowie welche Düngestrategie (Gabenteilung) angewendet wird, bleibt unter Berücksichtigung der sonstigen Regeln der DüV eine unternehmerische Entscheidung.

Jeder Landwirt hat die Möglichkeit, den Nmin-Wert mit Hilfe verschiedener Methoden in Erfahrung zu bringen. Die erste Möglichkeit stellen die hier veröffentlichten Nmin-Richtwerte dar. Da diese Richtwerte allerdings immer nur Mittelwerte aus einer bestimmten Stichprobe darstellen, kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich auf den eigenen Flächen aufgrund der individuellen Standortgegebenheiten eine Abweichung von den veröffentlichten Richtwerten ergibt. Die Streuung der Werte kann zum Teil recht hoch ausfallen, was auf die lokale Witterung und Bewirtschaftungsweise zurückzuführen ist. Als Beispiel sollen hier die erhöhten Nmin-Werte von über 50 kg/ha unter Winterweizen auf leichten Böden genannt werden. Bei den zugrunde gelegten 61 Proben gibt es einige Nmin-Proben, die nahezu an mineralischem Stickstoff entleerte Böden ausweisen, bis hin zu Proben, die im höheren dreistelligen Wertebereich liegen. Eine eigene Nmin-Probe ist in solchen Fällen unbedingt angeraten. Grundsätzlich lautet aber die Empfehlung, eigene Nmin-Proben auf seinen Flächen zu ziehen und analysieren zu lassen, was eine weitere Möglichkeit der Ermittlung für den Landwirt darstellt. Die Analyse sollte für diesen Zweck in einem akkreditierten Prüflabor, wie z.B. der LUFA NRW, durchgeführt werden. Auch diese Methode wird vom Gesetzgeber als Nachweis akzeptiert.

DDie Nmin-Richtwerte für 2019 ersetzen die vorläufigen 5-jährigen, gemittelten Nmin-Richtwerte. Diese durften für die vorläufige DBE eingesetzt werden. In NRW gilt gemäß den Vollzugshinweisen zur DüV die Regelung, dass die DBE nur dann angepasst werden muss, wenn der aktuelle Nmin-Richtwert um mehr oder weniger als 10 kg/ha vom 5-jährigen Mittel abweicht. In Tabelle 1 mit den aktuellen Nmin-Richtwerten für die Winterungen 2019 ist farblich in orange markiert, in welchen Fällen sich eine relevante Abweichung ergibt und die DBE daraufhin angepasst werden muss. In der EDV-Anwendung NPmax kann die geforderte Anpassungen für Berechnungen, die mit dem vorläufigen 5-Jährigen Richtwert gemacht wurden, mit einem Tastendruck vollautomatisch erledigen.

Tabelle: Nmin-Richtwerte für die Winterungen 2019 im Vergleich um 5-jährigen Mittelwert. Bei den farblich hervorgehobenen Werten muss die vorläufige DBE angepasst werden.

BodenartHauptkulturVorkultur*0-30 cm30-60 cm60-90 cmƩ 0-90 cm 5j. Mittel
0-90 cm
Abweichung
leichter Boden
(S, lS, sU)
WintergersteBlatt 86 418 180
Halm 96 1025 1510
WinterrapsBlatt12 87 2717 10
Halm 128 727 1710
WinterroggenBlatt9 78 2414 10
Halm 76 619 145
WintertriticaleBlatt7 614 2728 -1
Halm 88 1531 283
WinterweizenBlatt12 1233 5728 29
Halm 1112 3053 2825
NN Winteralle9 711 2722 5
mittlerer Boden
(sU, ssL, sL, lU, uL, L)
WintergersteBlatt10 821 3933 6
Halm 107 623 25-2
WinterrapsBlatt12 87 2718 9
Halm 128 727 189
WinterroggenBlatt10 1022 4230 12
Halm 1010 2242 3012
WintertriticaleBlatt10 1017 3736 1
Halm 1113 1640 364
WinterweizenBlatt13 1533 6144 17
Halm 1112 3053 3815
NN Winteralle12 1121 4434 10
schwerer Boden
(utL, tL, T)
WintergersteBlatt 1116 1542 348
Halm 1912 940 346
WinterrapsBlatt12 87 2729 -2
Halm 128 727 29-2
WinterroggenBlatt18 1315 4641 5
Halm 1813 1546 415
WintertriticaleBlatt17 1522 5446 8
Halm 1813 1546 460
WinterweizenBlatt17 1522 5450 4
Halm 1813 1546 451
NN Winteralle17 1312 4241 1

*Vorkultur: Blatt = Mais, Kartoffel, Zuckerrübe, Raps; Halm = alle Getreidearten (Drusch);

Durchschnittlich geringere Niederschläge und milde Temperaturen führen zu erhöhten Nmin-Werten

In der Abbildung wird die mittlere Abweichung des Niederschlags sowie der Temperatur während der Herbst- und Wintermonate im Vergleich zum langjährigen Mittel (1961 bis 1990) im Mittel der Wetterstationen in NRW abgebildet. Dabei wird deutlich, dass die Sickerwasserperiode deutlich zu trocken und zu mild ausfiel. Im Zeitraum von September bis Februar wurden in der Summe 25 % weniger Niederschläge erzielt. Am trockensten waren während dieses Zeitraums die Monate Oktober und November. Im gleichen Zeitraum war es im Durchschnitt um mehr als ein Drittel wärmer als im langjährigen Mittel, wobei die beiden Monate Dezember und vor allem der mit einem Wärmerekord belegte Monat Februar herausstechen.

Beides, sowohl die niedrigen Niederschläge als auch die milden Temperaturen hatten Auswirkungen auf die Entwicklung der Nmin-Werte zu Beginn der Vegetationsperiode 2019. Die geringen Niederschläge führten zu einer geringen Auswaschung an mobilem Nitratstickstoff. Bei den leichten sowie mittleren Böden fällt auf, dass der überwiegende Anteil des Nmin-Vorrats in der untersten Bodenschicht (60-90 cm) vorliegt. In vielen Fällen sind dann die Niederschläge zumindest doch dafür verantwortlich, dass mineralischer Stickstoff in die unterste Bodenschicht verlagert wurde, eine komplette Auswaschung jedoch kaum stattfand. Die Temperaturen sorgten zum einen dafür, dass die etablierten Winterungen erst sehr spät zur Vegetationsruhe kamen und oft lange weiterwachsen und damit auch Stickstoff aufnehmen konnten. Im neuen Jahr hat insbesondere der Februar mit seinen warmen, zweistelligen Tagestemperaturen für einen raschen Start der Vegetation gesorgt. Damit war die Vegetationsruhe insgesamt kurz. Andererseits haben die milden Temperaturen für günstige Mineralisationsbedingungen im Oberboden gesorgt, sodass die Mikroorganismen hier phasenweise organischen Stickstoff in mineralischen Stickstoff umwandeln konnten. Dies gilt insbesondere für die spät im Jahr gesäten Kulturen wie Winterweizen nach spät geernteten Blattkulturen wie Kartoffel, Zuckerrüben oder Mais. Hier ist es die Kombination aus spätem Anfall an Ernteresten, die Bodenbewegung während der Ernte sowie während des Bestellvorgangs und die günstige Witterung, die für höhere Nmin-Werte als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre führen.  /p>

Die hier beschriebene Entwicklung bezieht sich auf die durchschnittlichen Umstände innerhalb von NRW. In einzelnen Regionen und bei einzelnen Flächen kann es aufgrund einer anderen Witterung und Bewirtschaftung zu einer abweichenden Entwicklung gekommen sein!

Niederschlagsmengen und Temperatur prozentual Winter 2018 / 2019 an den Nitratmessstationen
Abbildung: Mittlere Abweichung der Niederschläge und Temperaturen im Winter 2018/2019 an den Wetterstationen in NRW im Vergleich zum langjährigen Mittelwert

Autor: Holger Fechner