Landesdüngeverordnung: Binnendifferenzierung belasteter Grundwasserkörper

Ausschnitt Gebietskulisse Landesdüngeverordnung NRW

Die NRW-Landesregierung hat am 24. März 2020 eine Anpassung der Landesdüngeverordnung verabschiedet. Diese wurde im Gesetz- und Verordnungsblatt (GV. NRW.) Ausgabe 2020 Nr. 9 vom 30. März 2020 veröffentlicht und ist am 31. März 2020 in Kraft getreten. Damit wird die angekündigte Binnendifferenzierung innerhalb der roten Grundwasserkörper umgesetzt.

Auf Basis von neuen Messwerten und Modellierungen hat das Umweltministerium in Zusammenarbeit mit dem LANUV eine Binnendifferenzierung in den belasteten und landwirtschaftlich beeinflussten Gebieten vorgenommen und die Feldblöcke ausgewiesen, bei denen weiterer Maßnahmenbedarf besteht.

Unsere Experten haben für Sie die wichtigsten Fragen dazu beantwortet.

Einen schnellen Überblick, ob die von Ihnen bewirtschaften Flächen in nitrataustragsgefährdeten Gebieten liegen, gibt Ihnen diese Karte:

Binnendifferenzierung der GWK nach § 13 DüV (belastete Gebiete)Bild vergrößern
Binnendifferenzierung der GWK nach § 13 DüV (belastete Gebiete) Quelle: LANUV NRW

Wenn Flächen in einem grau eingefärbten Gebiet bewirtschaftet werden, waren diese bereits von der Landesdüngeverordnung 2019 nicht betroffen. Liegen Ihre Flächen in einem farblich hinterlegten Gebiet, können Sie in ELWAS-WEB nachschauen, für welche Feldblöcke (Stand 2017) nach der Landesdüngeverordnung die Pflicht zur Analyse von Düngemitteln, die Verkürzung der Einarbeitungszeit auf eine Stunde und die verlängerte Sperrfrist (15.10 bis 31.1) gelten und für welche nicht.

Kurze Anleitung zu ELWAS-WEB:

  • Über den Link www.elwasweb.nrw.de rufen Sie das Programm auf.
  • Klicken Sie in der Bildschirmmitte den Button [ Start ]. Navigation und Karte werden geladen.
  • Klicken Sie in der Navigation auf "Grundwasser" > "Grundwasserkörper" > "Gebiete nach § 13 Düngeverordnung".
  • Es werden 4 Auswahlmöglichkeiten angezeigt. Für Sie interessant: "nitrataustragsgefährdete Gebiete nach § 13 DüV (2020)". Bitte ankreuzen.
  • Sie sind jetzt auf der Ebene, auf der alle Feldblöcke angezeigt werden, für die die Einschränkungen des § 13 DüV gelten.
  • Geben Sie nun oben in das Feld "Ort, Straße, Haus..." Ihre Betriebsadresse ein. Die Karte wird zur Adresse gezoomt.
  • Mit dem Schieberegler am rechten, unteren Rand können Sie den Kartenausschnitt verkleinern oder vergrößern (zoomen).
  • Bei Bedarf lassen sich die Feldblockgrenzen einschalten.
  • Für die leicht rot gefärbten Flächen gelten die strengeren Regeln.

Eine ausführliche Anleitung zum Anzeigen der nitrataustragsgefährdeten Feldblöcke finden sie hier:

Die Nitratkonzentration im Grundwasser darf 50 mg/l nicht überschreiten. Um diesen gesetzlich vorgegebenen Grenzwert nachhaltig einzuhalten, soll er auch schon im Sickerwasser nicht überschritten werden. Landwirtschaftlich genutzte Flächen (LF) können aufgrund natürlicher Standortbedingungen wie Boden und Klima auch bei gleicher Bewirtschaftung unterschiedliche Risiken aufweisen, die zulässige Nitratkonzentration im Sickerwasser zu überschreiten. Nach der am 31.03.2020 in Kraft getretenen Landesdüngeverordnung NRW werden diejenigen Flächen als nitrataustragsgefährdet betrachtet, auf denen bei Einhaltung eines Nährstoffbilanzüberschusses von 60 kg N je Hektar LF nicht sichergestellt ist, dass die maximal zulässige Nitratkonzentration von 50 mg/l im Sickerwasser eingehalten wird.

Die Nitrataustragsgefährdung wird im Wesentlichen aus den lokalen Boden- und Klimaverhältnissen abgeleitet, insbesondere aus dem Denitrifikationspotenzial im 2-Meter-Raum(+), der Verweilzeit des Sickerwassers im Boden und der mittleren Sickerwasserrate (1981-2010). Das Denitrifikationspotenzial wird entscheidend durch die Bodenwasserverhältnisse, Humusgehalte sowie schichtbezogene Porenkapazität beeinflusst. Je geringer die Durchlüftung des Bodens, je höher der Humusgehalt und je höher die Verweilzeit des Sickerwassers ist, desto höher ist tendenziell das Denitrifikationspotenzial des Bodens. Hohe Sickerwasserraten führen unter sonst gleichen Bedingungen zu geringeren Nitratkonzentrationen. Grundsätzlich liegt für sämtliche landwirtschaftlich genutzten Flächen in Nordrhein-Westfalen eine Bewertung der Nitrataustragsgefährdung anhand der genannten Kriterien vor. Auf diese Weise können sehr kleinräumig Aussagen zu den tatsächlichen Gegebenheiten gemacht und bewertet werden.

(+) Geologischer Dienst NRW: www.gd.nrw.de/wms_html/BK5_WMS/PDF/Methoden/BK5_DEN.pdf

Zur Ermittlung der Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft haben das Thünen-Institut zusammen mit dem Forschungszentrum Jülich einen Modellverbund bestehend aus einem agrarökonomischen Modell sowie geo-hydrologischen Modellen entwickelt. Der Modellverbund wird für Fragestellungen im Zusammenhang mit der EU-Nitratrichtlinie und EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) mittlerweile in zehn Bundesländern angewendet und im Rahmen eines laufenden Projektes auf ganz Deutschland übertragen.

Für NRW wurde der Modellverbund bereits 2010-2012 angewendet. Eine Neuauflage der Modellierung durch die genannten Institutionen erfolgte im GROWA+ NRW 2021 im Zeitraum 2015-2019 unter der Leitung des Landesamtes für Natur-, Umwelt und Verbraucherschutz und Mitarbeit der Landwirtschaftskammer sowie des Geologischen Dienstes. Ausgehend von regionalen Nährstoffbilanzüberschüssen auf Gemeindeebene wurden unter Berücksichtigung der natürlichen Standortbedingungen, Boden und Klima, Nitratkonzentrationen im Sickerwasser auf der Ebene von 100 x 100 m NRW-weit berechnet. Die modellierten Nitratkonzentrationen wurden mit gemessenen Nitratkonzentrationen in ca. 1.400 über NRW verteilten Messstellen sowie in rund 1.500 ausgewählten, flach verfilterten Messstellen im Gebiet des Erftverbandes verglichen. Modellierte und gemessene Nitratkonzentrationen weisen sowohl beim Vergleich ihrer Durchschnitte als auch bezüglich der regionalen Verteilung eine sehr hohe Übereinstimmung auf. Somit ist die Einstufung der Nitrataustragsgefährdung der Böden ein wissenschaftlich belastbares Kriterium.

Es ist zu beachten, dass die vorgenannten weitergehenden Düngungsauflagen nach der Landesdüngeverordnung zunächst nur in diesem Jahr grundsätzlich auf allen als nitrataustragsgefährdet ausgewiesenen, landwirtschaftlich genutzten Flächen innerhalb nitratbelasteter Grundwasserkörper umzusetzen sind, um die Gewässer gemäß EU-Nitratrichtlinie flächendeckend vor Verunreinigungen durch Nitrat aus der Landwirtschaft zu schützen. Zum Jahresende ist die Landesdüngeverordnung an die Vorgaben der neuen Bundes-Düngeverordnung anzupassen. Die Wirkung der Maßnahmen soll und wird sich an den Nitratkonzentrationen der für die landwirtschaftliche Bewirtschaftung repräsentativen Messstellen zeigen. Allerdings kann sich eine messbare Verringerung erhöhter Nitratkonzentrationen aufgrund langer Verweilzeiten des Wassers im Boden und im Grundwasserleiter erst nach Jahren einstellen. Begleitend zur Bundes-Düngeverordnung wird ein weiteres differenziertes Monitoring aufgebaut, um Veränderungen zeitnah zu erkennen. Hierbei werden auch Emissionsdaten betrachtet und in Modellregionen vertiefte Sickerwasseranalysen durchgeführt. Verbesserungen in der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung können damit zur Herausnahme weiterer Flächen aus der Kulisse führen.

Durch die Ergebnisse des GROWA+ NRW 2021 Projektes wurde der Handlungsbedarf sowie die Verortung zielgerichteter Maßnahmen zur Erreichung der Gewässerschutzziele bezüglich Nitrat auf eine solide fachliche Grundlage gestellt. Um die neuen Erkenntnisse schnellstmöglich umzusetzen, wurde die Landesdüngeverordnung NRW novelliert und trat zum 31. März 2020 in Kraft. Am 27. März 2020 verabschiedete der Bundesrat eine novellierte Düngeverordnung mit neuen Vorgaben, die mit ihrer Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt in Kraft tritt (voraussichtlich bis Mitte April). Die flächendeckend geltenden Vorgaben der Bundes-Düngeverordnung gelten unmittelbar ab deren Inkrafttreten.

Die neuen Vorgaben zur bundeseinheitlichen Ausweisung von Gebieten mit weitergehenden strengeren Düngeauflagen und die in diesen Gebieten geltenden Anforderungen haben die Bundesländer bis Ende 2020 umzusetzen. Die nitrataustragsgefährdeten Flächen müssen somit bis 1. Januar 2021 nach bundesweit einheitlichen Kriterien erneut abgegrenzt werden. Nordrhein-Westfalen wird bei der Gestaltung der bundesweiten Gebietskulisse seine Expertise und die Erfahrungen mit der Umsetzung der Landesdüngeverordnung einbringen. Dies betrifft insbesondere die Erkenntnisse des GROWA+ NRW 2021 Projektes. Vor diesem Hintergrund sind Änderungen der derzeitigen Kulisse nitrataustragsgefährdeter Feldblöcke bis Ende 2020 zu erwarten.

Diese beiden Begriffe meinen dasselbe. Die in ELWAS-WEB als "nitrataustragsgefährdete Gebiete nach § 13 DüV (2020)" angezeigten Flächen sind diejenigen, die in der neuen Landesdüngeverordnung als nitratbelastet bezeichnet werden.


Ansprechpartner: Dr. Horst Gömann