Herdenschutz in NRW

Elektronetzzaun für SchafeBild vergrößern
Grundsätzlich müssen alle mobilen Zäune auf der gesamten Zaunlänge eine Mindesthöhe von 90 cm aufweisen.


Festzaun für SchafeBild vergrößern
1,20 m hoher Festzaun aus Knotengeflecht mit davorgelegtem Knotengeflecht als Untergrabeschutz


Festzaun mit UntergrabeschutzBild vergrößern
Untergrabeschutz bei einem Festzaun: Das davorgelegte Knotengeflecht und die davorgesetzte stromführende Litze mit maximal 20 cm Abstand vom Boden und 10 bis 20 cm Abstand vom Zaun.


Elektrolitze an einem ZaunBild vergrößern
Erweiterung des Herdenschutzes: Eine um 45 Grad abgewinkelte, zusätzliche Breitbandlitze, oben am Zaun angebracht


Schaf- und Ziegenhalter sowie Gehegewildhalter, deren Weideflächen in ausgewiesenen Wolfsgebieten und den angrenzenden Pufferzonen liegen, können sich Präventionsmaßnahmen zur Vermeidung von Wolfsübergriffen fördern lassen. Die Einzelheiten erläutern Wolfang Take und Fides Marie Lenz.

Die „Richtlinien Wolf“ des Landes Nordrhein-Westfalen ermöglichen die Förderung von Herdenschutzmaßnahmen in Wolfsgebieten mit den angrenzenden Pufferzonen. Die Förderrichtlinie legt die Mindestanforderungen an eine Maßnahme fest: den Grundschutz, fördert die Erweiterung des Grundschutzes und lässt auch die Kombination nachfolgender Schutzmaßnahmen zu:

  1.  Anschaffung mobiler Zäune
  2.  Material für den Festzaunbau
  3.  Aufrüstung bestehender Zäunen
  4.  Investition in ausgebildete Herdenschutzhunde

Allgemeine Hinweise

Stromführende mobile sowie stationäre Zäune müssen auf der gesamten Zaunlänge eine Mindeststromspannung von 2 500 Volt aufweisen. Um einen Stromkreislauf bei Berührung sicherzustellen, muss eine funktionierende Erdung angebracht sein. Dafür können mehrere Erdungsstäbe, verbunden mit isoliertem Erdanschlusskabel, notwendig sein. Im 50 m-Abstand muss ein Hinweisschild auf die Elektrifizierung des Zaunes hinweisen. Zäune müssen einen Mindestabstand von 4 m zu potenziellen Einsprunghilfen einhalten oder sie miteinzäunen, damit der Grundschutz hergestellt ist.

a) Mobile Elektrozäune

…sind entweder Elektronetze oder Litzensysteme. Grundsätzlich müssen mobile Zäune mindestens 90 cm hoch sein. Um die erforderliche Mindesthöhe auf der gesamten Zaunlänge zu erreichen, müssen die Zaunecken immer gut gespannt werden.  Die Gefahr des Untergrabens soll mit der bodengleichen Litze verringert werden. Deshalb muss bei Elektronetzen die unterste Litze auf der gesamten Zaunlänge auf Bodenniveau verlaufen; in überzäunten Mulden kann die unterste, nicht stromführende Litze mit zusätzlichen Kunststoffpfählen auf den Boden gedrückt werden.

Mobile Litzenzäune müssen aus mindesten fünf stromführenden Litzen bestehen. wobei die unterste Litze nicht höher als 20 cm über Bodenniveau liegen darf. Ein Unterkriechen oder Untergraben durch große Beutegreifer soll durch die Stromführung in Bodennähe verhindert werden.  Die Eckpfähle bei Litzenzäunen müssen aus geeigneten Stahlpfählen bestehen, die in den Boden eingeschlagen werden können.

b) Stationäre Zäune

Gefördert werden auch das Material für Festzäune, die in der Förderrichtlinie als stationäre Zäune bezeichnet werden. Stationäre Zaunanlagen für Schafe oder Ziegen müssen mindestens 120 cm hoch sein und für Gehegewildzäune gilt die Mindestzaunhöhe 1,80 m. Förderfähig sind stromführende Litzenzäune oder nicht elektrifizierte Knotengeflechtzäune mit zusätzlichem Untergrabeschutz. Der Untergrabeschutz kann eingerichtet werden als ein:

  •  vor den Zaun gesetzte stromführende Litze in 20 cm über Boden,
  •  50 cm-tief eingegrabenes Knotengeflecht,
  •  vor dem Zaun ebenerdig ausgelegtes und mit Erdankern befestigtes Knotengeflecht.

Die Wahl des Untergrabeschutzes ist abhängig von

  •  Grundstücksgrenzen,
  •  Wegerecht
  • Publikumsverkehr.

Insgesamt müssen mindestens fünf stromführende Litzen installiert werden, um die Förderrichtlinien für stationäre Litzenzäune zu erfüllen Verläuft beim Litzenzaun die unterste Litze 20 cm über Bodenniveau und führt Strom, wird sie als Untergrabeschutz anerkannt. Die unterste Litze ist regelmäßig von übermäßigem Bewuchs zu befreien, um die erforderliche Zaunspannung von 2.500 Volt gewährleisten zu können.

Baustahlmatten, Stabgitter- oder Lattenzäune sowie Zaunpfähle aus (Recycling)Plastik oder teeröl-imprägniertem Holz sind nicht förderfähig.

c) Aufrüstung bestehender Zäune

Bestehende Zäune können wolfsabweisend aufgerüstet werden. Über mobilen Elektronetzen kann eine flatternde Breitbandlitze als Übersprungsabwehr in zusätzliche Kunststoffpfähle eingehängt werden. Die Übersprungsabwehr kann auch über älteren Knotengeflechtzäunen (stationär, nicht elektrifiziert) einfach und unkompliziert installiert werden. Bestehende Knotengeflechtzäune müssen ebenfalls mit einem ausreichenden Untergrabeschutz ausgestattet werden wie oben beschrieben.

Bestehende stromführende Litzenzäune können mit davor und dazwischen gesetzten stromführenden Litzen auf der gesamten Höhe und darüber hinaus erweitert werden. Auch hier darf die unterste Stromführende Litze nicht höher als 20 cm über Boden liegen. Beachten Sie, dass für Zäune bis 2,00 m Höhe in der Regel keine Baugenehmigung beantragt werden muss. Informieren Sie sich dazu bitte bei ihrer Gemeinde vor Ort.

Zusätzlich können an jeden Herdenschutzzaun Flatterbänder als optische Abschreckung gebunden und versetzbare Blinklampen wechselnd an Zaunpfosten installiert werden. 

Das Aufrüsten von bestehenden Festzäunen ist meistens die einfachste, schnellste und kostengünstigste Fördermaßnahme, um Schafe, Ziegen und Gehegewild im Sinne der Förderrichtlinien zu schützen.

d) Herdenschutzhunde einsetzen

Auch der Einsatz von Herdenschutzhunden wird in der Kernzone eines Wolfsgebiets gefördert. Beantragbar sind Kosten für die Anschaffung von

  • Ausgebildeten Herdenschutzhunde,
  • Welpen aus Betrieben mit zertifizierten Hunden und deren Ausbildung,
  • Sachkundelehrgang der Tierhalterin oder des Tierhalters.

Für die Herdenschutzhundehaltung gelten folgende Bedingungen:

  • Je 100 Mutterschafe werden 2 Herdenschutzhunde gehalten,
  • In einer Teilherde werden mindestens 2 Hunde gemeinsam eingesetzt.
  • Die Herdenschutzhunde dürfen nur in einer geeigneten Einzäunung gehalten und eingesetzt werden; ein grundgeschützter Zaun gilt als geeignet.
  • Warnschilder an der Einzäunung müssen auf die Hunde und deren Verhalten hinweisen.
  • Personen, die mit geförderten Herdenschutzhunden umgehen, müssen ihre Sachkunde über den Umgang mit Herdenschutzhunden nachweisen.

Anerkannt werden Sachkundenachweise von den unterschiedlichen Verbänden, die sich mit der Herdenschutzhunde-Zucht und –einsatz als eingetragener Verein beschäftigen

Noch mehr Möglichkeiten

  • Weidetierhalter innerhalb der Kernzone eines Wolfsgebiets sollten ihren Zaun erweitern => flatternde Breitbandlitzen über bestehende Zäune ziehen oder vergrämende Blinklichter installieren.
  • Elektronetze und weitere mobile Zaunanlagen müssen nach Nutzung zügig abgebaut werden. Durch nichtgenutzte Anlagen gewöhnen sich große Beutegreifer an die Zäune und nutzen sie als Trainingsmöglichkeiten.
  • In trockenen Vegetationsphasen kann die Erdung den Stromfluss nicht sicherstellen. Alternativ kann auf Plus/Minus-Systeme umgestellt werden, deren Stromfluss unabhängig von der Bodenfeuchtigkeit ist.
  • Es gibt auch die Möglichkeit, die stromführenden Zäune zu Plus/Minus-Systemen umzurüsten. Dafür werden abwechselnd strom- und erdungsführende Litzen verbaut, sodass der Wolf bei Zaunkontakt plus und minus miteinander verbindet und die volle Stromspannung zu spüren bekommt. Dieser Stromschlag ist sehr intensiv und wirksam, aber auch schonender, da der Strom nur durch einen kleinen Teil des Körpers und nicht durch den gesamten Körper in den Boden fließt. Dieses System eignet sich besonders für Regionen mit flachgründigen oder harten und trockenen Böden, auf denen ansonsten keine ausreichende Erdung herzustellen ist. Inzwischen gibt es Plus/Minus-Weidezaunnetze in fast allen Größen. Nicht eingesetzt werden sollten sie in hohem Bewuchs; beispielsweise dicht neben einer Hecke.
  •  Angebrachtes Absperr- oder Flatterband sowie akustische und optische Abwehrmaßnahmen können zusammen mit anderen Herdenschutzmaßnahmen einen zeitweisen Schutz bieten, wenn sie mit anderen Maßnahmen wie der Aufrüstung eines bestehenden Zaunes kombiniert werden. Sie müssen aber immer wieder versetzt werden, damit kein Gewöhnungseffekt bei den Beutegreifern eintritt.

Achtung:

Gerissene Weide- oder Haustiere werden nach Bestätigung der Verletzung oder des Todes durch Wolfsübergriffe nach Antrag bei den Bezirksregierungen entschädigt. Die Entschädigung ist unabhängig davon, ob sich der Riss innerhalb oder außerhalb eines Wolfsgebiets ereignet hat.

  • Gerissene Schafe und Ziegen sowie Gehegewild innerhalb eines Wolfsgebiets oder einer Pufferzone werden nur dann entschädigt, wenn die Tiere 24 Monate nach Einrichtung des Wolfsgebiets in einem grundgeschützten Herdenschutzzaun gehalten wurden.
  •  Nachgewiesene Wolfsübergriffen und damit verbundene Tierarztkosten an Pferden, Rindern und weiteren Nutz- und Haustieren werden immer entschädigt.

Herdenschutzmaßnahmen werden ausschließlich für Schaf-, Ziegen- und Gehegewildhalter nach Antrag bei der zuständigen Bezirksregierung gefördert und zu 100 % finanziert, wenn die Tiere in ausgewiesenen Wolfsgebieten und angrenzenden Pufferzonen gehalten werden.

Die Zuwendung für den Herdenschutz erhalten Sie, wenn Sie ihre Schaf-, Ziegen- oder Gehegewildhaltung bei der Tierseuchenkasse NRW gemeldet haben.

Aktuelle Informationen zu den Wolfsgebieten und den Fördermaßnahmen finden Sie auf der Homepage des Landesamts für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz:

Fragen zum praktischen Herdenschutz beantworten Ihnen die Herdenschutzberater der Landwirtschaftskammer, Ansprechpartner sind:

Wolfgang Take
Telefon: 02945 989 429
E-Mail: wolfang.take@lwk.nrw.de

Fabian Urbitsch
Telefon: 02945 989-740
Telefax: 02945 989-433
E-Mail: fabian.urbitsch@lwk.nrw.de

Autor: Wolfang Take, Fides Marie Lenz