Neu auftretende Viruskrankheiten an Tomaten und Kürbisgewächsen

Umsetzung von Minderungsstrategien für ein dauerhaftes Krankheitsmanagement

Tomaten reif

Hintergründe

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Tomaten und Kürbisgewächse (d.h. Gurken, Melonen, Zucchini und Kürbisse) gehören weltweit zu den meist angebauten Obst- und Gemüsesorten, sind jedoch zunehmend durch neu auftretende Viruskrankheiten bedroht. Bisher gibt es nur wenige biologische Mittel auf dem Markt, um die verursachten Schäden zu bekämpfen. Daher gehen jedes Jahr mehrere Milliarden EURO auf europäischen Feldern und Gewächshäusern verloren.

Das im Juni 2021 gestartete EU-Projekt VIRTIGATION zielt darauf ab, schnelle und dauerhafte Lösungen für neu auftretende Viruserkrankungen zu entwickeln, die durch Begomoviren und Tobamoviren an Kürbisgewächsen und Tomaten in Nordeuropa und im Mittelmeerraum verursacht werden. Derzeit sind die gefährlichsten Viren Vertreter der Begomo- sowie Tobamoviren.

Zu den Begomoviren zählen z.B. das Tomato Yellow Leaf Curl Virus (TYLCV) und das Tomato Leaf Curl New Delhi Virus (ToLCNDV), welche beide durch Weiße Fliegen übertragen werden. Beide Viren stellen in Deutschland bisher kein Problem dar, dies kann sich aber in der Zukunft schnell ändern. In mediterranen Gebieten wie z.B. Spanien sind diese Viren bereits gefürchtet und können zu gravierenden Ernteausfällen führen.

Abbildung 1: Die Virus-übertragenden Weißen Fliegen:

Bemisia Tabaci - Weiße FliegeBild vergrößern
Bemisia tabaci, Foto: Elisabeth Götte
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Bemisia tabaci, Foto: Elisabeth Götte
Bemisia Tabaci - Weiße FliegeBild vergrößern
Trialeurodes vaporarium, Foto: Franz-Peter Schenk
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Trialeurodes vaporarium, Foto: Bianca Boehnke

In den vergangenen Jahren hat sich ein weiterer Erreger als ernsthafte Bedrohung für Tomaten herausgestellt: ein Tobamovirus, das als Tomato Brown Rugose Fruit Virus (ToBRFV) bekannt ist und durch Verletzungen an Pflanzen, z.B. durch Kulturarbeiten, mechanisch übertragen wird. ToBRFV, in Deutschland auch als „Jordan-Virus“ bezeichnet, ist im Herbst 2018 am Niederrhein und damit erstmals in Deutschland und in Europa aufgetreten. Betroffen waren sieben Tomatenbetriebe mit insgesamt ca. 25 ha Anbaufläche. Weltweit trat dieses Virus zum ersten Mal in den Jahren 2014 in Israel und 2015 in Jordanien auf. Im Herbst 2018 wurde Befall aus Mexiko, Anfang 2019 aus Italien sowie im Weiteren aus Kalifornien (USA), China, den Niederlanden, der Türkei, England und Griechenland gemeldet. Seit Oktober 2018 ist ToBRFV in Deutschland als geregelter Schadorganismus, das heißt als Quarantäneerreger eingestuft. Ein wichtiges Ziel ist die Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Nach erfolgreichen Maßnahmen in den Betrieben konnte Deutschland im Juli 2019 Befallsfreiheit melden. Mit dieser Erfahrung und Expertise trägt die LWK NRW maßgeblich zum EU-Projekt bei. Nähere Informationen zum ToBRFV sind zu finden unter:

Tomato Brown Rugose Fruit Virus (ToBRFV) - „Jordan-Virus“

Abbildung 2: ToBRFV-infizierte Tomaten:

Symptome - Tomato Brown Rugose Fruit Virus - Jordan-VirusBild vergrößern
Fruchtsymptome an der Sorte "Romanella" Foto: Heike Scholz-Döbelin
Fruchtsymptome Virus TomatenBild vergrößern
Fruchtsymptome an der Sorte "Juanita" Foto: Heike Scholz-Döbelin
Symptome - Tomato Brown Rugose Fruit Virus - Jordan-VirusBild vergrößern
Sich aufwöllbende und einrollende Blätter an der Sorte "Juanita". Foto: Heike Scholz-Döbelin
Symptome - Tomato Brown Rugose Fruit Virus - Jordan-VirusBild vergrößern
Welkende, vergilbende und später absterbende Pflanzen der Sorte "Juanita" Foto: Heike Scholz-Döbelin

Projektziele

Das strategische Ziel des Projektes liegt in der Entwicklung schneller und dauerhafter Lösungen zur Bekämpfung neu auftretender Viruserkrankungen bei Tomaten und Kürbisgewächsen. Dazu zählen z.B. die “Cross Protection”- Strategie, d.h. die Präimmunisierung mittels Impfstrategie, biologischen Pflanzenschutzmitten gegen Virusvektoren oder auch ganzheitliche Strategien für den integrierten Pflanzenschutz (IPM).

In internationaler Zusammenarbeit sollen die gemeinsamen Ziele durch sechs spezifische Maßnahmen umgesetzt werden:

  • Wissensaustausch und Einbeziehung von Interessengruppen in die Forschungsaktivitäten
  • Entwicklung robuster Diagnosetests, Quarantänemaßnahmen und Ermittlung ökologischer Faktoren, die Krankheitsausbrüche verursachen
  • Verstehen der Wechselwirkung zwischen Pflanzen und Viren
  • Entwicklung von IPM-Lösungen
  • Identifizierung und Einordung natürlicher Resistenzen gegen Viruskrankheiten und Vektoren
  • Schulung von allen Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette von Tomaten und Kürbisgewächsen

Projektpartner

Das EU-geförderte Projekt bringt 25 Partner aus Wissenschaft, Industrie, Forschungs- und Technologieorganisationen, landwirtschaftlichen Beratungsdiensten und Produktionsbetrieben aus 12 Ländern zusammen: Deutschland, Belgien, Spanien, Luxemburg, Großbritannien, Italien, Niederlande, Frankreich, Österreich, Israel, Marokko und Indien. Die Gesamtkoordination obliegt dem Department für Biosysteme der Universität KU Leuven in Belgien.

Aufgaben der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen im Projekt:

Die Landwirtschaftskammer NRW ist vor allem am Forschungsschwerpunkt des integrierten Virus- und Vektorenmanagement beteiligt. Sie trägt mit ihrer Expertise insbesondere zur Optimierung von Dekontaminationsmethoden nach ToBRFV-Ausbrüchen bei und arbeitet an Maßnahmen zur biologischen Bekämpfung der Weißen Fliege (Bemisia tabaci). Aufgrund der Erfahrungswerte mit der Dekontamination von ToBRFV-belasteten Betriebe obliegt der Landwirtschaftskammer die Leitung des Aufgabenschwerpunkts zur Optimierung von Dekontaminationsmethoden. Mittels Heißwasser-Dämpfung oder aber auch Solarisation wird in Zusammenarbeit mit Projektpartnern aus Spanien und Israel versucht, virenbelastete Substrate zu desinfizieren und wieder nutzbar machen zu können.

Projektlaufzeit: 4 Jahre

Weitere Informationen zum EU-Projekt:

Ansprechpartnerinnen:

Dr. Marlene Leucker, Telefon: 0221 5340-480
Bianca Boehnke, Telefon: 0221 5340-464

EU-Flagge

Dieses Projekt wird aus dem Forschungs- und Innnovationsprogramm Horizont 2020 der Europäischen Union gefördert unter Grant Agreement Nr. 101000570.