Flächenmonitoring

Landschaft in OstwestfalenBild vergrößern
Landschaft in Ostwestfalen

Nordrhein-Westfalen führt in 2022 ein satellitengestütztes Flächenmonitoring im Rahmen der EU-Agrarförderung ein.

Bislang wurden Flächenangaben wie Größe, Lage und Nutzung und die Einhaltung weiterer Fördervoraussetzungen, Verpflichtungen und sonstiger Auflagen für landwirtschaftliche Flächen regelmäßig im Rahmen umfangreicher Vor-Ort-Kontrollen überprüft.

Im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik in der EU hat die Europäische Kommission den Rechtsrahmen für ein neues satellitengestütztes Flächenmonitoring geschaffen.

Ziel ist es unter anderem, den Kontrollaufwand vor Ort zu verringern und dem Antragsteller zu helfen, die Anforderungen einzuhalten.

Was bedeutet Flächenmonitoring?

Das Flächenmonitoring bezeichnet eine dauerhafte Beobachtung aller landwirtschaftlicher Flächen, die im Rahmen der EU-Agrarförderung beantragt werden, anhand von Satellitendaten (z. B. Sentineldaten aus dem Copernicus-Programm). Dabei werden die Flächen über Satellitenbild-Zeitreihen (bei Sentinel etwa alle fünf Tage) automatisiert mittels künstlicher Intelligenz auf die Einhaltung bestimmter Fördervoraussetzungen, Verpflichtungen und sonstiger Auflagen geprüft.

Kann eine Beurteilung der Förderfähigkeit nicht aufgrund der Sentineldaten erfolgen, so können darüber hinaus weitere Folgemaßnahmen zum Einsatz kommen.

Was wird in NRW per Satellit kontrolliert?

Diese automatisierte Überprüfung aller Flächen wird in Nordrhein-Westfalen für alle flächenbezogenen Maßnahmen der 1. und 2. Säule angewendet.

Konkret sollen in diesem Jahr folgende Fördervoraussetzungen über Satellitenbilder geprüft werden:

  •  Richtigkeit der im Flächenantrag angegebenen Kulturart
  •  Durchführung der landwirtschaftlichen Tätigkeit auf Dauergrünland
  •  Ausübung der Mindesttätigkeit auf Brachen/ Streifen
  •  Ganzjährige Beihilfefähigkeit der Flächen

Gibt es noch klassische, betriebsbezogene Flächenkontrollen?

Die Einführung des Flächenmonitorings bringt den Vorteil mit sich, dass die automatisiert geprüften Fördervoraussetzungen nicht mehr im Rahmen von betriebsbezogenen Kontrollstichproben vor Ort geprüft werden müssen.

Darüber hinaus werden Flächenvermessungen bei Vor-Ort-Kontrollen nur noch im Ausnahmefall notwendig sein, weil die Größenfeststellungen grundsätzlich mithilfe des geobasierten Flächenantrags und dem Referenzsystem getroffen werden sollen.

Im Rahmen von betriebsbezogenen Vor-Ort-Kontrollen konzentriert sich die Prüfung somit auf alle anderen Fördervoraussetzungen, Verpflichtungen und sonstigen Auflagen.

Nähere Informationen zu den Vor-Ort-Kontrollen entnehmen Sie bitte dem Artikel „Vor-Ort-Kontrolle“.

Vorläufige Ergebnisse digital über Antragstellerpostfach

Die vorläufigen Ergebnisse aus dem Flächenmonitoring werden an bestimmten Terminen im Antragsportal ELAN-NRW zur Verfügung gestellt. Hierbei ist eine Information im Antragsteller-Postfach beabsichtigt. Informationen zum Antragstellerpostfach lassen sich dem Artikel „Antragstellerpostfach“ entnehmen.

Nach den jetzigen Planungen sollen die vorläufigen Ergebnisse bezüglich der „Kulturart“ bereits Ende Juli/ Anfang August abrufbar sein; die vorläufigen Ergebnisse bezüglich der anderen Fördervoraussetzungen werden etwa Ende September in ELAN-NRW eingestellt.

Sobald die Flächenmonitoring-Anschreiben im Antragstellerpostfach hinterlegt sind, erhalten die betroffenen Antragsteller eine automatische Benachrichtigung an ihre E-Mail-Adresse.

Die Flächenergebnisse werden dabei voraussichtlich in Ampelfarben dargestellt:

Grün Fördervoraussetzungen eingehalten bzw. Angabe im Antrag bestätigt
Gelb Einhaltung Fördervoraussetzung/Angabe im Antrag zweifelhaft
Rot Fördervoraussetzungen nicht eingehalten/ abweichende Feststellung zur Angabe im Antrag

Weitere Erläuterungen können Sie dem genannten Flächenmonitoring-Anschreiben entnehmen.

Antragsänderungen voraussichtlich bis Ende Oktober möglich

Im Rahmen des Flächenmonitorings ist eine viel stärkere Zusammenarbeit zwischen Antragsteller und EU-Zahlstelle möglich.

Antragsteller können ihren Antrag noch voraussichtlich bis Ende Oktober über die ELAN-Antragssoftware ändern, sofern die förderrechtlichen Anforderungen eingehalten werden. Der letztmögliche Änderungstermin kann dem genannten Flächenmonitoring-Anschreiben entnommen werden. Von dieser Änderungsmöglichkeit kann der Antragsteller insbesondere Gebrauch machen, wenn er über die Ergebnisse des Flächenmonitorings informiert wurde und sich daraus Änderungen seiner Antragsangaben ergeben.

Änderungen sind hingegen nicht mehr möglich, wenn die EU-Zahlstelle bereits im Rahmen der Vor-Ort- oder Verwaltungskontrollen entsprechende Feststellungen gemacht hat bzw. Vor-Ort-Kontrollen angekündigt wurden.

Schnelle Feldkontrollen bei gelben Flächen

Im Rahmen des satellitengestützten Flächenmonitorings ist es möglich, dass sich nicht bei allen Flächen die genannten vier Fördervoraussetzungen zweifelsfrei aufklären lassen. Insbesondere bei kleinen und schmalen Flächen oder seltener vorkommenden Nutzungen ist die automatisierte Überprüfung anhand von Satellitendaten nur eingeschränkt möglich.

Aus diesem Grunde ist damit zu rechnen, dass diese Fördervoraussetzungen bei bestimmten Flächen ergänzend im Rahmen von schnellen Feldkontrollen vor Ort überprüft werden.

Da es sich hierbei nicht um betriebsbezogene Kontrollen, sondern um Einzelflächenüberprüfungen handelt, finden diese Überprüfungen ohne vorherige Ankündigung statt.

Für den Fall, dass eine Nichtförderfähigkeit festgestellt wurde, werden die Antragsteller hierüber analog zu allen anderen Flächenmonitoring-Feststellungen informiert. (siehe oben / Flächenmonitoring-Mitteilung im Antragstellerpostfach).

Zukünftige Zusammenarbeit und weitere Kommunikationsmethoden

Zukünftig ist beabsichtigt, die Zusammenarbeit zwischen Antragsteller und der EU-Zahlstelle noch stärker zu intensivieren und noch digitaler werden zu lassen. So könnte zukünftig die Nutzung einer Foto-App für das Smartphone in Betracht kommen, mit welcher Antragsteller georeferenzierte Fotos übermitteln könnten. Auf diese Weise könnte die Einhaltung von Fördervoraussetzungen, Verpflichtungen und sonstiger Auflagen nachgewiesen werden, ohne dass eine schnelle Feldkontrolle vor Ort erforderlich wird.

Stand: 01.03.2022

Autor: Britta Stümper