Mehrwert auf dem Acker: So gelingt der Zwischenfruchtanbau unter düngerechtlichen und fachlichen Aspekten in 2026




Zwischenfrüchte erfüllen vielfältige Aufgaben
Der Anbau von Zwischenfrüchten nach Ernte der letzten Hauptfrucht („Winterzwischenfrucht“) erfüllt viele Zwecke, wobei der Praktiker ein oder gleichzeitig mehrere Ziele verfolgt. Eine gut etablierte Zwischenfrucht stellt in erster Linie eine Bodenbedeckung dar und schützt den Boden vor Erosion, verhindert gleichzeitig die Verdunstung und hemmt das Wachstum und die Verbreitung von Unkräutern bzw. -gräsern. Mit ihren Wurzelausscheidungen, den lebenden und später abgestorbenen Pflanzenorganen fördern sie die Bodengesundheit und tragen zum Humuserhalt oder auch Humusaufbau bei. Durch das Wurzelwachstum wird der Boden horizontal und v.a. vertikal gelockert, werden Verdichtungen aufgebrochen und Porenraum für Wasser, Luft und Kanäle für Bodentiere (u.a. Regenwurm) geschaffen. Kommt die Zwischenfrucht noch zur Blüte, dient sie zahlreichen Insekten als Nahrungsquelle. Aber auch ohne Blüte bildet das oberirdische Blatt- und Stängelwerk einen idealen Rückzugsort (Deckung) und Futter (Äsung) für Wildtiere. Manche Zwischenfruchtarten haben darüber hinaus die Eigenschaft, Nematoden zu reduzieren, indem sie diese anlocken und „fangen“. Dies ist z.B. für den Zuckerrübenanbau eine wichtige Eigenschaft.
Aus Sicht des Gewässerschutzes stehen neben dem Thema Erosion meist die Funktion der Nährstoffbindung und späteren -mobilisierung an oberster Stelle. Nährstoffe, die nach der Ernte der letzten Hauptfrucht im Bodensystem übrigbleiben (v.a. Rest-Nmin) oder im Zuge der Bodenbewegung (Rodung, Nacherntemanagement) und Mineralisation in pflanzenverfügbarer Form erst entstehen, sollen von den Zwischenfrüchten aufgenommen und konserviert werden. So können diese im besten Fall vollumfänglich der nächsten Kultur (meist eine Sommerung) für ihr Wachstum zur Verfügung stehen. Werden Leguminosen in Mischungen oder als Reinkultur als Zwischenfrüchte angebaut, wird zusätzlicher Stickstoff aus der Luft gebunden und der nachfolgenden Kultur bereitgestellt.
Im konkreten Falle von Nitrat-Stickstoff verfolgen Vorgaben zum Zwischenfruchtanbau vor allem umweltpolitische Ziele (u.a. Umsetzung der EU-Nitratrichtlinie). Dieses negativ geladene Molekül ist im Boden sehr mobil und kann potenziell mit der Wasserbewegung in das Oberflächen- oder Grundwasser gelangen. Aus diesem Grund wird der Anbau von Winterzwischenfrüchten auch von vielen Wasserkooperationen in NRW seit Langem gefördert.
Was ist in punkto Düngung von Zwischenfrüchten nach aktuellem Düngerecht zu beachten?
Anfang des Jahres ist NRW dem Beispiel vieler anderer Landesregierungen gefolgt und setzt aufgrund des Urteils des Bundesverwaltungsgerichtes die zusätzlichen Verpflichtungen in den Nitratbelasteten und Eutrophierten Gebieten bis auf Weiteres aus. Was aber bedeutet die Entscheidung in Bezug auf den Zwischenfruchtanbau und deren Düngung nun konkret? In erster Linie gelten dadurch in den Nitratbelasteten Gebieten („Rote Gebiete“) die gleichen Regeln wie in den nicht Nitratbelasteten Gebiete („Grüne Gebiete“). Eine Pflicht zum Anbau einer Zwischenfrucht vor der Ansaat einer Sommerung, wie bisher in roten Gebieten, besteht somit derzeit nicht.
Generell ist das Aufbringen von Düngemitteln mit wesentlichem Stickstoff-Gehalt auf Ackerland ab der letzten Hauptfruchternte bis einschließlich 31. Januar verboten. Für Zwischenfrüchte vor einer Sommerung gilt eine Ausnahme: Sie dürfen mit Stickstoff gedüngt werden, wenn ein Düngebedarf besteht – was nur nach Getreidevorfrucht und bei einem geringen Leguminosenanteil (< 50 %) in der Zwischenfrucht der Fall ist. Der Düngebedarf liegt dann pauschal bei 60 kg N/ha. Darüber hinaus muss die Aussaat bis zum 15.09 und die Düngung bis zum 1.10 erfolgen, maximal mit 60 kg Gesamt-N/ha oder 30 kg Ammonium-N/ha. Die letztere Beschränkung hat zur Folge, dass beim Einsatz von Organik der Düngebedarf unter Umständen nicht komplett ausgeschöpft werden kann.
Die Zwischenfrucht darf damit nach einer Blattkultur wie beispielsweise Raps, Kartoffeln, Mais, Leguminose oder Gemüse nicht gedüngt werden – was auch aus fachlicher Sicht sinnvoll ist. Diese Vorkulturen stellen i.d.R. genügend pflanzenverfügbaren Stickstoff nach der Ernte durch Erntereste und ggf. Bodenbewegung (Rodung) für eine Etablierung von Zwischenfrüchten bereit.
Werden zu Zwischenfrüchten wesentliche Nährstoffmengen an Stickstoff und Phosphat gedüngt, so ist vor der Düngung eine Düngebedarfsermittlung für Stickstoff und Phosphat zu erstellen und die Düngemaßnahme später zu dokumentieren. Für die Folgekultur müssen entsprechend Abschläge angerechnet werden. Wenn organische Düngemittel ausgebracht werden, ist zu beachten, dass es sich um Mehrnährstoffdünger handelt, die auch Phosphat enthalten. Für diesen Nährstoff darf der Düngebedarf dabei über die Fruchtfolge gerechnet werden, da Zwischenfrüchte ohne Futternutzung keinen eigenen Phosphatbedarf haben. Für die Düngebedarfsermittlung sowie Dokumentation steht Ihnen z.B. das Düngeportal NRW zur Verfügung.
Detaillierte Informationen zur Düngung im Herbst (Sperrfristregelung), dem Düngeportal NRW sowie dem Aussetzen der zusätzlichen Verpflichtungen in Nitratbelasteten Gebieten finden Sie unter www.duengung-nrw.de
Im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) stellt der Anbau von Zwischenfrüchten eine von vielen Möglichkeiten beim GLÖZ 6 dar, eine Bodendeckung über die Wintermonate umzusetzen. In diesen Fällen sind neben den düngerechtlichen Bedingungen zudem die GLÖZ-Anforderungen zu beachten.
Zwischenfrüchten bringen, wie zuvor beschrieben, zahlreiche pflanzenbauliche und umweltrelevante Vorteile mit sich, sodass ihr Anbau auch ohne Verpflichtung wie in der Vergangenheit in Nitratbelasteten Gebieten in sehr vielen Fällen Sinn ergibt. Derzeit sollte aufgrund der überdurchschnittlich hohen Mineraldüngerpreise eine Hauptmotivation sein, Nährstoffe zu binden und ins nächste Jahr hinüberzuretten. Die im Boden vorhandenen Nährstoffe sollten effektiv genutzt und für die Versorgung der Folgekultur und ganzen Fruchtfolge mobilisiert werden. Dies trifft in besonderem Maße mit Nährstoffen auf überversorgten (Gehaltsklasse D und E) Böden zu. Hier helfen die Zwischenfrüchte dabei, die vorliegenden Nährstoffreserven zu mobilisieren und pflanzenverfügbar zu machen. Die Mobilisierung der im Boden vorliegenden Nährstoffe wird in erster Linie durch Aufnahme und Biomassebildung umgesetzt. Zu einer effektiven Nährstoffaufnahme tragen im Wesentlichen die Wurzelarchitektur sowie die von den Pflanzen ausgeschiedenen Stoffe, wie Enzyme und organische Säuren bei. Diese Stoffe sorgen dafür, dass gebundene Nährstoffe in Lösung gehen und von den Pflanzen aufgenommen werden können. Die durchschnittlich für die Folgekultur bereitgestellten Nährstoffmengen belaufen sich, abgeleitet aus vom Bundesministerium für Landwirtschaft geförderten Projekt Catchy, bei Ackersenf und Einfachmischungen (vier Komponenten) auf ca. 40 kg N/ha, 36 kg K2O/ha und 11,5 kg P2O5/ha. Bei Zwischenfruchtmischungen mit mehr als vier Komponenten konnten den Folgekulturen sogar noch höhere Nährstoffmengen bereitgestellt werden. Zusammengerechnet ergibt dies alleine schon einen beträchtlichen Nährstoffwert, der nicht mehr aktiv und teuer gedüngt werden muss. In den langjährigen Zwischenfruchtversuchen des Projektes hat sich gezeigt, dass die Nährstoffauswaschung mit Hilfe eines Zwischenfruchtanbaus um 80 bis 90% gegenüber einer Brachfläche sank. Des Weiteren wurde festgestellt, dass die Nährstoffwirkung nicht nur im Folgejahr auftritt, sondern sich auf die gesamte Fruchtfolge auswirkt und der Landwirt auch mittel- und langfristig (bei wiederkehrendem Zwischenfruchtanbau) Düngemittel einsparen kann.
Worauf kommt es bei der Etablierung an und wann ist ein fachlicher Düngebedarf gegeben
Die Zwischenfrüchte schaffen es nur, die oben aufgeführten Leistungen zu erbringen, wenn entsprechende Bedingungen erfüllt sind. Neben der richtigen Zwischenfruchtart oder -mischung für den jeweiligen Standort ist der geeignete Saattermin und insbesondere die Saatbettbereitung von Bedeutung. Die Witterung nach der Aussaat spielt eine entscheidende Rolle für das Auflaufen und das Etablieren der Kultur. Bei immer kürzer und kühler werdenden Tagen ab dem Erntezeitpunkt der letzten Hauptfrüchte ist eine frühe Aussaat der Zwischenfrüchte essentiell. Neue Methoden, z.B. mit Hilfe von Agrar-Drohnen, erlauben mittlerweile sogar eine Aussaat noch vor der Ernte. Wintergerste ist im Vergleich zu Winterweizen frühräumend und auch weniger wasserzehrend, sodass diese Getreideart gute Ausgangsbedingungen für das Etablieren einer Zwischenfrucht bereitet. Hinzu kommt, dass Gerstenstroh besser umgesetzt wird als beispielsweise Weizen- oder Roggenstroh. Stellt Weizen die Vorkultur dar, kann die Auswahl einer kurzstrohigen, frühreifen Weizensorte zur erfolgreichen Ansaat einer Zwischenfrucht beitragen. Aber auch schon bei der Bestandesführung des Winterweizens kann auf den Etablierungserfolg einer nachfolgenden Zwischenfrucht hingearbeitet werden, durch einen frühen Aussaattermin, ein effizientes Stickstoffmanagement, das Vermeiden von Lagerbildung sowie eine Ernte bei niedriger Luftfeuchtigkeit (Ernte tagsüber; nicht in den Abend- und Nachtstunden).
In punkto Nährstoffe sollen die Zwischenfrüchte, wie bereits beschrieben, die im Spätsommer und Herbst bereits pflanzenverfügbaren und verfügbar werdenden Nährstoffe aufnehmen und mobilisieren. Diese Leistung kann von den Zwischenfrüchten jedoch nur erbracht werden, wenn diese vital und gut entwickelt sind. Mit Hilfe eines tiefen und verzweigten sowie arttypischen Wurzelapparates können dann auch Nährstoffe mobilisiert werden. Für ihr eigenes Wachstum benötigt die Zwischenfrucht selber auch Nährstoffe, insbesondere Stickstoff. Blattkulturen als Vorkultur stellen i.d.R. genügend Stickstoff bereit.
Ziel sollte es bei einer Getreidevorfrucht sein, die Bestände auch ohne eine aktive Düngung in Gang zu bekommen, weswegen alle oben beschriebenen Voraussetzung erfüllt sein sollten. Wichtig ist es, im Falle einer Getreidevorfrucht eine Stickstoffsperre zu vermeiden. Hierbei spielt das richtige Nachernte-Management eine entscheidende Rolle. Verbleibt nach der Getreideernte das Stroh auf der Fläche, kann dies bei unzureichender Verteilung und Einmischung in den Boden zu einer nicht zu unterschätzenden Stickstoff-Immobilisierung führen. Je weniger intensiv der Boden bearbeitet werden soll (v.a. bei Mulchsaaten), desto wichtiger ist ein Zerkleinern und ein homogenes Verteilen der Strohmengen im Oberboden. Mit einem Einarbeiten des Strohs in den Oberboden setzt man auf einen Verdünnungseffekt und bringt den Mineralkörper des Bodens sowie das Bodenleben in Kontakt mit dem Kohlenstoff. Stroh hat ein sehr weites C:N-Verhältnis von ca. 80:1 bis 100:1. Dabei liegt der Kohlenstoff weitestgehend in der Cellulose des Strohs gebunden vor. Die Cellulose zerkleinernden Bakterien benötigen jedoch ein C:N-Verhältnis von unter 20:1. Kann eine ausreichende Einmischung des Strohs in den Boden nicht gewährleistet werden oder falls außerordentlich hohe Mengen an Stroh an kann eine Bereitstellung von Stickstoff mit Hilfe einer aktiven Düngung von 0,5-1 kg pro dt Stroh hilfreich sein. Können die oben genannten Punkte in Bezug auf das Strohmanagement nicht umgesetzt werden, sollte im Zweifel über eine Strohbergung nachgedacht werden, um die erfolgreiche Etablierung eines homogenen und vitalen Zwischenfruchtbestandes nicht zu gefährden.
Neben dem Strohmanagement gilt es auch, das Ausfallgetreide in den Griff zu bekommen, da dieses mit den Zwischenfrüchten um Nährstoffe und Licht konkurriert. Es sollte deshalb schon mit geringen Druschverlusten bei der Ernte begonnen werden. Mit einer ersten flachen Bodenbearbeitung wird das Ausfallgetreide zum Auflaufen angeregt. In einem zweiten Arbeitsschritt werden dann neben den aufgelaufenen Pflanzen, auch die Erntereste sowie die ggf. aufgebrachten Düngemittel tief in den Boden eingemischt, wobei sich der Verdünnungseffekt verstärkt. Anhand der gemessenen Nmin-Werte des Nitratdienstes NRW ist in den meisten Jahren sehr gut nachvollziehbar, dass nach der ersten, flachen Bodenbearbeitung vergleichsweise wenig und nach der zweiten, tieferen Bearbeitung größere Mineralisationsschübe vonstattengehen. Neben der Durchmischung von organischem und anorganischem Material wird der Boden während der Arbeitsgänge belüftet. Dies führt am besten in Kombination mit Feuchtigkeit zu einem günstigen Mikroklima für das Bodenleben, sodass die Erntereste entsprechend schnell umgesetzt werden. Bei gutem Ernterestmanagement, einer gewissen Bodenbewegung sowie einem günstigem Witterungsverlauf wird in der Regel genügend Stickstoff für die Entwicklung von entsprechenden Zwischenfruchtbeständen freigesetzt. Eine Düngung ist dann nicht notwendig.
Besteht ein Düngebedarf, sollte die erste Wahl auf die betriebseigenen oder importierten Wirtschaftsdünger fallen, da Mineraldünger derzeit sehr teuer sind. Der Vorteil bei Gülle sowie bei Gärresten ist, dass der verfügbare Stickstoff in der Ammoniumform vorliegt, der von den Mikroorganismen im Boden gegenüber Nitrat bevorzugt wird. Hinzu kommt, dass diese Düngemittel Mehrnährstoffdünger sind, die bei der Anwendung ihren Beitrag zur Grunddüngung des Standortes und der Fruchtfolge beitragen. Auch die Grundnährstoffe werden von den Zwischenfrüchten umgesetzt. Falls eine organische Düngung zur Zwischenfrucht nicht möglich ist, sollte eine Düngung mit Mineraldüngern wohlüberlegt sein. Sie kann aber im Einzelfall, wenn zum Beispiel hohe Strohmengen etwa nach hohen Kornerträgen auf der Fläche verbleiben oder lediglich eine Minimalbodenbearbeitung stattgefunden hat, zum Game-Changer werden, weil das C:N-Verhältnis zugunsten der Umsetzung verbessert wird. Auch in diesem Fall sollte auf einen ammoniumhaltigen N-Dünger gesetzt werden.
Als Fazit bleibt festzuhalten, dass, wenn zentrale Aspekte bei dem Nacherntemanagement der Vorfrucht und Etablierung der ZF beachtet werden, können diese einen Beitrag zu rentablen und umweltverträglichen Produktionssystemen leisten.