Flächenmonitoring

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Landschaft in Ostwestfalen

Nordrhein-Westfalen hat in 2022 ein satellitengestütztes Flächenmonitoring im Rahmen der EU-Agrarförderung eingeführt. Von der Einführung dieses neuen Prüfansatzes sollen sowohl der Antragsteller als auch die EU-Zahlstelle profitieren. Zusammenarbeit von Antragsteller und EU-Zahlstelle ist gefragt.

Bislang wurden Flächenangaben wie die Kulturart und die Einhaltung weiterer Fördervoraussetzungen für landwirtschaftliche Flächen regelmäßig im Rahmen umfangreicher Vor-Ort-Kontrollen überprüft. Im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik in der EU hat die Europäische Kommission den Rechtsrahmen für ein neues satellitengestütztes Flächenmonitoring geschaffen.

Ziel ist es unter anderem, den Kontrollaufwand vor Ort zu verringern und dem Antragsteller zu helfen, die Anforderungen einzuhalten.

Aktuelles:

Anfang August werden alle Antragsteller über die ersten vorläufigen Ergebnisse informiert. Lesen Sie dazu hier weiter: „Information aller Antragsteller zu den laufenden Auswertungen erstmals im August


Was bedeutet Flächenmonitoring?

Das Flächenmonitoring im Sinne des Agrarförderrechts bezeichnet eine dauerhafte Beobachtung aller beantragten landwirtschaftlichen Flächen anhand von Satellitendaten.

Dabei erfolgen automatisierte Auswertungen von Satellitenbild-Zeitreihen, insbesondere von Sentineldaten aus dem Copernicus-Programm, mithilfe von künstlicher Intelligenz. Die Satellitenbilder haben eine Auflösung von 10 m.

Sollte eine Auswertung auf Grundlage dieser Bilder kein eindeutiges Ergebnis liefern, weil die Fläche möglicherweise zu klein ist, es sich um eine selten angebaute Kulturart handelt oder die Fläche aufgrund der Wetterlage mittels Satellit nicht ausreichend einsehbar war, werden weitere Methoden zur Aufklärung hinzugenommen. Als weitere Aufklärungsmethoden kommen automatisierte und manuelle Auswertungen höher aufgelöster Bilder mit einer Auflösung von 3 m oder schnelle Feldkontrollen vor Ort in Betracht.


Was wird in NRW per Satellit kontrolliert?

Das Flächenmonitoring wird in Nordrhein-Westfalen für alle flächenbezogenen Fördermaßnahmen angewendet. Konkret sollen in diesem Jahr folgende Fördervoraussetzungen über Satellitenbilder geprüft werden:

  • Richtigkeit der im Flächenverzeichnis angegebenen Kulturart
  • Durchführung der Mindesttätigkeit auf Brachen/ Streifen
  • Durchführung der landwirtschaftlichen Tätigkeit auf Dauergrünland
  • Ganzjährige Beihilfefähigkeit der Flächen

Ausführlichere Informationen zu den über das Flächenmonitoring zu prüfenden Fördervoraussetzungen erhalten Sie hier:

Für jeden Schlag bzw. Teilschlag ist die Hauptnutzung bzw. die Hauptkultur im jeweiligen Antragsjahr anzugeben. Darunter ist die Kultur zu verstehen, die sich im Zeitraum 01.06. - 15.07. am längsten auf dem Schlag befindet. Von der Ernte oder dem Umbruch einer Kultur bis zur Aussaat der nachfolgenden Kultur ist grundsätzlich weiterhin die geerntete oder umgebrochene Kultur maßgeblich. Die Angabe der Hauptkultur erfolgt anhand einer Liste der zulässigen Fruchtarten (siehe Sammelantrag 2022 - Verzeichnis der Frucht- und Kulturarten PDF-Datei ).

Aufgabe des Antragstellers in Kurzform:
Hauptkultur im Flächenverzeichnis angeben

Bis zum 15.11. eines jeden Kalenderjahres ist auf Brachen und Streifen die landwirtschaftliche Mindesttätigkeit, also eine Mindestpflege, durchzuführen.

Diese Mindesttätigkeit liegt vor, wenn der Betriebsinhaber die Fläche mindestens einmal im Jahr gemäht und den Aufwuchs abgefahren hat oder der Aufwuchs zerkleinert und ganzflächig verteilt wird. Diese Tätigkeit ist jedoch in dem Zeitraum vom 01. April bis zum 30. Juni eines Jahres verboten.

Aufgabe des Antragstellers in Kurzform:
Brachen und Streifen mähen/ mulchen/ häckseln bis 15.11

Dauergrünland muss jährlich für die landwirtschaftliche Erzeugung genutzt werden.

Die landwirtschaftliche Tätigkeit auf Dauergrünland liegt vor, wenn der Betriebsinhaber die Fläche mindestens einmal jährlich gemäht hat oder aber die Fläche zur Beweidung genutzt hat.

Aufgabe des Antragstellers in Kurzform:
Dauergrünland jährlich mähen oder beweiden

Eine Fläche ist dann beihilfefähig, wenn sie zwischen dem 01. Januar und dem 31. Dezember des Antragsjahres, also das gesamte Jahr über, hauptsächlich landwirtschaftlich genutzt wird. Hauptsächlich landwirtschaftlich genutzt werden kann eine Fläche, wenn sie durch die Intensität, Art und Dauer oder den Zeitpunkt einer nichtlandwirtschaftlichen Tätigkeit nicht eingeschränkt wird. Wesentlich  ist dabei der Erhalt der Flächen in einem guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand. Eine Fläche wird der landwirtschaftlichen Nutzung z. B. dann dauerhaft entzogen - und verliert damit ihre Beihilfefähigkeit - wenn auf ihr ein Haus oder eine Straße gebaut wird,auch wenn diese Bauvorhaben erst nach der Ernte durchgeführt werden.

Eine kurzfristige nichtlandwirtschaftliche Tätigkeit hingegen verhindert nicht automatisch die ganzjährige Beihilfefähigkeit. Zu beachten ist, dass eine nichtlandwirtschaftliche Tätigkeit im Regelfall nach der Antragstellung der Kreisstelle spätestens drei Tage vor Beginn zu melden ist. Näheres siehe: Kurzfristige nichtlandwirtschaftliche Tätigkeit.

Aufgabe des Antragstellers in Kurzform:
Fläche ganzjährig landwirtschaftlich nutzen


Information aller Antragsteller zu den laufenden Auswertungen erstmals im August

Antragsteller sind gemäß EU-Vorgaben über das Ergebnis dieser Überprüfungen zu informieren.

Aus diesem Grunde erhalten alle Antragsteller Anfang August nähere Informationen zum Flächenmonitoring und die vorläufigen Ergebnisse über die Überprüfung der Kulturart. Für die Antragsteller besteht derzeit kein Handlungsbedarf, weil aktuell keine abschließenden, abweichenden Ergebnisse vorliegen und weiterhin laufend die aktuellen Satellitenbilder ausgewertet werden. Das Anschreiben dient im Wesentlichen zu einer allgemeinen Information über das neue Verfahren.

Ende September/ Anfang Oktober erfolgt eine weitere Information aller Antragsteller, in der dann alle Ergebnisse aus dem Flächenmonitoring einschließlich des dann aktuellen Standes zur Kulturart mitgeteilt werden. Sofern dann Abweichungen festgestellt wurden oder eine Mitwirkung des Antragstellers sinnvoll erscheint, werden Antragsteller über konkrete Handlungsempfehlungen informiert.

Die Anschreiben zum Flächenmonitoring werden im Antragstellerpostfach des Antragsportals ELAN-NRW zur Verfügung gestellt. Antragsteller werden per E-Mail über eine automatische Benachrichtigung informiert, wenn die vollständigen Informationen im Antragstellerpostfach hinterlegt sind.

Nähere Informationen zum Antragstellerpostfach erhalten Sie hier:


Darstellung der Ergebnisse in Ampelfarben

Bei der Überprüfung wird jeder Fläche ein Ergebnis entsprechend den Ampelfarben zugeordnet:

 grün   Fördervoraussetzungen eingehalten bzw. Angabe im Antrag bestätigt
 gelb   Prüfung noch nicht abgeschlossen
 rot   Fördervoraussetzungen nicht eingehalten / abweichende Feststellung zur Angabe im Antrag

Der aktuelle Stand zur Prüfung der Kulturart für die eigenen Betriebsflächen wird voraussichtlich ab Anfang August im ELAN-Programm in dem neuen Layer „Ampelergebnis Flächenmonitoring“ durch farbige Füllung der Flächen (grün, gelb oder rot) zu erkennen sein.

Bitte beachten Sie, dass weiterhin laufend die aktuellen Satellitenbilder ausgewertet werden und der Layer regelmäßig aktualisiert wird. Das bedeutet, dass sich die Ampelfarbe einer „gelben“ Fläche in den nächsten Wochen auf „grün“ oder „rot“ ändert, sobald die Prüfung für diese Fläche abgeschlossen werden konnte.

Ende September/ Anfang Oktober werden dann parallel zur weiteren Information aller Antragsteller alle weiteren Ergebnisse (Mindesttätigkeit…) aus dem Flächenmonitoring im Layer ergänzt.

Nähere Informationen zum Layer „Ampelergebnis Flächenmonitoring“ können Sie an folgender Stelle einsehen:


ELAN NRW Video 22: Ampelergebnis Flächenmonitoring

In diesem Video zeigen wir Ihnen wie die Ergebnisse des Flächenmonitorings in ELAN dargestellt werden und erklären wie Sie auf den Ampel-Layer zugreifen können.

Länge: 2:15. Bei YouTube anschauen: https://youtu.be/6VRdTEa4hLM


Ausführlichere Informationen zu den Ampelfarben bezüglich der Überprüfung der beantragten Kulturart erhalten Sie hier:

Die im Flächenverzeichnis angegebene Kulturart wurde bestätigt. Es besteht kein Handlungsbedarf für den Antragsteller.

Die Prüfungen sind noch nicht abgeschlossen. Es besteht kein Handlungsbedarf für den Antragsteller.

Die aktuellen Satellitenbilder werden weiterhin ausgewertet. Ggf. werden höher aufgelöste Bilder automatisiert oder manuell geprüft oder es wird eine schnelle Feldkontrolle vor Ort durchgeführt.

Sobald die Prüfungen abgeschlossen sind, wird die Ampelfarbe auf „grün“ oder „rot“ geändert.

Anmerkung: Aus verfahrenstechnischen Gründen liegen „rote“ Prüfergebnisse voraussichtlich erst im September vor. Alle Antragsteller werden hierüber Ende September / Anfang Oktober informiert.

Die im Flächenverzeichnis angegebene Kulturart wurde nicht bestätigt. Ergänzend zur „roten“ Ampel wird dem Antragsteller zur Information die auf der Fläche festgestellte Kulturart angegeben.

Handlungsempfehlungen für den Antragsteller:
Der Antragsteller kann eine fehlerhafte Kulturart-Angabe im Flächenverzeichnis bis Ende Oktober über die ELAN-Antragssoftware ändern. In anderen Fällen sollte der Antragsteller Kontakt zu seiner zuständigen Kreisstelle aufnehmen:
Kreisstellen der Landwirtschaftskammer

Anmerkung: Aus verfahrenstechnischen Gründen liegen „rote“ Prüfergebnisse voraussichtlich erst im September vor. Alle Antragsteller werden hierüber Ende September/ Anfang Oktober informiert.


Antragsänderungen bis Ende Oktober möglich

Eventuell notwendige Antragsänderungen, die sich aus den Feststellungen des Flächenmonitorings ergeben, können bis Ende Oktober sanktionslos über die ELAN-Antragssoftware vorgenommen werden, sofern die förderrechtlichen Anforderungen eingehalten werden.

Jede Antragsänderung bewirkt eine erneute Prüfung im Flächenmonitoring, da sich die Prüfungsgrundlage verändert hat. Konkret bedeutet dies, dass eine Fläche, für die ein rotes Ergebnis mitgeteilt wurde, nach der Antragsänderung durch den Antragsteller und erneuter automatisierter Prüfung im Regelfall grün wird. Verfahrensbedingt kann es zu Zeitverzögerungen von einigen Wochen zwischen Korrektur und aktualisierter Anzeige kommen.

Änderungen sind hingegen nicht mehr möglich, wenn die EU-Zahlstelle bereits im Rahmen der Vor-Ort- oder Verwaltungskontrollen entsprechende Feststellungen gemacht hat bzw. Vor-Ort-Kontrollen angekündigt wurden.


Schnelle Feldkontrollen bei gelben Flächen möglich

Im Rahmen des satellitengestützten Flächenmonitorings ist es möglich, dass sich nicht bei allen Flächen die genannten vier Fördervoraussetzungen eindeutig aufklären lassen. Insbesondere bei kleinen und schmalen Flächen oder seltener vorkommenden Nutzungen ist die automatisierte Überprüfung anhand von Satellitendaten nur eingeschränkt möglich.

Aus diesem Grunde ist damit zu rechnen, dass diese Fördervoraussetzungen bei bestimmten Flächen – insbesondere ab Juli – ergänzend im Rahmen von schnellen Feldkontrollen vor Ort überprüft werden.

Da es sich hierbei nicht um betriebsbezogene Kontrollen, sondern um Einzelflächenüberprüfungen handelt, finden diese Überprüfungen ohne vorherige Ankündigung statt.

Die Ergebnisse aus den schnellen Feldkontrollen werden – analog zu den anderen, finalen Flächenmonitoring-Feststellungen – in den „Ampel-Layer“ übernommen.


Gibt es noch klassische, betriebsbezogene Flächenkontrollen?

Die Einführung des Flächenmonitorings bringt den Vorteil mit sich, dass die automatisiert geprüften Fördervoraussetzungen nicht mehr im Rahmen von betriebsbezogenen Kontrollstichproben vor Ort geprüft werden müssen.

Darüber hinaus werden Flächenvermessungen bei Vor-Ort-Kontrollen nur noch im Ausnahmefall notwendig sein, weil die Größenfeststellungen – bei Anwendung des Flächenmonitorings – grundsätzlich mithilfe des geobasierten Flächenantrags und dem Referenzsystem getroffen werden sollen.

Im Rahmen von betriebsbezogenen Vor-Ort-Kontrollen konzentriert sich die Prüfung somit auf alle anderen Fördervoraussetzungen, Verpflichtungen und sonstigen Auflagen.

Nähere Informationen zu den Vor-Ort-Kontrollen entnehmen Sie bitte dem Artikel „Vor-Ort-Kontrolle“.


Mithilfe gefragt: Zusammenarbeit und zukünftige Kommunikationsmethoden

Es ist beabsichtigt, die Zusammenarbeit zwischen Antragsteller und der EU-Zahlstelle noch stärker zu intensivieren und noch digitaler werden zu lassen. So werden in den zukünftigen Antragsjahren voraussichtlich weitere Fördervoraussetzungen über das Flächenmonitoring überprüft. Zudem kann ab 2023 die Nutzung einer Foto-App für das Smartphone in Betracht kommen, mit welcher Antragsteller georeferenzierte Fotos übermitteln können. Bei Feststellung von Abweichungen, die sich aus dem Flächenmonitoring ergeben, könnte der Antragsteller hiermit die Einhaltung von Fördervoraussetzungen und sonstiger Auflagen nachweisen, ohne dass eine schnelle Feldkontrolle vor Ort erforderlich wird.

Stand: 27.07.2022

Autorin: Britta Stümper