Nmin-Richtwerte für Winterungen 2020

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Die eigene Nmin-Probe führt am ehesten zu einer Aussage über den Nmin-Vorrat auf der eigenen Fläche

Wie hoch ist der Stickstoffvorrat?

Die Nmin-Richtwerte für die Winterungen wurden in KW 9 ermittelt / Nmin-Wert muss bei Düngebedarfsermittlung (DBE) von Stickstoff einbezogen werden / DBE und Nmin-Wert gehören zu den Dokumentationspflichten und müssen sieben Jahre aufbewahrt werden

Die Sperrfrist für das Ausbringen von Düngemitteln mit einem wesentlichen Stickstoffgehalt ist bereits beendet und die Startdüngung zu den Winterungen steht an. Der bedeutendste Nährstoff für Pflanzen ist zweifelsfrei Stickstoff. Er wird mengenmäßig am meisten aufgenommen und ist ertragsgebend. Gleichzeitig spielt er eine große Rolle für die Umwelt, da er in Form von Nitrat leicht ausgewaschen und in das Grundwasser gelangen kann. Die gute fachliche Praxis in Form der Düngeverordnung (DüV) verlangt, dass der Landwirt vor der Düngung wissen muss, wie hoch der mineralische Stickstoffgehalt (Nmin-Gehalt) im Boden ist. Vor der Düngung muss mit Hilfe einer schriftlichen Düngebedarfsermittlung (DBE) ermittelt werden, wie hoch der Düngebedarf ist. Bei dieser Berechnung wird der Nmin-Gehalt eingerechnet.

Nmin-Gehalt aller drei Bodenschichten wird bei DBE angerechnet

Nach Ende der Sperrfrist und zu Beginn der Vegetationsperiode werden von der Landwirtschaftskammer die bereits bei der Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt NRW (LUFA NRW) vorliegenden anonymisierten Nmin-Ergebnisse ausgewertet. Dabei wird eine Unterteilung in verschiedene Bodenartengruppen (leicht, mittel, schwer), in die jeweils angebauten Kulturen sowie eine Unterteilung in die Vorkulturen (Blatt- oder Halmfrucht) vorgenommen. Es findet außerdem eine Differenzierung in die drei Bodenschichten 0-30, 30-60 und 60-90 cm statt. Die DüV gibt vor, dass bei der DBE für alle ackerbaulichen Kulturen der Nmin-Vorrat aus allen drei Bodenschichten angerechnet wird. Ausnahmen gibt es bei flachgründigen, Böden, wo untere Bodenschichten nicht durchwurzelbar sind. Wie unterschiedlich sich der Nährstoff auf die Schichten verteilt spielt allgemein für die Anrechnung keine Rolle.

Verschiedene Möglichkeiten der Herleitung des Nmin-Gehaltes 

Der Landwirt hat die Möglichkeit, sich bei der Ermittlung des Nmin-Wertes verschiedener Methoden zu bedienen. Eine Möglichkeit stellen die veröffentlichten Nmin-Richtwerte dar. Ein Richtwert stellt allerdings immer nur einen Mittelwert aus einer bestimmten Stichprobe dar. Die Streuung der Werte ist erfahrungsgemäß sehr hoch. Die individuellen Standortgegebenheiten können durch die Richtwerte nicht repräsentiert und abgebildet werden. Generell lautet die Empfehlung, eine eigene Nmin-Probe auf seinen Flächen zu ziehen oder ziehen zu lassen. Die Analyse sollte für diesen Zweck in einem akkreditierten Prüflabor, wie z.B. der LUFA NRW, durchgeführt werden. Neben dem Richtwert ist die eigene Nmin-Probe die zweite zugelassene Methode zur Ermittlung des Nmin-Vorrates für die DBE.

DBE und Nmin-Gehalt gehören zu den Dokumentationspflichten

Die Nmin-Richtwerte für 2020 ersetzen die vorläufigen, 5-jährigen Nmin-Richtwerte, welche bis zur Veröffentlichung der aktuellen Richtwerte für die Erstellung der DBE verwendet werden konnten. In den Vollzugshinweisen zur DüV in NRW ist geregelt, dass die DBE nur dann angepasst werden muss, wenn der aktuelle Nmin-Richtwert um mehr als 10 kg/ha vom 5-jährigen Mittel abweicht. In Tabelle 1 mit den aktuellen Nmin-Richtwerten für die Winterungen 2020 ist farblich markiert, in welchen Fällen sich eine relevante Abweichung ergibt und wo daraufhin die DBE angepasst werden muss.

Die DBE muss schriftlich nach den Vorgaben der DüV dokumentiert werden. Für die Kontrolle nach Düngefachrecht (DüV) sowie für die Kontrolle nach Cross Compliances (CC) muss sie außerdem sieben Jahre lang aufbewahrt werden!

Für Erstellung der DBE stehen verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung

Dem Praktiker stehen für die Dokumentation von Seiten der Landwirtschaftskammer verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung. Neben einem Papierformular werden ihm zwei EDV-Anwendungen „NPmax“ sowie die „Kleine Excelanwendung“ bereitgestellt. Die aktuellen Nmin-Richtwerte für 2020 sind in NPmax, jedoch nicht in dem anderen Programm hinterlegt; hier muss eine manuelle Anpassung erfolgen. Die Anpassung der DBEs aufgrund von abweichenden aktuellen Nmin-Werten gegenüber den vorläufigen Nmin-Richtwerten (5-jährige Mittelwerte) kann bei NPmax außerdem bequem per Tastendruck vollautomatisch erledigt werden. Ein Handbuch mit den Regeln zur DBE ist ebenfalls auf der genannten Internetseite verfügbar. Das Handbuch zur DBE ist u.a. Bestandteil der Vollzugshinweise zur DüV in NRW.

Die mit Hilfe der DBE ermittelte Düngemenge an Stickstoff stellt die für den Schlag maximal erlaubte Menge dar. Die Wahl des Düngemittels, der Düngezeitpunkt sowie welche Düngestrategie (Gabenteilung und Gabenhöhe) verfolgt wird, bleibt unter Berücksichtigung der sonstigen Regeln der DüV eine unternehmerische Entscheidung.  

Durchschnittliche Niederschlagsummen und zu hohe Temperaturen

Niederschlagsmengen und Temperatur prozentual Winter 2018 / 2019 an den Nitratmessstationen
Abbildung 1: Witterung während der Wintermonate 2019/2020 an der Station Kleve: Niederschlagssummen und durchschnittliche Temperaturen im Vergleich zum langjährigen Mittel
Niederschlagsmengen und Temperatur prozentual Winter 2018 / 2019 an den Nitratmessstationen
Abbildung 2: Witterung während der Wintermonate 2019/2020 an der Station Bad Salzuflen: Niederschlagssummen und durchschnittliche Temperaturen im Vergleich zum langjährigen Mittel

Abbildung 1 zeigt beispielhaft die während der einzelnen Wintermonate 2019/2020 ermittelten Niederschlagssummen sowie durchschnittlichen Temperaturen an der Station Kleve, Abbildung 2 an der Station Bad Salzuflen. Im Vergleich dazu werden gestrichelt die im langjährigen Durchschnitt (1981 bis 2010) erzielten Werte abgebildet.

Bezüglich der mittleren Temperaturen zeigt sich, dass diese in den ersten drei aufgezeigten Monaten September, Oktober und November durchschnittlich ausfielen. Die Monate Dezember, Januar und Februar waren dahingegen deutlich wärmer im Vergleich zum langjährigen Mittel. Der Februar zeigt dabei die größte Abweichung. Die milden Temperaturen haben dazu geführt, dass es kaum Frosttage oder Schneefall gab. Ohnehin war kaum eine Vegetationsruhe gegeben in diesem Winter. Die Vegetationszeit in 2019 war landesweit von einem absoluten Niederschlagsdefizit geprägt. Ab Ende September kam es dann zu Niederschlägen, die den Bodenvorrat nach und nach auffüllten.

An der Wetterstation Kleve wurden in den ersten vier Monaten mehr oder weniger durchschnittliche Niederschlagssummen erzielt. Der Januar erbrachte jedoch an diesem Standort deutlich geringere Summen als im langjährigen Durchschnitt. Dafür kam es im Februar zu deutlich mehr Niederschlag, wobei überdurchschnittliche Summen erzielt wurden.

In Bad Salzuflen wurden im Oktober nach einem noch unterdurchschnittlichen September sehr hohe Niederschlagssummen erzielt. Die Abweichungen im Dezember und Januar zum Durchschnitt waren dann gar nicht so groß, wohingegen der Januar deutlich zu trocken ausfiel. Im Februar wurden an dieser Station dann hingegen leicht überdurchschnittliche Mengen erzielt.

Insgesamt wurden an den Wetterstationen in NRW während der Wintermonate mehr oder weniger durchschnittliche Niederschlagssummen erzielt. Die Durchfeuchtung fand auf den mittleren und schweren Böden bislang jedoch meist nur im Oberboden statt. In tieferen Schichten ist immer noch ein Defizit vorhanden.

Die in den letzten Monaten deutlich zu warmen Temperaturen haben in Kombination mit dem Niederschlag zur geringfügigen Aufnahme an Stickstoff durch die Kulturpflanzen einerseits und zur Bildung von mineralischem Stickstoff aus der organischen Substanz mit Hilfe der Mikroorganismen (Mineralisation) andererseits geführt. Nicht zuletzt konnte anteilig mobiler Nitratstickstoff auch in tiefere Bodenschichten verlagert werden, sofern eine Sickerwasserbildung eintrat. Somit haben bis dato mehrere Prozesse parallel stattgefunden, die Einfluss auf die Stickstoffdynamik nahmen.

Viele der abgebildeten Richtwerte für die Winterungen 2020 fallen niedriger aus als die aus 2019, denen ein Winter mit deutlich weniger Niederschlag vorausging. Auffällig ist außerdem, dass bei vielen Konstellationen ein Großteil des Stickstoffs in der untersten Bodenschicht (0 bis 90 cm) vorkommt, was auf die beschriebenen Vorgänge zurückzuführen ist. Aufgrund eines geringen Stichprobenumfangs wurden die mittleren und schweren Bodenarten zusammengefasst ausgewertet. In welchen Fällen sich eine Abweichung von mehr als zehn kg/ha Nmin gegenüber dem vorläufigen Richtwert ergibt, ist farbig hinterlegt.

BodenartHauptkulturVorkultur*0-30 cm30-60 cm60-90 cmƩ 0-90 cm 5j. Mittel
0-90 cm
leichter Boden
(S, lS, sU)
WinterweizenBlatt 1011 1434 32
Halm 1011 1637 30
WintertriticaleBlatt6 614 2630
Halm 95 2135 30
WintergersteBlatt6 311 2020
Halm 65 1122 21
WinterroggenBlatt8 613 2639
Halm 96 722 35
WinterrapsBlatt7 713 2731
Halm 86 1226 31
NN Winteralle8 713 2732
mittlerer Boden
(sU, ssL, sL, lU, uL, L)
WinterweizenBlatt12 1624 5244
Halm 1214 2147 42
WintertriticaleBlatt13 1227 5235
Halm 1514 3059 35
WintergersteBlatt6 59 2024
Halm 77 822 24
WinterroggenBlatt11 1318 4231
Halm 1113 1842 30
WinterrapsBlatt9 63 1824
Halm 96 318 24
NN Winteralle10 1115 3633
schwerer Boden
(utL, tL, T)
WinterweizenBlatt 1216 2452 41
Halm 1214 2147 37
WintertriticaleBlatt13 1227 5254
Halm 1514 3059 45
WintergersteBlatt6 59 2031
Halm 77 822 39
WinterroggenHalm 11 13 1842 41
WinterrapsHalm 9 6 318 41
NN Winteralle10 1115 3641

NN: Nich gelistete Kulturen;
farbig hinterlegt: Abweichung von mehr als 10 kg/ha Nmin gegenüber 5-jährigen Mittelwert 

Autor: Holger Fechner