Nitratdienst Juni 2026

Mais im Juni 2025Bild vergrößern
Nmin-Werte in Mais hängen von vielen Faktoren ab, dies zeigt auch die Schwankungsbreite.

Entwicklung der Kulturen und Nmin-Dynamik

Die Ackerbaukulturen des Jahres 2026 sind insgesamt gut etabliert. Wintergerste befindet sich bereits weit in der Abreife. Die Bestände haben sich unter den gegebenen Witterungsbedingungen insgesamt positiv entwickelt. Insbesondere Sommerungen wie Kartoffeln, Zuckerrüben und Mais profitierten von den Niederschlägen. In Wintergerste liegen die Nmin-Werte – mit Ausnahme eines Ausreißers in Bad Münstereifel – im Mittel bei rund 21 kg N/ha. Für Roggen ergibt sich ein durchschnittlicher Wert von 9 kg N/ha. In beiden Kulturen ist in den Bodenschichten von 30 bis 90 cm kaum mineralischer Stickstoff nachweisbar, was auf eine weitgehende Aufnahme des Stickstoffs hindeutet. Im Winterweizen sind je nach Aussaattermin und Sorte unterschiedliche Entwicklungsstadien zu beobachten. Insgesamt ist jedoch davon auszugehen, dass die Bestände die Teigreife erreicht haben. In dieser Phase erfolgt der verstärkte Einbau des aufgenommenen Stickstoffs in das Korn. Entsprechend zeigen sich – analog zu den übrigen Winterungen – fast ausnahmslos Nmin-Werte im unteren zweistelligen Bereich.

Sommerkulturen

Bei Zuckerrüben hat die Bestandsentwicklung deutlich an Dynamik gewonnen. Parallel dazu steigt die Stickstoffaufnahme der Pflanzen, was sich auch in den Nmin-Werten widerspiegelt. Mit dem Reihenschluss nimmt die Bodenerwärmung ab, wodurch die Aktivität der Bodenmikroorganismen und damit die Stickstoffmineralisation zurückgeht. In Abhängigkeit von der Höhe der N-Düngung bewegen sich die Nmin-Gehalte zwischen 37 und 150 kg N/ha. In Kartoffeln zeigt sich ein vergleichbares Bild. Auf einer Referenzfläche in Borkenwirthe wurden Nmin-Werte von bis zu 320 kg N/ha gemessen. Bereits Anfang März wurden dort etwa 160 kg Gesamtstickstoff je Hektar in Form von Gülle appliziert. In Kombination mit hohen Mineralisationsraten ist ein Anstieg des Nmin-Gehaltes von 93 auf 320 kg N/ha plausibel. Bemerkenswert ist die Verlagerung des mineralischen Stickstoffs in tiefere Bodenschichten (30–60 cm). Vor dem Hintergrund der begrenzten Durchwurzelungstiefe der Kartoffeln ist fraglich, inwieweit diese N-Mengen pflanzenverfügbar sind. Insgesamt sind derart hohe Nmin-Gehalte als kritisch zu bewerten, da eine überhöhte Stickstoffversorgung in Kartoffeln mit negativen Effekten auf Lagerfähigkeit und Stärkegehalt der Knollen verbunden ist.

Maisanbau und Bedeutung der organischen Düngung

Der überwiegende Teil der Referenzflächen ist mit Mais bestellt. Die Nmin-Gehalte zeigen hier eine hohe Streuung, die im Wesentlichen auf Unterschiede im Düngungsregime sowie in den Aussaatterminen zurückzuführen ist. Üblicherweise erfolgt zur Saat eine Unterfußdüngung von bis zu 20 kg N/ha, während der Hauptanteil des Stickstoffs über organische Dünger wie Gülle oder Gärreste bereitgestellt wird. Die Höhe der Nmin-Gehalte wird auch durch Vorfruchtwirkungen, organische Düngung im Vorjahr sowie standortspezifische Mineralisationsbedingungen beeinflusst. Insbesondere hohe Nmin-Werte können auf intensive organische Düngung, Zwischenfruchtanbau oder Standorte mit hoher Nachlieferungsleistung zurückgeführt werden. Eine frühzeitige Gülleausbringung führt im Maisanbau häufig zu erhöhten Nmin-Gehalten im Oberboden, da ein Teil des Stickstoffs rasch in pflanzenverfügbare Formen übergeht. Eine nicht bedarfsgerechte Ausbringung – etwa in Form zu hoher Mengen oder ungünstiger Zeitpunkte – kann dazu führen, dass Stickstoff zwar im Boden vorliegt, jedoch nicht vollständig von der Kulturpflanze genutzt wird. Mais hat frühestens erst ab dem Vierblatt-Stadium einen wachsenden Stickstoffbedarf, also etwa vier Wochen nach der Aussaat. Vorher ernährt sich die Pflanze aus den Reserven im Korn und der Unterfußdüngung. In der Folge sinkt die Stickstoffnutzungseffizienz und das Risiko von Verlusten, insbesondere durch Auswaschung, nimmt zu.

Autor: Lukas Otten