Spritzenreinigung

Verschmutzer Filter einer Pflanzenschutzspritze
Immer wieder kommt es vor, dass es zu starken Schäden an empfindlichen Kulturen wie Raps oder Zuckerrüben kommt, wenn vorher z.B. Sulfonyle wie Pointer SX, Gropper SX, Hoestar Super, Concert, Refine Extra, Husar, Monitor, Lexus, Attribut, Atlantis usw. oder Sulfonylharnstoff ähnliche Stoffe wie Primus oder Starane XL im Getreide gefahren werden. Dass die Spritze danach peinlichst gesäubert werden muss und auch Spezialreiniger von Nöten sind, ist mittlerweile bekannt und wird auch in der Regel so umgesetzt.

Nicht selten stellt die Spritzenreinigung für viele Landwirte nur ein lästiges Übel dar. Da viele der Meinung sind, es handle sich nur um lästige Auflagen ohne größeren Hintergrund, wird sie zumeist stiefmütterlich bzw. überhaupt nicht durchgeführt. Verschiedene Projekte jedoch, wie beispielsweise das europäische TOPPS-Projekt, haben mittels Befragungen von Landwirten und anderen Interessengruppen dargestellt, dass neben der Abdrift besonders die Spritzenreinigung eine der Hauptursachen der sog. Punkteinträge von Pflanzenschutzmittel in Gewässer darstellt. Insbesondere die Reinigungen auf den Hofflächen stellen hierbei ein besonderes Risiko dar. Denn welcher Landwirt hat schon einen Waschplatz, der das gesamte Waschwasser auffängt und biologisch abbauen kann. Vielfach wird der Ölabscheider als adäquates Mittel bemüht, um seine Handlungen zu rechtfertigen. Der Ölabscheider ist jedoch bei den meisten Pflanzenschutzmitteln wirkungslos und kann somit den Eintrag in die Kanalisation nicht verhindern.

Reinigung im Feld - Ein Muss?!

Die einfachste Methode diesen Problemen aus dem Weg zu gehen ist den Reinigungsvorgang direkt im Feld durchzuführen. Einige Spritzenhersteller stellen die unterschiedlichsten, automatisierten Reinigungsprogramme schon seit einiger Zeit der Praxis zur Verfügung. Zugegebener Maßen muss der Landwirt dafür einen Aufpreis bezahlen, obwohl die Notwendigkeit dieser Systeme nicht sofort ersichtlich ist. Vorteilhaft ist, dass die meisten Spritzen schon mit dem nötigsten ausgestattet sind, da man für eine effektive Innenreinigung auf dem Feld nichts weiter als einen Frischwassertank und eine Tankinnenreinigungsdüse benötigt. Ist die Spritze hiermit ausgestattet, muss man nur noch den Klarwasservorrat in drei Portionen in den Haupttank einleiten, umwälzen und direkt in einem unbehandelten Stück Fläche ausbringen. Diese Vorgehensweise hört sich nur auf den ersten Blick sehr einfach an. Sie benötigt viel Zeit und ist unter Umständen auch sehr schwierig durchzuführen. Denn bei vielen Spritzen bedeutet dieses Verfahren ein häufiges Auf- und Absteigen vom Schlepper, ein ständiges Umschalten der Spritze von Rühren auf Spritzen und zusätzlich muss der Anwender häufig durch schon behandelte Kulturen laufen. Um dies zu umgehen, bieten sich daher die schon erwähnten automatisierten Systeme der Gerätehersteller an, die einem das Reinigen deutlich erleichtern.

Kontinuierliche Innenreinigung – Der Weg in die Praxis ist geschafft!

Doch was geschieht mit den vielen in Gebrauch befindlichen Spritzen? Kann man die Reinigungssysteme der verschiedenen Hersteller auch nachrüsten? Es geht noch einfacher und meist auch kostengünstiger.

Man benötigt nur eine zusätzliche Reinigungspumpe, die das Klarwasser aus dem Frischwassertank über die Innenreinigungsdüse in den Haupttank pumpt und eine angepasste Innenreinigungsdüse. Hat man diese Pumpe und Reinigungsdüse nachgerüstet ist die Spritze für das kontinuierliche Innenreinigungssystem vorbereitet. Doch was verbirgt sich hinter diesem System? Eigentlich nur die Möglichkeit in weniger als 10 min seine Spritze bequem vom Schlepper aus im Feld zu reinigen und mit einer sauberen Spritze nach Hause zu fahren. Doch wie groß muss die zusätzliche Pumpe ausgelegt sein? Dies richtet sich vor allem nach der Gestängebreite der Spritze, da die Pumpenleistung 90 % des max. Düsenausstoßes betragen sollte. Daher muss man als erstes den Gesamtdüsenausstoß ermitteln. Nimmt man beispielsweise eine Arbeitsbreite von 21 m und eine Airmix 110 03, die bei 3 bar im Feld eingesetzt wird, ergibt sich bei 42 Düsen ein Gesamtausstoß von ca. 50 l/min. Hierbei wird schon deutlich, dass größere Spritzen mit Arbeitsbreiten von 27 m und mehr auf Pumpen mit einem Ölmotor zurückgreifen müssen. Kleinere Spritzen mit Arbeitsbreiten von 12 bis 15 m können je nach verwendeter Düse und Wasseraufwandmenge auch elektrische Pumpen, die von der Schlepperelektrik gespeist werden, verwenden. Ist die Pumpe dann noch mit einer Fernbedienung ausgerüstet steht der Reinigung im Feld nichts mehr im Wege. Mittlerweile haben sich zwei Hersteller in Deutschland gefunden (www.agrotop.com und www.herbst-pflanzenschutztechnik.de) die sogenannte Nachrüstsets für nahezu alle Spritzenvarianten anbieten und bei der Auslegung für die jeweilige Spritze dem Anwender zur Seite stehen.

Die Grundvoraussetzung für eine Reinigung im Feld ist jedoch das genaue Ansetzen der Spritzbrühe. Denn man geht davon aus, dass die Spritze im letzten Feld leer ist. Dies ist daran zu erkennen, dass der Druck abfällt bzw. aus den Düsen Luft kommt.

Ist dieser Punkt erreicht fährt man in ein unbehandeltes Spritzfenster am Anfang des Feldes. Hier muss nun darauf geachtet werden, dass die Spritzpumpe weiterläuft und der Rücklauf geöffnet ist. Hat man vorher Keile gespritzt müssen die geschlossenen Teilbreiten wieder geöffnet werden, so dass die gesamte Arbeitsbreite verfügbar ist. Somit ist gewährleistet, dass alle flüssigkeitsführenden Teile gereinigt werden. Im Anschluss aktiviert man die Reinigungspumpe und fährt über die unbehandelte Fläche.

Das Prinzip basiert, anders als bei der mehrfachen Verdünnung, auf dem „Herausdrücken“ der Spritzbrühe aus dem System. Hierbei wird in kürzester Zeit die Konzentration im Leitungssystem drastisch verringert. Wichtig dabei ist, dass man nach etwa zwei bis drei Minuten während des Reinigungsvorganges die Düsenleitung mehrfach an- und ausschaltet. Dies ist besonders bei Zirkulations- oder Umlaufsystemen notwendig, da diese während des Spritzbetriebes oft nicht arbeiten und somit eine potentielle Restmenge im System verbleiben könnte. Werden diese Punkte beachtet, kann sichergestellt werden, dass die Spritze für die meisten Folgeanwendungen sauber ist.

Steht ein Wirkstoff- und Kulturwechsel bevor, sollte unter Umständen auch die kontinuierliche Innenreinigung wiederholt werden. Wenn bestimmte Produktgruppen, insbesondere Sulfonylharnstoffe verwendet werden, sollten bei der Reinigung spezielle Reinigungsmittel, wie beispielsweise Agroclean zugesetzt werden, um den Reinigungseffekt zu erhöhen. Setzt man diese Reinigungsmittel im Feld zu und beendet die Reinigung dort, können diese während der Fahrt zum Hof entsprechend einwirken. Füllt man nun das Frischwasserfass erneut und fährt auf eine unbehandelte oder biologisch aktive Fläche, auf der die kontinuierliche Reinigung erneut durchgeführt wird, hat man die Gewissheit, dass die Spritze sauber ist.

Doch am wichtigsten bei allen Reinigungsverfahren ist die zeitnahe Reinigung. Das heißt, dass die Reinigung, welche direkt im Anschluss an die letzte Spritzung durchgeführt wird, die besten Erfolge erzielt. Man darf die Spritze nicht erst einige Tage stehen lassen und dann davon ausgehen, dass man mal eben die Spritze schnell und unkompliziert sauber bekommt. Zweifelsfrei kann man feststellen, dass vor der Behandlung von Raps, Zuckerrüben, Leguminosen und Mais eine intensivere Innenreinigung durchgeführt werden sollte, wenn vorher Sulfonylharnstoffe, Sulfonylharnstoffähnliche, Wuchsstoffe und wuchsstoffhaltige Präparate gespritzt wurden. Vor der Behandlung von Mais sollte man überprüfen ob Gräserherbizide in Getreide, Raps, Rüben und Leguminosen im Behälter waren. Vor der Behandlung von Getreide sollte man sich vergewissern ob nicht Gräserherbizide aus dem Mais, Raps, Rüben und Leguminosen angewandt worden sind. Diese Kombinationen gilt es vor allem bei Lohnunternehmern bzw. Gemeinschaftsgeräten genauesten zu überprüfen, da sonst mit nicht unerheblichen Kulturschäden gerechnet werden muss.

Die Agritechnica 2011 hat gezeigt, dass die Gerätereinigung viele Hersteller beschäftigt. So haben die Firmen Amazone, Innuma, John Deere und Leeb das System der kontinuierlichen Innenreinigung in Ihre Geräte integriert. Andere Hersteller wie Amazone, Dammann, Hardi, Kverneland und Lemken bieten ebenfalls automatisierte, absätzige Verfahren an, die es dem Anwender ermöglichen, ebenfalls von der Kabine aus ferngesteuert, ein Reinigungsverfahren in weniger als 20 min durchzuführen.

Außenreinigung

Für die nachfolgende Außenreinigung stehen prinzipiell drei Verfahren zur Verfügung. Die Waschbürste, vielfach in der Praxis an den Geräten angebracht, erfordert einigen zeitlichen Aufwand, erreicht aber einen guten Reinigungsgrad. Auf Grund des hohen Wasserverbrauchs und der schlechten Erreichbarkeit von Ecken und Kanten an der Spritze ist die Bürste nicht die optimale Ausstattung zur Reinigung. Alternativ kann eine Spritzpistole bzw. -lanze mit einer Flachstrahldüse verwendet werden. Beide Systeme können direkt an der Armatur angeschlossen werden und nutzen die eigene Pumpe des Gerätes. Daher kann man von einer kostengünstigen Variante sprechen, die es dem Landwirt ermöglicht auch seine Spritze mit solch einem System nachzurüsten.

Gerätehersteller setzen im höheren Preissegment vermehrt auf eine Reinigung durch einen am Gerät mitgeführten Hochdruckreiniger. Dies bedeutet, dass hier durch eine entsprechende Hochdruckpumpe und Spritzlanze mit dem mitgeführten Klarwasser das Gerät bequem von außen gereinigt werden kann. Jedoch stellt diese Lösung eine etwas kostspieligere Variante zur Nachrüstung an einer schon vorhandenen Spritze dar (ca. 1500 €). Beide Varianten ermöglichen aber dem Landwirt auf eine bequeme Art zeitnah seine Spritze komplett im Feld zu reinigen.

Seit der letzten Agritechnica hat Amazone als erster Hersteller ein automatisiertes Gestängereinigungssystem (boom wash) vorgestellt. Im Moment nur für den Pantera (Selbstfahrer) verfügbar, aber sicherlich eine Option, die vielleicht durch erhöhte Nachfragen auch in die anderen Baureihen Einzug halten kann. Dieses System ermöglicht es dem Anwender, sein Gestänge von der Kabine aus über ein unter dem Gestänge laufenden Düsenverband bequem zu säubern. Verwendet man schon während der Spritzung abdriftreduzierte Düsen, wird die Kontamination der Spritze schon zur Zeit der Anwendung deutlich verringert. Dadurch kann die Aussenreinigung schwerpunktmäßig auf Reifen und stark kontaminierte Teile gelenkt werden. Natürlich darf diese Reinigung nicht unmittelbar an einem wasserführenden Graben oder Bach durchgeführt werden.

Fazit

Führt man die komplette Reinigung der Spritze wie beschrieben im Feld durch, kommt man zweifellos aus der öffentlichen Schusslinie. Denn nun kann nicht mehr argumentiert werden, dass man Pflanzenschutzmittelreste über die Hofabläufe in Gewässer einbringen könnte. Abschließend ist hervorzuheben, dass trotzdem darauf geachtet werden sollte, die Spritze nach der Reinigung möglichst unter einem Dach abzustellen.

Autor: Harald Kramer