Ausnahmen in 2023 zur Fruchtfolge und den Brachen im Rahmen der Konditionalität

Gemäß der durch die EU vorgesehenen Erleichterungen hinsichtlich der Erfüllung der Anforderungen zur Agrarreform im Jahr 2023 haben sich Bund und Länder auf Ausnahmen zu Fruchtwechsel und zur Stilllegung geeinigt. Mittlerweile liegt ein Entwurf der GAP-Ausnahmen-Verordnung vor, in dem die Ausnahmen genauer beschrieben werden.

Fruchtwechsel

Der in den Vorgaben zur Einhaltung der Konditionalitäten hinsichtlich des Fruchtwechsels (GLÖZ 7) wird für das Jahr 2023 nicht angewandt. Somit gelten die Regelungen zum Fruchtwechsel erst ab dem Jahr 2024. In Praxis ist somit in 2023 zum Beispiel der Anbau von Stoppelweizen (Weizen nach Weizen) möglich. Ab 2024 wird allerdings die Fruchtwechsel-Regelung dann voraussichtlich flächengenau gelten.

Stilllegung

Gemäß Verordnungsentwurf wird zwar für 2023 die zu erbringende Flächenstilllegung zur Erfüllung der Konditionalität (GLÖZ 8) nicht ausgesetzt, jedoch werden diese Brache, unter Einhaltung einiger Voraussetzungen zur Erzeugung von bestimmten Kulturen freigegeben. Es kann in 2023 ausnahmsweise die 4%-Konditionalitätenbrache auch erfüllt werden, indem auf den Brachflächen Getreide, Leguminosen oder Sonnenblumen angebaut werden. Diese Regelung gilt ausdrücklich nicht für die Erzeugung von Mais (Getreide), Sojabohnen (Leguminosen), ebenso dürfen auf diesen Bracheflächen keine Zuckerrüben, Kartoffeln, Gemüse, Raps, Kurzumtriebsgehölze oder andere Kulturen angebaut werden.

Des Weiteren dürfen Brachen, die sowohl im Jahr 2021 als auch in 2022 bereits stilllagen (Altbrache), nicht wieder in Produktion genommen, wenn man die Freigabe zur Erzeugung nutzen möchte. Es besteht zwar kein generelles Umbruchverbot von mehrjährigen Altbrachen, die Betriebe die jedoch auch nur eine mehrjährige Brache umbrechen, müssen im Jahr 2023 die 4%-Konditionalitätenbrache ohne Erzeugung vollumfänglich erfüllen. Alte Brachen aus Agrarumweltmaßnahmen (AUM) fallen laut aktuellem Verordnungsentwurf nicht darunter und könnten umgebrochen werden. Waren Flächen bereits in den Jahren 2021 und 2022 stillgelegt, können sie als Konditionalitätenbrache ohne Erzeugung geltend gemacht werden.

Eine Mischung ist, je nach betrieblichen Gegebenheiten, ebenfalls möglich, z.B. werden zur Erbringung der vorgegebenen 4% Stilllegung ein Teil mittels Brache aus nicht umgebrochenen Altbrachen erbracht und ein weiterer Teil der Konditionalitätenbrache (ohne Altbrachen) wird zur Erzeugung genutzt.

Sofern im Betrieb Flächen für die Konditionalitätenbrache in 2023 zur Erzeugung dienen, ist eine gleichzeitige Teilnahme an der freiwilligen Stilllegung im Rahmen der Öko-Regelung im Jahr 2023 nicht möglich. Diese Einschränkung beinhaltet auch die Anlage von Blühstreifen und –flächen im Rahmen der Öko-Regelungen.

Im Antragsverfahren 2023 werden die Antragsteller ihre Konditionalitätenbrachen mit und ohne Erzeugung im Flächenverzeichnis angeben müssen und es ist zu prüfen, ob die 4%-Erbringung an Stilllegung erreicht wird, auch wenn ggf. auf der Brache Getreide angebaut wird. Ob eine Altbrache, eine Fläche in 2021 und 2022 bereits stillgelegt war, wird anhand der Einzelfläche unabhängig vom Bewirtschafter zu überprüfen sein, da auch bei einem Bewirtschafterwechsel der Status der Fläche als Altbrache erhalten.

Es ist zu beachten, dass die hier wiedergegebenen Regelungen auf einem Verordnungsentwurf basieren und ggf. im Rahmen des weiteren Verfahren bis zur endgültig veröffentlichten Verordnung noch angepasst werden können und sich somit Änderungen ergeben können.

Der hier dargestellte Verordnungsentwurf kann beim Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung (BMEL) abgerufen werden:

Stand: 06.09.2022

Autor: Roger Michalczyk