Stoffstrombilanzverordnung - Was ist jetzt zu tun?

Auf Grund regional zu hoher Nitratgehalte in Gewässern wurde Deutschland von der EU-Kommission wegen unzureichender Umsetzung der Nitratrichtlinie verklagt. Dies hat die Novellierung des Düngerechts zur Folge. Hierzu gehört auch die seit 1. Januar 2018 gültige Verordnung über den Umgang mit Nährstoffen im Betrieb und betriebliche Stoffstrombilanzen (= StoffBilV). Die Verordnung soll den nachhaltigen und ressourceneffizienten Umgang mit Nährstoffen im landwirtschaftlichen Betrieb sicherstellen, damit Nährstoffverluste in die Umwelt weitestgehend vermieden werden.

Über die Verordnung vorgegeben wird die Ermittlung und Dokumentation der dem Betrieb zugeführten bzw. vom Betrieb abgegebenen Stickstoff- und Phosphatmengen sowie die Erstellung einer betrieblichen Stoffstrombilanz für Stickstoff und Phosphat einschließlich der Bewertung des Stickstoffsaldos. Zu berücksichtigen dabei sind alle Düngemittel, Bodenhilfsstoffe, Kultursubstrate, Pflanzenhilfsmittel und auch Futtermittel, landwirtschaftliche Nutztiere, die dem Betrieb zugeführt werden sowie die N-Bindung durch Leguminosen. Auch Saatgut stellt eine Zufuhr von Nährstoffen  in den Betrieb dar. Allerdings ist gemäß Verordnung nur das Saatgut für Getreide, Mais, Kartoffeln und Körnerleguminosen zu berücksichtigen. Bei der Abgabe von Nährstoffen aus dem Betrieb sind alle pflanzlichen und tierischen Erzeugnisse sowie abgegebenen Düngemittel, Bodenhilfsstoffe, Kultursubstrate, Pflanzenhilfsmittel und Futtermittel und landwirtschaftliche Nutztiere zu bewerten (Übersicht 1). Auf Basis dieser Gegenüberstellung sind jährliche N- und P-Bilanzen zu erstellen.

Übersicht 1: Die bei der Erstellung einer Stoffstrombilanz zu berücksichtigenden Daten der Zufuhr und Abgabe

Zufuhr (Nährstoff N und P2O5 in kg) Abfuhr (Nährstoff N und P2O5 in kg)
Düngemittel insgesamt Pflanzliche Erzeugnisse
  - davon Wirtschaftsdünger tierischer Herkunft Tierische Erzeugnisse
  - davon sonstige organische Düngemittel Düngemittel insgesamt
Bodenhilfsstoffe    - davon Wirtschaftsdünger tierischer Herkunft
Kultursubstrate    - davon  sonstige organische Düngemittel
Pflanzenhilfsmittel Bodenhilfsstoffe
Futtermittel Kultursubstrate
Saatgut(+) einschließlich Pflanzgut und Vermehrungsmaterial Pflanzenhilfsmittel
Landwirtschaftliche Nutztiere Futtermittel
Stickstoffzufuhr durch Leguminosen Saatgut(+) einschließlich Pflanzgut und Vermehrungsmaterial
   Landwirtschaftliche Nutztiere
Sonstige Stoffe Sonstige Stoffe
N-Deposition über Luftpfad(++) in kg/ha   
(+) Saatgut von Getreide, Mais, Kartoffeln, Körnerleguminosen
(++) auf Grundlage des Hintergrundbelastungsdatensatzes des Umweltbundesamtes

Bewertung N-Saldo

Während für den Phosphat-Saldo keine Bewertung vorgegeben wird, gibt es für die Bewertung des Stickstoffsaldos zwei verschiedene Möglichkeiten. Als erste Möglichkeit wird ein zulässiger N-Saldo von 175 kg N pro Hektar und Jahr vorgegeben, der im dreijährigen Mittel nicht überschritten werden darf. Als zweite Möglichkeit kann nach Vorgaben der Anlage 3 der StoffBilV ein betriebsindividueller N-Saldo ermittelt werden. Hierbei sind u.a. der zulässige N-Überschuss gemäß Düngeverordnung von 50 kg N je Hektar, Stall-, Lagerungs- und Aufbringverluste bei Wirtschaftsdüngereinsatz sowie Futterverluste und N-Verluste bei Weidehaltung zu berücksichtigen. Dieser betriebsindividuelle zulässige N-Saldo ist jährlich zu ermitteln. Welche Bewertungsmöglichkeit herangezogen wird, entscheidet der Betriebsleiter.

Stoffstrombilanz schon ab 2018

Für viele Betriebe bedeutet dies, dass bereits für den Bezugszeitraum 2018 bzw. 2018/19 zwei verschiedene Nährstoff-Bilanzen zu rechnen sind: die Plausibilisierte Feld-Stall-Bilanz gemäß Düngeverordnung und die Stoffstrombilanz. Allerdings sind nicht alle Betriebe schon ab 2018 verpflichtet, eine Stoffstrombilanz zu rechnen.

Betroffen sind Betriebe mit mehr als 50 GV je Betrieb und gleichzeitig 2,5 GV je Hektar und Betriebe mit mehr als 30 ha und gleichzeitig mehr als 2,5 GV je Hektar. Betriebe, die die genannten Grenzen unterschreiten, aber im Bezugszeitraum mehr als 750 kg N in Form von Wirtschaftsdünger aufnehmen, sind ebenfalls zur Erstellung einer Stoffstrombilanz ab 2018 verpflichtet.

Auch Biogasanlagen, die in einem funktionalen Zusammenhang mit einem zur Stoffstrombilanzierung verpflichteten Betrieb stehen bzw. wenn Wirtschaftsdünger aus diesem oder außerhalb des Betriebes anfallender Wirtschaftsdünger zugeführt wird, müssen ab sofort eine betriebliche Bilanz rechnen. Somit werden die meisten Biogasanlagen von der Verordnung betroffen sein.

Nicht betroffen sind Ackerbaubetriebe und Betriebe mit einem betrieblichen Wirtschaftsdüngeranfall von maximal 750 kg N im Bezugszeitraum. Viehhaltende Betriebe, die die o.g. Grenzen (> 50 GV je Betrieb, > 30 ha, > 2,5 GV/ha) unterschreiten und nicht mehr als 750 kg N in den Betrieb aufnehmen, sind ebenfalls ausgenommen. Koferment- und Nawaro-Biogasanlagen müssen zurzeit ebenfalls keine Stoffstrombilanz rechnen, wenn sie ausschließlich mit diesen Stoffen betrieben werden.

Einen Überblick über die Betriebe, die bereits ab 2018 von der Stoffstrombilanzierung betroffen sind, gibt die Übersicht 2.

Übersicht 2: Welche Betriebe müssen ab 2018 eine Stoffstrombilanz rechnen?

Betroffene Betriebe Nicht betroffene Betriebe
Betriebe mit >50 GV und >2,5 GV/ha (= Schwellenwerte)
Betriebe mit >30 ha und >2,5 GV/ha  (= Schwellenwerte)
Betriebe ohne Tierhaltung / Ackerbaubetriebe
  Viehhaltende Betriebe mit einem Wirtschaftsdüngeranfall von max. 750 kg N im Jahr
Betriebe, die oben genannten Schwellenwerte unterschreiten, aber
>750 kg N im Bezugszeitraum in Form von Wirtschaftsdünger aufnehmen.
Betriebe, die die genannten Schwellenwerte unterschreiten und max. 750 kg N in Form von Wirtschaftsdünger aufnehmen.
Biogasanlagen, die in einem funktionalen Zusammenhang mit einem zur Stoffstrombilanzierung verpflichteten Betrieb stehen bzw. wenn Wirtschaftsdünger aus diesem oder außerhalb des Betriebes anfallender Wirtschaftsdünger zugeführt wird. Koferment- und Nawaro-Biogasanlagen, wenn sie ausschließlich mit diesen Stoffen betrieben werden.

Schon jetzt sammeln und dokumentieren

Sofern Sie zu den ab 2018 betroffenen Betrieben zählen, sollten Sie alle Belege wie Rechnungen, Lieferscheine des Zu- und Verkaufs sammeln. Darauf zu achten ist, dass immer die N- und P-Gehalte des Produkts in Kilogramm je Einheit und die insgesamt zugeführten N- und P-Menge ausgewiesen werden oder daraus zu errechnen sind. Nährstoffgehalte sind auch z.B. über die vorgeschriebenen Kennzeichnungen bei Dünge- oder Futtermitteln zu ermitteln. Richtwerte der zuständigen Behörde auf Datengrundlage der Düngeverordnung sowie eigene Analysenwerte sind weitere Möglichkeiten. Wenn Sie diese Werte mit Datum versehen in eine Tabelle (siehe unten) eintragen, haben Sie zum jetzigen Zeitpunkt schon alles Erforderliche für die Dokumentation getan.

Aufzeichnungspflichten

Alle Stickstoff- und Phosphatmengen, die dem Betrieb zugeführt werden bzw. die den Betrieb verlassen, sind spätestens 3 Monate nach der jeweiligen Zu-/Abfuhr aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass bis 31.03.2018 die ersten Unterlagen über die im ersten Quartal 2018 zu- oder abgeführten N- und P-Mengen vorliegen sollten, wenn das Kalenderjahr der gewählte Bezugszeitraum ist. Wurde das Wirtschaftsjahr als Bezugszeitraum genommen, sind erste Aufzeichnungen bis zum 31.07.18 bzw. 30.09.18 zu erstellen (Übersicht 3).

Übersicht 3: Aufzeichnungen gemäß Stoffstrombilanz - Wann muss was vorliegen?

Aufzeichnung Fertigstellungstermin Erstmalige Dokumentation bis
Nährstoffzufuhr
(N und P2O5)
Spätestens 3 Monate nach der jeweiligen Zufuhr Abhängig vom gewählten Bezugsjahr
Bezugsjahr: Kalenderjahr 31.03.2018
Bezugsjahr: Wirtschaftsjahr 01.07.-30.06. 30.09.2018
Bezugsjahr: Wirtschaftsjahr 01.05.-30.04 31.07.2018
Nährstoffabgabe
(N und P2O5)
Spätestens 3 Monate nach der jeweiligen Abfuhr Abhängig vom gewählten Bezugsjahr
Bezugsjahr: Kalenderjahr 31.03.2018
Bezugsjahr: Wirtschaftsjahr 01.07.-30.06. 30.09.2018
Bezugsjahr: Wirtschaftsjahr 01.05.-30.04. 31.07.2018
Ausgangsdaten und Ergebnis
der Stoffstrombilanz
Spätestens 6 Monate nach Ablauf des festgelegten Bezugsjahres Abhängig vom gewählten Bezugsjahr
Bezugsjahr: Kalenderjahr 30.06.2019
Bezugsjahr: Wirtschaftsjahr 01.07.-30.06. 31.12.2019
Bezugsjahr: Wirtschaftsjahr 01.05.-30.04. 31.10.2019

Welche Daten erfasst werden müssen, geht aus der Übersicht 1 hervor. Unten auf dieser Seite finden Sie eine Übersicht als Hilfsmittel zur Dokumentation der erforderlichen Daten, damit bei der Erstellung der Bilanz im nächsten Jahr nichts vergessen wird.

Sechs Monate nach Ablauf des Bezugszeitraums für die Erstellung der Stoffstrombilanz muss das Ergebnis der Bilanzierung im Betrieb vorliegen. Der Bezugszeitraum für die Stoffstrombilanz ist vor der erstmaligen Erstellung festzulegen und muss dem Bezugszeitraum der gemäß Düngeverordnung zu erstellenden Feld-Stall-Bilanz entsprechen. Das heißt, wenn Sie das Kalenderjahr als Bezugszeitraum gewählt haben, muss das Ergebnis der Stoffstrombilanz erstmalig am 1. Juli 2019 vorliegen. Haben Sie das Wirtschaftsjahr 1. Juli bis 30. Juni gewählt, ist bis 31.12.2019 die erste Stoffstrombilanz zu erstellen. Wird das Wirtschaftsjahr 1. Mai bis 30. April als Bezugsjahr gewählt, gilt eine Frist bis 31.10.2019 (Übersicht 3). Sofern die Klärung der fachlichen Detailvorgaben zur Erstellung einer Stoffstrombilanz abgeschlossen werden kann, wird der Beratung der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen ab Sommer 2018 eine Anwendungssoftware zur Erstellung der Stoffstrombilanz vorliegen.

Mögliche Konsequenzen

Wenn der vorgegebene Kontrollwert von 175 kg N/ha im dreijährigen Mittel überschritten wird bzw. der individuell berechnete Wert im dreijährigen Mittel um mehr als 10 % überschritten wird, kann die zuständige Behörde eine Beratung innerhalb von 6 Monaten nach Feststellung anordnen. Der Phosphat-Saldo unterliegt keiner Bewertung. Eine Ordnungswidrigkeit kann sich ergeben, wenn die vorgegebenen Aufzeichnungen nicht oder nicht richtig erstellt werden oder wenn diese nicht 7 Jahre aufbewahrt werden.

Die Verpflichtung zur Erstellung einer Stoffstrombilanz ist derzeit nicht CC-relevant.

Weitere Entwicklungen

Die seit 1. Januar 2018 gültige StoffBilVO gilt in dem dargestellten Geltungsbereich bis 31.12.2022. Ab 1. Januar 2023 wird dieser erweitert und gilt für alle Betriebe > 20 ha oder mehr als 50 GV je Betrieb. Vorgegeben ist auch eine Evaluierung der bestehenden Verordnung bis Ende 2021, die dem Bundestag vorzulegen ist. Mit der Evaluierung sollen mögliche Schwachstellen der jetzigen Verordnung und vor allem die Wirkung auf die genannten Ziele ‚Nachhaltigkeit und Ressourcenschutz‘ bezogen auf den Nährstoffeinsatz im landwirtschaftlichen Betrieb aufgezeigt werden, um erforderliche Anpassungen in der Folgeverordnung ab 2023 vorzunehmen.

Autor: Birgit Apel