Neue Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung in Kraft

AckerkratzdistelBild vergrößern
Abbildung 1: Die Ackerkratzdistel zählt zu den perennierenden Unkräutern und darf auch zukünftig im Rahmen der Vorsaat- und Stoppelbehandlung mit Glyphosat bekämpft werden

Die neue Fassung der PflSchAnwV ist am 8. September 2021 in Kraft treten getreten.

Hier geht es zur Verordnung:
Fünfte Verordnung zur Änderung der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung (PDF, www.bgbl.de)

Die Änderungen des Naturschutzgesetzes und der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung (PflSchAnwV) sind Teil des Aktionsprogramms Insektenschutz der Bundesregierung. Mit dieser Novellierung werden die Anwendungsmodalitäten für glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel geändert und die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln in bestimmten Gebieten weiter eingeschränkt. Im Folgenden wird erläutert, was damit auf die Landwirte zukommt.

Neue Verbote und Einschränkungen bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln mit dem Wirkstoff Glyphosat

Verboten wird die Anwendung von Glyphosat in Wasserschutzgebieten, Heilquellenschutzgebieten und die Spätanwendung vor der Ernte. Das Verbot betrifft auch Kern- und Pflegezonen von Biosphärenreservaten, letztere gibt es in NRW nicht. Das bereits geltende Verbot der Anwendung von Glyphosat in Naturschutzgebieten bleibt bestehen!

Darüber hinaus gelten auch für landwirtschaftliche Flächen, die nicht in solchen Gebieten liegen, neue Einschränkungen:

  1. Die Anwendung ist nur noch im Einzelfall zulässig, wenn andere Maßnahmen nicht geeignet oder zumutbar sind. Es müssen vorab alle Werkzeuge des integrierten Pflanzenschutzes und Alternativen beim Anbau herangezogen werden.
  2. Die Anwendung zur Vorsaatbehandlung im Rahmen von Direkt- oder Mulchsaatverfahren ist zulässig, jedoch nicht in Wasserschutz- oder Naturschutzgebieten.
  3.  Die Anwendung zur Vorsaat- und Stoppelbehandlung ist nur zulässig
    a) auf Teilflächen mit perennierenden Problemunkräutern oder
    b) auf Flächen, die der Erosionsgefährdungsklasse CCWasser1 und 2 oder CCWind zugeordnet sind.
  4.  Die Anwendung zur Grünlanderneuerung ist nur zulässig, wenn die Wirtschaftlichkeit oder Tiergesundheit gefährdet sind oder die Fläche als Erosionsgefährdungsklasse CCWasser1 und 2 oder CCWind eingestuft wurde.

Was genau bedeutet das?

Zu a): Vor der Entscheidung über eine Anwendung von Glyphosat muss der Anwender selbst prüfen, ob alternative Maßnahmen möglich sind und diese bevorzugt ergreifen. Dazu gehört z. B. die Wahl eines geeigneten Aussaatzeitpunktes und, soweit möglich, die mechanische Bodenbearbeitung und Unkrautregulierung. Erst wenn alternative Maßnahmen nicht zur Verfügung stehen oder nicht zumutbar sind z. B. wegen ungünstiger Witterungsverhältnisse, ist eine Anwendung von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln zulässig.

Fläche mit Mais und LandwasserknöterichBild vergrößern
Abbildung 2: Der bekämpfungswürdige Umfang ist hier längst überschritten, bei perennierenden Unkräutern, wie dem Landwasserknöterich, muss frühzeitig gehandelt werden

Zu c): Bei perennierenden Unkräutern (Abbildung 1), wie Ackerkratzdistel, Ackerwinde, Ampfer, Landwasserknöterich oder Quecke, ist eine Verwendung von Glyphosat-haltigen Pflanzenschutzmitteln erlaubt, wenn sie in einem bekämpfungswürdigen Umfang (Abbildung 2) vorkommen. Die Anwendung ist dann auf das notwendige Maß, d. h. gegebenenfalls auf Teilbereiche eines Schlages zu beschränken.

Der Pflanzenschutzdienst empfiehlt den Einsatz von Glyphosat gut zu begründen und zusätzlich mit Fotos zu dokumentieren. Diese „persönliche Dokumentation“ kann bei einer Fachrechtskontrolle aber auch bei Anzeigen Dritter hilfreich sein.

Eine schematische Darstellung finden Sie hier:
Schema: Anwendung von Glyphosat nach „Umständen des Einzelfalls“PDF-Datei 73 KByte

Neue Einschränkungen für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in Gebieten mit Bedeutung für den Naturschutz

In Naturschutzgebieten, Nationalparken und gesetzlich geschützten Biotopen wird die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln stark reglementiert und weiter eingeschränkt. Der Einsatz von Wirkstoffen, die in der Anlage 2 oder 3 der Verordnung stehen, bleibt wie bisher verboten. Weitere Einschränkungen sind:

  • Die Anwendung von Herbiziden wird grundsätzlich verboten.
  •  Die Anwendung von bienengefährlichen (Auflage B1 bis B3) und bestäubergefährlichen (Auflage NN410) Insektiziden wird untersagt. Auch Tankmischungen aus zwei bienenungefährlichen Pflanzenschutzmitteln können betroffen sein.
  •  In FFH Gebieten soll bis zum 30. Juni 2024 mittels freiwilliger Vereinbarungen und Maßnahmen (Beratung, Vertragsnaturschutz) eine Bewirtschaftung ohne die oben genannten Pflanzenschutzmittel erreicht werden. Der Erfolg dieser freiwilligen Vereinbarungen wird anschließend geprüft und ggf. wird es auch für FFH-Gebiete Einschränkungen geben.
    Davon ausgenommen sind Produktionsflächen für Garten-, Obst- und Weinbau, der Anbau von Hopfen und sonstigen Sonderkulturen sowie Flächen zur Vermehrung von Saat- und Pflanzgut.

Neue Verbote und Einschränkungen bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln entlang von Gewässern

Bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln an Gewässern, ausgenommen kleine Gewässer von wasserwirtschaftlicher untergeordneter Bedeutung, gilt ab Böschungsoberkante ein Abstand von 10 Metern oder von 5 Metern, wenn eine geschlossene, ganzjährig begrünte Pflanzendecke vorhanden ist.

Sind meine Flächen betroffen?

Ob eine bewirtschaftete Fläche in einer der genannten Gebietskategorien liegt, kann über ELWAS-WEB oder TIM-online recherchiert werden. TIM-online ist eine Internet-Anwendung des Landes Nordrhein-Westfalen zur Darstellung der Geobasisdaten der Vermessungs- und Katasterverwaltung NRW.

www.tim-online.nrw.de/tim-online2

Laden Sie hierzu über das Menü ► „Kartenwahl +“ und die Funktion „Dienst hinzufügen“ die Karten des „Landschaftsinformationssystem LINFOS“ (enthält NSG, FFH etc.), der „Wasserschutzgebiete“ und „EU-Förderung-Landwirtschaftskammer“ hinzu: ► Drücken Sie hier auf das „+“. ► Wählen Sie nun in „LINFOS“, „Wasserschutzgebiete“ und „EU-Förderung-Landwirtschaftskammer“ die benötigten ► „Layer“ (Karten) per Häkchen (ganz rechts neben dem Layer-Namen) aus.

Drücken Sie folgend auf ► „zur Karte hinzufügen“ und die Gebiete werden in Ihre Karte geladen. (Abbildung 3).

tim onlineBild vergrößern
Abbildung 3: In TIM-online lässt sich die Betroffenheit der eigenen Flächen prüfen. Farbliche Symbole unterscheiden die Gebietskategorien: rote Naturschutzgebiete, blaue Nationalparkflächen, graue Erosionsflächen und Wasserschutzgebiets-Zonen in rot, grün, gelb und beige.

Wenn Sie TIM-online.nrw.de zum ersten Mal nutzen, ist es hilfreich sich vorher unser kurzes Schulungsvideo anzusehen: www.landwirtschaftskammer.de/foerderung/feldblock/tim.htm.

Die wesentlichen Änderungen in Kürze

Glyphosat:

  • Verbot der Anwendung in WSG und Heilquellenschutzgebieten
  • Verbot der Spätanwendung vor der Ernte
  • Anwendung im Ackerbau generell nur noch im Einzelfall, wenn andere Maßnahmen nicht geeignet oder zumutbar sind
  • Vorsaatbehandlung bei Mulch- und Direktsaat bleibt zulässig, jedoch nicht in WSG oder NSG
  • Vorsaat- oder Stoppelbehandlung, außerhalb von Mulch- und Direktsaatverfahren,  ist nur noch bei perennierenden Problemunkräutern und auf Flächen der Erosionsgefährdungsklassen CCWasser und CCWind erlaubt
  • Anwendung zur Grünlanderneuerung ist nur noch erlaubt, wenn Wirtschaftlichkeit oder Tiergesundheit gefährdet sind oder die Fläche als erosionsgefährdet eingestuft ist
  • Verbot der Anwendung im Haus- und Kleingartenbereich; zugelassene Pflanzenschutzmittel dürfen bis zum Ende ihrer gesetzlichen Aufbrauchfrist angewendet werden
  • Verbot der Anwendung auf Flächen, die für die Allgemeinheit bestimmt sind

In Naturschutzgebieten, Nationalparks und gesetzlich geschützten § 30-Biotopen:

  • Verbot der Anwendung von Herbiziden
  • Verbot der Anwendung bienengefährlichen (B1–B3) Insektiziden
  • Verbot der Anwendung von bestäubergefährlichen Insektiziden (NN410)

Pflanzenschutz entlang von Gewässern:

Bei der Anwendung gilt ab Böschungsoberkante

  • ein Abstand von 10 Metern oder
  • von 5 Metern, wenn eine geschlossene, ganzjährig begrünte Pflanzendecke vorhanden ist.

 

Relevante Fragen aus der Praxis:

Wo finde ich Informationen zu speziellen Auswirkungen auf den Gartenbau?

Details zu den Auswirkungen auf den Gartenbau finden sich unter den Reiter der entsprechenden Gartenbausparten bei den Fachinformationen. 

Was bedeutet das: eine Anwendung von Glyphosat darf grundsätzlich nur noch nach Einzelfallentscheidung erfolgen?

In der PflSchAnwV ist vorgesehen, dass der Anwender selber vor dem Einsatz eine Entscheidung für jede einzelne Anwendung trifft. Vorher muss er alle Möglichkeiten und Maßnahmen des Integrierten Pflanzenschutzes (IPS) wahrnehmen und eine Unausweichlichkeit des Einsatzes von Glyphosat begründen bzw. dokumentieren. Im Fall einer Betriebskontrolle durch den Pflanzenschutzdienst ist diese Dokumentation mit den Pflanzenschutzaufzeichnungen vorzulegen, Fotos können als Ergänzung hilfreich sein. /p>

Was genau sind Flächen, die in eine Erosionsgefährdungsklasse zugeordnet sind?

Es handelt sich hier um Cross Compliance-Regelungen zur Minderung der Erosionsgefährdung auf bestimmten ackerbaulich genutzten Flächen. Solche Flächen sind nach § 6 Absatz 2 bis 4 der Agrarzahlungen-Verpflichtungenverordnung bestimmten Erosionsgefährdungsklassen zugeordnet. Hiervon betroffen sind Flächen, die in NRW alsCCWasser1 und 2 sowie CCWind eingestuft sind (siehe auch: www.landwirtschaftskammer.de/foerderung/hinweise/kulissen.htm)

Ist ein Einsatz von Glyphosat vor einer Direkt- oder Mulchsaat auch ohne Genehmigung möglich?

Ja, es gibt zurzeit keine Einschränkungen, solange keine alternativen Maßnahmen möglich sind, ausgenommen bleibt jedoch die Anwendung in den genannten Schutzgebieten. Dies ist unabhängig davon, ob die Fläche als erosionsgefährdet eingestuft ist oder nicht. Sinnvoll ist es auch hier, die Notwendigkeit der Anwendung (zum Bespiel die Witterung) zu erläutern und zu dokumentieren.

Kann Glyphosat bei der Anlage eines Falschen Saatbeetes kurz vor der Saat eingesetzt werden, wenn zuvor nicht gepflügt wurde?

Wenn es sich um ein „Falsches Saatbeet“ als Maßnahme im Rahmen einer Mulchsaat handelt, ist die Anwendung von Glyphosat zulässig. Kennzeichnend sind eine reduzierte Bodenbearbeitung, eine grobe Struktur und eine Mulchauflage.

Findet auch ohne Pflug eine intensive, saatfeine Bodenbearbeitung statt, dann ist die Anwendung von Glyphosat nur noch auf nach Verordnung erosionsgefährdete Ackerfläche oder im Einzelfall, wenn beispielsweise die Witterung über mehrere Tage eine „alternative Maßnahme“ zur erfolgreichen Unkrautbekämpfung zulässt. Die Notwendigkeit der Anwendung ist zu dokumentieren.

Darf Glyphosat in mehrjährigen Kulturen, beispielsweise vor dem Wiederaustrieb im Frühjahr eingesetzt werden?

Nein, mehrjährige Kulturen auf Ackerflächen, wie Silphie oder Miscanthus, werden in der PflSchAnwV als Ausnahme nicht explizit genannt. Eine Anwendung ist daher nur zur Unkrautbekämpfung auf nach Verordnung erosionsgefährdeten Böden oder gegen perennierende Unkräuter auf betroffenen Teilflächen möglich.

Darf Glyphosat flächendeckend zur Rekultivierung auf NawaRo-Flächen genutzt werden? Müssen diese dazu als Problemfälle gelten und lässt sich dies für bestimmte Kulturen generalisieren (bspw. zur Rekultivierung von Silphie)?

Nein, mehrjährige Kulturen auf Ackerflächen, wie Silphie oder Miscanthus, werden in der PflSchAnwV als Ausnahme nicht explizit genannt. Eine Anwendung ist daher nur zur Unkrautbekämpfung auf nach Verordnung erosionsgefährdeten Böden oder gegen perennierende Unkräuter auf betroffenen Teilflächen möglich.

Dürfen Betriebe im Herbst nach in Krafttreten der Verordnung ihre Rapsstoppeln mit Glyphosat behandeln?

Die Anwendung von Glyphosat ist zulässig, wenn die Folgekultur in Mulchsaat bestellt wird. Sollten die Rapsstoppeln gepflügt werden, ist die Glyphosatanwendung nur dann zulässig, wenn es sich um eine nach Verordnung erosionsgefährdete Fläche (CC-Auflagen sind zu beachten) oder eine Entscheidung im Einzelfall bei einer unausweichlichen, alternativlosen Anwendung handelt.

Dürfen neben perennierenden Unkrautarten auch schwer bekämpfbare Unkräuter mit Glyphosat behandelt werden?

Grundsätzlich nein. Ausnahmen können vorliegen, wenn es sich um eine nach Verordnung erosionsgefährdete Fläche, eine Behandlung im Rahmen einer Direkt- oder Mulchsaat oder eine Entscheidung im Einzelfall bei einer unausweichlichen, alternativlosen Anwendung handelt.

Ist eine flächige Anwendung auf Grünland zur Vorbereitung einer Neueinsaat nur auf Flächen möglich, die einer Erosionsgefährdungsklasse zugeordnet sind? Was ist mit vorhandenen Problemunkräutern, die durch eine wendende Bodenbearbeitung nicht zu beseitigen sind?

Ja, eine Anwendung ist grundsätzlich nur auf als erosionsgefährdet eingestuften Fläche erlaubt. Es gibt zwei Ausnahmen, zum einen, wenn die Verunkrautung so umfassend ist, dass eine wirtschaftliche Nutzung sonst nicht möglich wäre. Und zum anderen, wenn die Futtergewinnung wegen eines Risikos für die Tiergesundheit (z. B. durch Jakobskreuzkraut) sonst nicht möglich wäre.

Wann sind diese perennierenden Unkräuter auf meiner Ackerfläche bekämpfungswürdig?

Dieser Umfang ist bei ausdauernden Pflanzenarten generell niedrig anzusetzen, da diese einmal im Acker etabliert, nur wieder sehr schwer loszuwerden sind. Sinnvoll ist die frühzeitige aber auch auf befallene Teilflächen begrenzte Behandlung.

Was sind perennierende Unkräuter?

Hierunter versteht man mehrjährige, ausdauernde Pflanzen, die in jeder Vegetationsperiode über die im Boden überdauernde Wurzel wieder austreiben. Gute Informationsmöglichkeiten bietet die folgende Internet-Seite des Julius Kühn-Institutes: & https://offene-naturfuehrer.de/web/Ausdauernde_Arten_(Unkrautgarten_des_JKI)

Gibt es Ausnahmen zum Verbot von Glyphosat in Wasserschutzgebieten?

Nach Rücksprache mit unserem Ministerium (MULNV) gibt es keine Ausnahme. Die Schwierigkeiten in Wasserschutzgebieten bezüglich der Mulchsaat, der Nitratfreisetzung oder von Flächen, die gleichzeitig in Hamsterschutzgebiet und WSG liegen, sind dem Ministerium bekannt. 

Bei welcher Behörde können Ausnahmen zur Anwendung von Pflanzenschutzmitteln in Naturschutzgebieten zur Abwendung erheblicher wirtschaftlicher Schäden gestellt werden und wie weise ich das nach?

Die Bedingungen die Ausnahmen von dem Verbot ermöglichen, werden noch auf Ministeriums-Ebene abgestimmt. Bereits jetzt bearbeiten wir in dringenden Fällen Ausnahmegenehmigungen, wie bei der anstehenden Krautregulierung in Kartoffeln. Dazu benötigen wir ein Mindestmaß an Informationen zum Antragsteller, zu der/den Fläche/n, zum Pflanzenschutzproblem. Da wir diese Anträge mit den Unteren Naturschutzbehörden abstimmen müssen, bitten wir um möglichst frühzeitige Antragstellung.

Ist eine chemische Krautabtötung bei Kartoffeln in Naturschutzgebieten möglich?

Eine chemische Krautregulierung mit Herbiziden ist nicht mehr möglich. Zur Verfügung stehen ausschließlich mechanische oder physikalische Alternativen. Den Kontakt zu den Beraterinnen und Beratern in Ihrer Region vermittelt Ihre Kreisstelle:/p>

Ansprechpartner für Pflanzenbau, Pflanzen- und Wasserschutz

SSind Randstreifen weiter förderfähig, auch wenn es eine gesetzliche Grundlage gibt?

Die Förderfähigkeit für diese Streifen bleibt unter den derzeit geltenden Förderrichtlinien erhalten. Auch ein für bestimmte Flächen zukünftig ggf. bewilligter Erschwernisausgleich ändert nach derzeitiger Sicht nichts an der Beihilfefähigkeit. Diese Flächen bleiben, wenn alle sonstigen Kriterien der Beihilfefähigkeit erfüllt sind, vorerst prämienberechtigt.

An welchen Gewässer müssen Randstreifen angelegt werden?

Es ist noch nicht geklärt, was in NRW „kleine Gewässer von wasserwirtschaftlich untergeordneter Bedeutung“ sind. Dies soll auf Ministeriums-Ebene zeitnah abgestimmt werden.

Nach Rücksprache mit unserem Ministerium gilt der Abstand, der bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln einzuhalten ist (5 m bzw. 10 m), sofort ab Festlegung der relevanten Gewässer. Damit überholt die PflSchAnwV die Regelungen, die sich ab 2022 aus dem Wasserhaushaltsgesetz § 38 ergeben, wonach (unter bestimmten Bedingungen) in einem Abstand von 5 m zu Gewässern die Anwendung und Lagerung von (Dünge‐ und) Pflanzenschutzmitteln verboten wird. 

Wie sieht der geplante Erschwernisausgleich aus?

Landwirte, deren Flächen betroffen sind und dadurch zusätzliche Kosten und Einkommensverluste haben, sollen durch die Verankerung einer Förderung im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK) einen Erschwernisausgleich erhalten.

Dazu wird im Sonderrahmenplan "Insektenschutz" der GAK ein neuer Fördertatbestand für den Erschwernisausgleich Pflanzenschutz geschaffen. Dafür gibt es ein zusätzliches Budget von 65 Millionen Euro/Jahr – und zwar ausschließlich für die Landwirte, deren Flächen betroffen sind. Mit der Kofinanzierung der Länder stünden damit bis zu 90 Millionen Euro zur Verfügung, und dies langfristig, ohne Deckelung und als Pauschalbeträge. Detailregelungen sind derzeit nicht bekannt.

Zum Erschwernisausgleich sind inzwischen erste Entwürfe bekannt. Daraus geht hervor, dass es einen Erschwernisausgleich nur in Naturschutzgebieten/FFH gibt, aber nicht für die Glyphosat-Verbote oder den Gewässerrandstreifen. Die Höhe des Ausgleichs steht ebenfalls noch nicht fest. Ausnahmegenehmigung und Erschwernisausgleich schließen sich gegenseitig aus. 

Die Anwendung zur Vorsaatbehandlung ist unter bestimmten Bedingungen zulässig. Ich habe Probleme mit Ackerdisteln, muss meine Gemüsekultur aber pflanzen, was gilt für mich?

Diese Ausnahmen sollen vorerst in Absprache mit dem MULNV auch zur Vorbereitung von Pflanzkulturen gelten./p>

Wie kann man Flächen in ELWAS-Web recherchieren?

Das Fachinformationssystem ELWAS mit dem Auswertewerkzeug ELWAS-WEB ist ein elektronisches wasserwirtschaftliches Verbundsystem für die Wasserwirtschaftsverwaltung in NRW. ELWAS-WEB enthält einen Kartenteil zur räumlichen Darstellung und Analyse der wasserwirtschaftlichen Daten:

www.elwasweb.nrw.de/elwas-web/index.jsf

Eine Übersicht über die Bedienungselemente und Informationsanzeigen gibt es in der Online-Hilfe.

Und so geht es: Auf der linken Seite unter ►„Inhalte“ finden Sie einen Reiter ►„Themen“, klicken auf ►Weitere Fachdaten „+ Schutzgebiete“ setzen Sie ein ☑ bei „Naturschutzgebiete“ und ggf. bei ☑ „FFH-Gebiete“. Klicken Sie auf ►„+ Geschützte Biotope nach § 62“, um diese hinzuzufügen und setzen drei Häkchen um diese als ☑ Linien, ☑ Punkte und ☑ Flächen hinzuzufügen. Klicken Sie auf ►„+ Trinkwasser und Wasserversorgung“ und anschließend auf ►„+ Wasserschutzgebiete“ und setzen jeweils einen Haken bei ☑ „Trinkwasserschutzgebiete, festgesetzt“ und ☑ „Heilquellen, festgesetzt“.

Die Daten der Landwirtschaftskammer NRW können über einen Klick auf das ►„Zahnradsymbol“ ⚙ auf der rechten Seite, das Symbol „Dienste hinzuladen“ (Symbol mit dem +-Zeichen) und die Eingabe der Adresse Dienstes https://www.wms.nrw.de/umwelt/lwk_eufoerderung? in das Feld unter „Eingabe per URL“ zur Karte hinzuladen.

ELWASWEB erläutert
Abbildung 4: Übersicht über die Bedienelemente in ELWAS-WEB

Wie geht es mit Glyphosat langfristig weiter?

Die Einschränkungen für die Anwendung von Glyphosat werden bis zum 31.12.2023 gelten, denn ab 2024 ist in der PflSchAnwV ein Anwendungsverbot für Glyphosat vorgesehen.